Freitag, 24. Mai 2019

Antibiotika richtig einsetzen

Ausgabe 04.2015

Der oft zu sorglose Einsatz von Antibiotika hat in den letzten Jahren zur Entstehung von multiresistenten Keimen geführt. gesünder leben zeigt, wie das bakterienabtötende Medikament effizient verwendet wird.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - dolgachov

Krankenhauskeime stellen in Österreichs Spitälern ein immer größeres Problem dar. Zu den häufigsten Verursachern von Infektionen, die Patienten oft erst während ihres Klinikaufenthalts erwerben, zählen das Bakterium Clostridium difficile und seine produzierten Giftstoffe. Bedingt durch die Zerstörung von Darmzellen sind sie für schwere Durchfallerkrankungen bis hin zu lebensbedrohlichen Entzündungen des Darms verantwortlich (GESÜNDER LEBEN hat in der März-Ausgabe davon berichtet). Nicht nur ältere und immunschwache Menschen, sondern auch Personen, die aufgrund einer langen Antibiotika-Behandlung eine angegriffene Darmflora aufweisen, sind besonders gefährdet. Antibiotika-Skeptiker, die nun zustimmend nicken, sei aber gesagt: Das wertvolle Arzneimittel ist nicht per se schlecht für uns. Vielmehr hat es schon Millionen von Menschenleben gerettet. Durch die oft zu leichtfertige Verabreichung und die unsachgemäße Einnahme haben aber viele Bakterien gelernt, sich vor diesen Medikamenten zu schützen. Die Folgen sind unwirksame Antibiotika und multiresistente Keime, die oft nur schwer behandelbar sind.

Antibiotika richtig einnehmen

• Verwenden Sie Antibiotika nur nach Absprache mit Ihrem Arzt.
• Halten Sie sich an die medizinischen Empfehlungen in puncto Art, Dosis, Einnahmezeitpunkt und -dauer.
• Brechen Sie die Therapie nicht vorzeitig ab und verbrauchen Sie die ganze Packung.
• Nehmen Sie Antibiotika nur mit Wasser, nicht mit Milchprodukten ein. Vermeiden Sie den gleichzeitigen Genuss von Alkohol.
• Setzen Sie sich im Rahmen einer Antibiotika-Behandlung nicht intensivem Sonnenlicht aus.
• Probiotika schützen die Darmflora und können Antibiotika-assoziierten Durchfällen vorbeugen.

Restriktiver Einsatz. Das heutige Resistenzproblem hat viele Väter: Als 1928 der schottische Bakteriologe und Nobelpreisträger Alexander Fleming die Ära der Antibiotika eingeleitet hat, wurde das Arzneimittel, wie Univ.-Prof. Dr. Florian Thalhammer, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten & Tropenmedizin (ÖGIT),  betont, als „neue Wunderwaffe“ betrachtet und ziemlich sorglos nach dem Motto „mit Kanonen auf Spatzen schießen“ eingesetzt. Zu schnell und zu häufig – so wurden Antibiotika verschrieben. Und daran hat sich bis heute leider auch nicht viel geändert. „Dies zeigt sich sehr anschaulich, wenn man die Kurve der Grippefallzahlen und jener der Verschreibung oraler Antibiotika übereinanderlegt“, so Thalhammer. „Hier spielt zweifelsohne die Erwartung der Patienten eine Rolle, die bei Fieber sehr oft nach einem Antibiotikum verlangen. Rezente Studien zeigen allerdings auch, dass wir Ärzte im Hinblick auf die Verschreibungsfreudigkeit von Antibiotika zu Arbeitsbeginn widerstandsfähiger sind als am Ende eines anstrengenden Arbeitstages.“ Entsprechende Aufklärung der Bevölkerung seitens der Mediziner, aber auch adäquate Fortbildungsveranstaltungen innerhalb der Ärzteschaft sollen nun helfen, die Verwendung zu optimieren. Dabei soll auch der Aspekt des Antibiotika-Einsatzes in der Tierzucht als Wachstumsförderer nicht außer Acht gelassen werden. Empfehlungen zur richtigen Anwendung enthält u. a. das sogenannte „Antibiotic Stewardship“-Programm, das in Österreich immer mehr Anklang findet. Darin geht es nicht zuletzt um einen begrenzten Einsatz von (Breitband-)Antibiotika.
Wozu überhaupt Antibiotika? „Antibiotika sind Medikamente, die Bakterien am Wachstum hemmen bzw. abtöten“, erklärt Thalhammer. „Im ambulanten Bereich sind die sogenannten Penicilline sowie Makrolide und Chinolone die wichtigsten Vertreter dieser Gruppe.“ Bei bakteriellen Infektionen wie beispielsweise einer Lungen-, Nierenbecken- oder Herzklappenentzündung sind Antibiotika daher unabdingbar. Handelt es sich hingegen um einen banalen Schnupfen, sind sie völlig effektlos. Und werden gefährlich: Nimmt man bei viral bedingten Erkältungen Antibiotika ein, wird die geschwächte Darmflora anfälliger für aggressiv auflauernde Bakterien. Fieber, Husten und laufende Nasen sind daher keine Gründe für das Einfordern, die Verschreibung oder Einnahme von Antibiotika. „Schließlich kann es zum Auftreten von vermeidbaren Nebenwirkungen wie Durchfall, Pilzinfektionen oder Allergien kommen. Manche Substanzen haben per se eine abführende Wirkung, andere können durch Beeinträchtigung metabolischer Abläufe zu einer funktionellen Diarrhö führen. Bei entsprechender Prädisposition kann es dann zum Auftreten einer Clostridiumdifficile-Infektion mit dünnflüssigen Stuhlfrequenzen kommen“, so Thalhammer.

Der richtige Umgang. Wurde eine antibiotische Behandlungsbedürftigkeit diagnostiziert, sollte man sich unbedingt an die ärztlichen Empfehlungen hinsichtlich Art, Dosierung und Dauer halten, um Wechselwirkungen zu vermeiden. Der Mediziner berücksichtigt das Alter des Patienten, Organschwächen (z. B. eingeschränkte Nieren- oder Leberfunktion), eine etwaige Schwangerschaft und vorhandene Allergien. Die Dosierung bei Kindern, die nach dem Prinzip „so selten wie möglich, aber so oft wie nötig“ behandelt werden sollten, richtet sich nach dem Körpergewicht. „Die medizinischen Einnahmeregelungen sind dringend zu beachten, um eine ausreichende Resorption des Antibiotikums zu gewährleisten; in einigen Fällen auch, um Interaktionen zu vermeiden“, erläutert Thalhammer.
Derzeit gibt es nur wenige antibiotische Arzneimittel, welche die anhaltende Heilung von Clostridium-difficile-Infektionen unterstützen. Bei den gängigen Antibiotika kommt es häufig zu Rückfällen. Die Prävention steht daher an erster Stelle 1.

1) Clostridium-difficile-Infektion (CDI). Consensus Statement, Österreichische Ärztezeitung, März 2014, Suppl.

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