Montag, 27. Januar 2020

Antibiotika? Ja, aber richtig!

Ausgabe 2019.12/2020.01

Warum soll man Antibiotika immer zu Ende nehmen? Und wann sind sie völlig wirkungslos? Und was tun, wenn Nebenwirkungen auftreten? GESÜNDER LEBEN hat die wichtigsten Fakten rund um jenes Arzneimittel, das im Winter besonders oft zum Einsatz kommt.


Foto: iStock-Christoph Burgstedt

Im Jahr 1928 entdeckte der schottische Mediziner und Bakteriologe Alexander Fleming das Penicillin, ein von bestimmten Schimmelpilzen produzierter Stoff. In Österreich wurden die ersten Penicillin-Tabletten 1952 hergestellt. Mittlerweile gibt es rund 30 unterschiedliche Antibiotika. Ihre Hauptaufgabe: Bakterien zu hemmen oder zu töten und Menschen auf diese Weise von bakteriellen Infektionskrankheiten zu heilen. Allerdings hilft die Arznei nicht bei jeder Krankheit – und nur dann, wenn die Regeln für die Einnahme strikt eingehalten werden. Mag. Dr. Bernhard Ertl von der pharmazeutischen Abteilung der Österreichischen Apothekerkammer in Wien erläutert in GESÜNDER LEBEN, worauf es ankommt.

Wann helfen Antibiotika – und wann nicht?
Antibiotika werden gegen bakterielle Infektionskrankheiten eingesetzt. Wirkungslos hingegen sind sie bei viralen Infekten, daher sind Antibiotika etwa bei grippalen Infekten in der Regel zunächst nicht nötig. Nur wenn zum viralen Infekt eine bakterielle Komplikation dazukommt, müssen Antibiotika eingenommen werden. Ob es sich bei einer Erkrankung um eine bakterielle oder virale Ursache handelt, wird vom Arzt festgestellt. Es gibt kein Antibiotikum, das gegen alle krank machenden Bakterien wirkt. Grundsätzlich gelten zwei Merksätze: „Antibiotika so selten wie möglich, aber so oft wie nötig” und zweitens „Ganz oder gar nicht”.

Wie wirken Antibiotika?
Prinzipiell unterscheidet man zwei Wirkungen: Die Bakteriostase, das bedeutet, dass es unter Einwirkung des Antibiotikums zur Hemmung der Bakterienvermehrung kommt. Die Bakterienzahl bleibt konstant und wird durch körpereigene Abwehr reduziert. Dem gegenüber steht die Bakterizidie: Dabei tötet das Antibiotikum die Bakterien. Manche Wirkstoffe wirken gegen ruhende Keime, andere töten nur aktive Keime, und Antibiotika haben auch unterschiedliche Angriffsorte in Bakterien. So wirken beispielsweise Penicilline, indem sie die Zellwand der Bakterien zerstören.

Wovon hängt die Dauer der Einnahme ab?
Diese richtet sich nach Art und Ort der Infektion und dem eingesetzten Antibiotikum. Die Dauer der Therapie wird individuell vom Arzt festgelegt. Sofern keine Angaben erfolgen, sollte die Packung zu Ende genommen werden. Auf keinen Fall darf eigenmächtig die Einnahme bei Besserung der Symptome einfach beendet werden.

Was ist bei Nebenwirkungen zu tun?
Treten unerwünschte Nebenwirkungen wie Durchfall oder Hautausschläge auf, ist es wichtig, rasch ärztlichen Rat zu holen und keinesfalls auf eigene Faust mit der Antibiotika-Einnahme aufzuhören. Oft wird hier recht salopp von „Penicillin-Allergie“ gesprochen, doch nur selten liegt tatsächlich eine allergische Reaktion mit Beteiligung des Immunsystems vor. Ein Großteil der vermeintlichen Unverträglichkeitsreaktionen nach Antibiotika-Einnahme sind gar nicht durch das Medikament bedingt, sondern treten eher zufällig gleichzeitig auf, beispielsweise durch Virusinfekte bedingte Hautausschläge.

Was ist bei der Einnahme zu beachten?
Antibiotika sollten in der richtigen Dosierung und der richtigen Zeitspanne eingesetzt werden, nur dann ist eine optimale Wirksamkeit gewährleistet. Manche Antibiotika müssen mehrmals täglich eingenommen werden, andere brauchen nur eine Einmalgabe pro Tag. Informationen dazu finden sich in der Gebrauchsinformation. Soll das Präparat zweimal täglich eingenommen werden, sollte dies im 12-Stunden-Intervall erfolgen. „Eine Tablette dreimal am Tag“ heißt: eine Tablette alle acht Stunden.

Kann es zu Wechselwirkungen kommen?
Das Wechselwirkungsrisiko ist abhängig vom eingesetzten Wirkstoff. So können beispielsweise empfängnisverhütende Mittel durch die Beeinträchtigung der Darmflora durch ein Antibiotikum in ihrer Wirkung abgeschwächt werden. Ebenfalls ist auf Durchfall oder Erbrechen zu achten. Während der Einnahme und bis zur nächsten Periode sollten zusätzlich keine hormonellen Maßnahmen ergriffen werden.

Antibiotika und Milchprodukte vertragen sich nicht. Stimmt das?
Das trifft auf jene Antibiotika zu, die mit zwei- und dreiwertigen Kationen, wie Magnesium, Kalzium, Zink und Eisen interagieren. Hier muss ein zeitlicher Abstand in der Einnahme eingehalten werden. Diese Antibiotika sollen daher auch nicht gleichzeitig mit Joghurt und anderen Milchprodukten eingenommen werden. Auch Mineralwässer mit einem hohen Kalzium- oder Magnesiumgehalt sind grundsätzlich nicht zur Einnahme geeignet.

Warum sollte man Alkohol vermeiden?
Alkohol ist Störfaktor Nummer 1, wenn es um Wechselwirkungen mit Arzneimitteln geht. Alkohol verändert den Stoffwechsel, sodass manche Wirkstoffe langsamer – bei einmaligem Alkoholkonsum – oder auch schneller – bei chronischem Alkoholismus – abgebaut werden. Daher gilt grundsätzlich: Wer Arzneimittel einnimmt, sollte besser auf Alkohol verzichten.

Sport und Antibiotika – kein gutes Team?
Da Antibiotika das Immunsystem belasten, sollte man während der Einnahme auf Sport verzichten. Generell ist die Empfehlung, sich während der Erkrankung zu schonen. Bei manchen Krankheiten kann es sonst für das Herz problematisch sein. Nach der Genesung sollte man langsam mit der Wiederaufnahme des Trainings beginnen. Manche Antibiotika haben auch fotosensibilisierende Eigenschaften. In diesem Fall sind intensive Sonnenbestrahlung bzw. Solarien strikt zu meiden.

Wie kann man die Darmflora schützen?
Probiotische Bakterien sind lebende Mikroorganismen, die die Darmflora unterstützen. Neben einer gesunden, ausgewogenen Ernährung, ausreichend Bewegung und Stressvermeidung ist der Einsatz von hochwertigen Probiotika zu empfehlen, um die Gesundheit im Darm zu erhalten bzw. wiederherzustellen.

Das Thema Antibiotika-Resistenz macht vielen Angst. Was kann man dagegen tun?
Antibiotika-Resistenz ist ein großes weltweites Problem. Entgegen allen Erwartungen, Infektionskrankheiten mit- hilfe von Antibiotika für immer und ewig zu besiegen, stellen sie nach wie vor eine große Bedrohung dar. Resistenzen gegenüber Antibiotika können u. a. entstehen, weil sie zu viel und falsch angewendet werden.

Warum soll man keine Antibiotika aufheben bzw. dann zur Selbstmedikation verwenden?
Mit Antibiotika muss verantwortlich umgegangen werden: Sie müssen im richtigen Moment, bei einer bakteriellen Infektion und nicht bei einer Virusinfektion eingesetzt werden. Nur der Arzt kann über die Diagnose die richtige Therapie verordnen.

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