Donnerstag, 01. Oktober 2020

Das neue Anti-Stress-Programm: Nützen Sie Ihr kluges Herz! - Experten Interview

Ausgabe 2020
Seite 3 von 3

 

Experten Interview

So wird Ihr Geist ruhiger!

Dr. Wolf-Dieter Nagl beschäftigte sich schon während seines Medizinstudiums mit dem Thema Selbstheilung und stieß dabei auch auf die HeartMath-Methode. Im Interview erklärt der Arzt und ausgebildete HeartMath-Coach, welche physischen und psychischen Effekte das Verfahren auf Körper und Geist hat, wie negativ sich Stress auf unsere Gesundheit auswirkt und warum wir durch positive Gefühle automatisch auch positiv denken.

Die Atemfokussierung steht im Mittelpunkt der HeartMath-Übungen. Was passiert dabei im Körper?
Wenn wir uns auf die Atmung konzentrieren und sie ein bisschen langsamer und tiefer werden lassen, beginnt, was wir Mediziner die respiratorische Sinusarrhythmie nennen. Das ist ein Muster, das zeigt, dass das Herz im proportionalen Verhältnis zum Atemzyklus zu schlagen beginnt. Dies geschieht, wenn wir die Ein- und Ausatmung auf etwa 4 bis 5 Sekunden verlangsamen, wodurch sich meist ein Verhältnis von 4:1 einstellt. Das bedeutet, dass man pro Einatmung und pro Ausatmung vier Herzschläge hat. Dieses Muster, das sich klassischerweise auch im Schlaf zeigt, ist äußerst regenerierend für den Körper. Man sieht, dass die Herzfrequenz beginnt, sich beim Einatmen zu beschleunigen und beim Ausatmen langsamer zu werden. Wenn man die Herzfrequenz eine Zeit lang aufzeichnet, entsteht die Kurve der Herzraten-Variabilität. Während der herzfokussierten Atmung im Rahmen der HeartMath-Übung zeigt sich in dieser Herzraten-Variabilitätskurve dabei ein Muster, das hauptsächlich durch den Parasympathikus vermittelt wird – jener Teil im autonomen Nervensystem, der den Körper regeneriert.

Welche Aufgabe hat das autonome Nervensystem?
Das ist sozusagen unser Betriebssystem, das die Organfunktionen steuert und die Aufgabe hat, uns immer an die Situation anzupassen, in der wir uns gerade befinden. Geht man joggen, muss das autonome Nervensystem aufs Gas drücken, denn wir benötigen eine hohe Herzfrequenz, eine hohe Atemfrequenz, hohen Blutdruck. Wenn wir abends entspannen, aktiviert es hingegen das Bremspedal und beginnt zum Beispiel Muskelfasern, die zuvor überbeansprucht wurden, zu reparieren, den Körper zu harmonisieren und Energiereserven, die vorher aufgebraucht wurden, wieder aufzubauen. Dieses Bremspedal ist der Parasympathikus und er hat einen regenerierenden und heilenden Effekt im Körper. Er sorgt auch dafür, dass das Immunsystem in einer optimalen Balance steht.

Da durch die Übungen von HeartMath der Parasympathikus messbar aktiviert wird, unterstützen wir also auch unser Immunsystem?
Genau, denn durch die Übungen reduzieren wir vor allem auch unseren Stress – und der ist Gift für unser Immunsystem. Dabei unterscheiden wir zwischen akutem und chronischem Stress. Wenn wir unter einem hohen Stresslevel stehen, produziert der Körper anfangs Noradrenalin, und wenn der Stress über längere Zeit anhält, auch Cortisol. Diese Stresshormone führen nicht nur zu einem erhöhten Blutdruck, der sich negativ auf die Gefäße auswirkt und zu Arteriosklerose, der Gefäßverkalkung, führen kann. Es kommt auch zu einer Verschiebung im Immunsystem.

Inwiefern?
Auch das Immunsystem hat zwei Teile. Man kann es mit einem Schlachtheer vergleichen: Die vordersten Kämpfer stellen das angeborene Immunsystem dar, das vor allem Viren und Bakterien bekämpft, die Wundheilung fördert und auch Krebszellen angreift. Diese vorderste Nahkampfeinheit des Immunsystems wird durch akuten Stress nach einer anfänglichen Aktivierung supprimiert, also unterdrückt. Das ist der Grund, warum die virale Abwehr, aber auch die Wundheilung durch akuten Stress deutlich verzögert wird. Hält dieser Stress über einen langen Zeitraum an, erschöpft sich unser Cortisolspeicher und dadurch kommt es zu einer Umkehrsituation: Die Nahkampfeinheit des Immunsystems wird dadurch hyperaktiv und man hat dann im Körper etwas, das wir eine stille Entzündung nennen. Diese subklinischen Entzündungen kann man in herkömmlichen Laborbefunden meist gar nicht erkennen. Heute wissen wir, dass diese stillen Entzündungen eine große Rolle bei vielen Krankheiten wie Gefäßerkrankungen, bei rheumatoider Arthritis oder bei Diabetes mellitus spielen.
Den zweiten Schenkel des Immunsystems kann man sich wie die Bogenschützen vorstellen, die mit ihren Pfeilen die Fremdkörper bekämpfen. Das ist der Antikörper produzierende Teil des Immunsystems, er verhält sich spiegelbildlich. Bei akutem Stress wird er überaktiv – deshalb nehmen allergische Reaktionen, Asthmaanfälle oder Neurodermitis-Schübe bei akutem Stress zu. Bei chronischem Stress wird dieser Teil heruntergefahren.
Fazit: Stress bringt, je nachdem ob er chronisch oder akut ist, das Immunsystem in die eine oder andere Richtung in Dysbalance. Und wenn wir Stress über eine Parasympathikus-Aktivierung reduzieren, kommt das ganze System in eine optimale Balance. Es gibt einige Dinge, die man tun kann, um das zu erreichen: Ausdauersport, Yoga, Meditation – oder die HeartMath-Übungen, die Stressreaktionen sehr schnell und messbar unterbrechen.

Auch der Geist wird durch die HeartMath-Übungen ruhiger, die Gedanken werden klarer. Wie wird diese Wirkung erzielt?
Durch die Atemfokussierung aktiviert man nicht nur auf der physischen Ebene den Parasympathikus, man entzieht auf der mentalen Ebene den stressauslösenden Gedanken und Gefühlen die Energie der Aufmerksamkeit. Wir nehmen also den neuronalen Netzwerken im Gehirn, die normalerweise problembehaftete, stressauslösende Gedanken produzieren, die Energie. Wenn keine Energie, sprich elektrischer Strom, mehr durch diese Netzwerke fließt, sind diese nicht mehr aktiv und die Gedanken hören auf. Dadurch wird der Geist ruhiger.

Welche Rolle spielt der zweite Schritt der Übung, durch Denken positive Gefühle hervorzurufen?
Positive Gefühle bringen den Körper auch in eine positive Balance. Automatisch beginnen wir dadurch, positiver zu denken. Wir denken immer, wie wir fühlen und fühlen, wie wir denken – zum Beispiel wenn wir verliebt sind: Dann nehmen wir die gesamte Welt viel positiver wahr als zuvor, obwohl die Welt dieselbe ist. Nur die Wahrnehmung ändert sich. Wir sehen andere Dinge. Das Entscheidende ist, dass wir ein inneres Bild hervorrufen, das in uns positive Gefühle erzeugt, denn innere Bilder wirken viel effektiver als das klassische „positive Denken“. Das Faszinierendste für mich ist, dass die Veränderung unserer Gefühlslage auch die Wahrnehmung der Realität verändert – und wir haben es in der Hand, welche Gefühle wir produzieren!

Welche Empfehlungen haben Sie für Interessierte? Wie beginnt man?
Ich empfehle Anfängern als Grundlagentraining, die Basisübung drei Minuten morgens und drei Minuten abends zu machen. Dann hat man in Stresssituationen das nötige Rüstzeug schon parat. Das Feedback ist durchwegs positiv, viele berichten, dass sie sich besser fühlen und der Stresspegel gesunken ist.

 Quelle: HeartMath DeutschlandheartMath

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Das neue Anti-Stress-Programm: Nützen Sie Ihr kluges Herz!
Seite 2 In drei Schritten zu positiven Gefühlen
Seite 3 Experten Interview

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2020-09 130x173Aktuelles Heft 09/2020

Die nächste Ausgabe erscheint am 2. Oktober 2020

 

Unsere Ausgabe 07-08/2020 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Lachen Sie gerne?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information