Samstag, 22. Februar 2020

Das neue Anti-Stress-Programm: Nützen Sie Ihr kluges Herz!

Ausgabe 2020
Seite 1 von 3

Unser Herz ist ein lebenswichtiger Muskel. Wussten Sie aber auch, dass unser Herz Botschaften an das Gehirn sendet – etwa in Stresssituationen? Die HeartMath-Methode nützt diese Herzintelligenz und sorgt mit einfachen Übungen für mehr Gelassenheit. HeartMath-Coach Reiner Krutti und Mediziner Dr. Wolf-Dieter Nagl erläutern, wie auch Sie die Technik nützen können und welche Effekte sie auf unsere physische und psychische Gesundheit hat.


Foto: © iStock-inkoly

Die Atmung wird hektisch, das Herz schlägt schneller, ein flaues Gefühl macht sich in der Magengegend breit, während der Mund trocken und die Hände feucht werden … Auch wenn die Situationen, in denen solche Stresssymptome bei uns auftreten, individuell unterschiedlich sind, kennen wir sie doch alle. Den einen bringt der morgendliche Verkehrsstau zur Verzweiflung, den anderen der brüllende Chef am Montagmorgen. Bei Reiner Krutti reichte die pure Vorstellung aus, dass der nächste Arbeitstag eine kleine oder mittlere Katastrophe beinhalten könnte. „Ich stand beruflich stark unter Druck, das Damoklesschwert pendelte quasi immer über mir“, erinnert sich der ehemalige Automobilkonzern-Manager. Auf der Suche nach einer Methode, die es erlaubte, Stresssituationen besser in den Griff zu bekommen, stieß Krutti schließlich auf jene Technik, die er heute als Coach trainiert und die im deutschsprachigen Raum als „Herzintelligenz“ bekannt wurde: HeartMath.

Intelligenter Muskel
Im Zentrum des Verfahrens, das vom amerikanischen Stressforscher Doc Childre im kalifornischen Boulder Creek entwickelt wurde, steht, wie der Name verrät, das Herz. Dieser Motor unseres Lebens versorgt nicht nur all unsere Organe mit lebenswichtigem Sauerstoff, indem es mit durchschnittlich 100.000 Schlägen täglich rund 7.200 Liter Blut durch unseren Körper befördert. Es spielt auch eine entscheidende Rolle in der Funktion des menschlichen Organismus, der Gesundheit – und unseres Wohlbefindens. Denn der Herzrhythmus beeinflusst auch unsere Stimmung. Mit fein abgestimmten Veränderungen der Herzschlagfolge reagiert das Herz ununterbrochen auf äußere und innere Signale, also auf all das, was wir äußerlich erleben und innerlich denken und fühlen. Diese sogenannte Herzraten-Variabilität (HRV) ist ein Indikator für unseren Gesundheitszustand – eine variable Herzfrequenz deutet auf einen positiven Zustand hin, eine starre hingegen auf eine kritische Situation. „Die Forscher vom HeartMath-Institut haben herausgefunden, dass unser Herzrhythmus in gleichförmigen Wellenbewegungen schlägt, wenn wir uns wohlfühlen. In Stresssituationen gerät dieser Rhythmus aber aus dem Takt: Nicht nur die Herzfrequenz steigt an, auch die Herzraten-Variabilität – das Muster des Herzschlags – verändert sich und wird bei Emotionen wie Frustration chaotisch“, erläutert Krutti. Die HeartMath-Methode macht diese Veränderungen mittels Biofeedback sichtbar: Über einen am Ohrläppchen angebrachten Sensor wird das Herzschlagmuster aufgezeichnet und kann auf einem PC-Bildschirm oder Handyscreen verfolgt werden.

Herz- und Kopfsache
Negative Emotionen, die etwa bei Stress auftreten, haben also eine direkte Auswirkung auf unseren Herzrhythmus und in weiterer Folge auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit. Denn: Unser Herz empfängt nicht nur Signale von unserem Gehirn, es sendet noch viel mehr an unsere Schaltzentrale im Kopf zurück. „Lange Zeit dachte man, die Kommunikation zwischen Gehirn und Herz wäre eine Einbahnstraße“, so Krutti. „Mittlerweile weiß man, dass das Herz um die 50.000 Neuronen besitzt, das sind Nervenzellen, die auch im Gehirn vorkommen. Über diese Nervenzellen gibt es eine enge Verbindung zwischen Herz und Gehirn.“ Vor allem zwei Regionen reagieren auf die Herzsignale: Die Amygdala, ein Teil unseres emotionalen Gehirns, initiiert unsere physischen und psychischen Reaktionen auf Stress und Angst. Und der Thalamus, das Tor zu unserem Bewusstsein, der die Aufgabe hat, die Informationen, die täglich auf uns einströmen, zu filtern und nur jene an das Großhirn weiterzugeben, die er für wichtig hält. „Die Herzintelligenz-Übungen haben unter anderem das Ziel, unserem Gehirn in Stresssituationen zu vermitteln, dass alles in Ordnung ist und wir uns in Sicherheit befinden“, so Krutti. Wer nun ein komplexes Verfahren erwartet, irrt. Denn: Die Basisübung der Herzintelligenz ist einfach und jederzeit im Alltag anwendbar. „Unser Ziel ist es, zu lernen, unsere Emotionen über unser Herz zu regulieren“, so der Herzintelligenz-Coach. „Wir warten also nicht auf eine Situation, in der wir uns wohlfühlen können. Mit den Übungen lernen wir, auch in Stresssituationen positive Gefühle wie Zuversicht und Gelassenheit zu fühlen.“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Das neue Anti-Stress-Programm: Nützen Sie Ihr kluges Herz!
Seite 2 In drei Schritten zu positiven Gefühlen
Seite 3 Experten Interview

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