Freitag, 22. November 2019

Anleitung zum Glücklichsein

Ausgabe 07-08/2010

Foto: Liza Mccorkle - istockphoto.com
Ist das Glück wirklich ein Vogerl? Oder jeder seines eigenen Glückes Schmied? Oder hängen Sie eher der Anschauung an, dass glücklich ist, wer vergisst, was doch zu ändern ist? Vielleicht wollen Sie es einmal mit den „Glückskeksrezepten“ des deutschen Kabarettisten und Buchautors Dr. med. Eckart von Hirschhausen versuchen, die da etwa lauten: „Singe laut, jeden Tag“, oder „Genieße das Leben, es könnte dein letztes sein!“ Wer will, kann sich „Glücksspiele“ oder seinen Lieblingsspruch aus den bunten Bastelbögen im Buch ausschneiden und zum Beispiel an seinen PC kleben. Gesünder Leben hat das Kunststück zu Wege gebracht, den gefragten Bestsellerautor an die Strippe zu bekommen.

Gesundbrunnen Glück
„Das Beste, was dieses Buch erreichen kann: Sie ändern gar nichts an Ihrem Leben, fühlen sich aber besser damit.“ Doch das, so betont es der Autor selbst, will er uns nicht versprechen. Damit unterscheidet er sich schon von den Legionen selbsternannter Glücksratgeber. Diese wollen uns weismachen, wenn wir uns nur entsprechend ihren Ratschlägen ändern, käme das Glück auch schon angeflogen, um für immer zu bleiben. Hirschhausen hingegen weiß: „Glück ist kein Naturzustand. Gesundheit auch nicht. Nicht jeder, der gesund ist, ist glücklich. Und umgekehrt. Aber wer öfter glücklich ist, wird seltener krank und lebt länger.“ So einfach, so schlüssig. Wenn Hirschhausen mit Hintergrundwissen aufwartet, dann ist es meist medizinischer Natur, denn in seinem früheren Leben hat er als Arzt praktiziert. So klärt er uns unter anderem auch darüber auf, dass, wer glücklich lebt, weniger Risiko für Herzinfarkte, Diabetes und Infarkte trägt, und belegt das auch mit entsprechenden wissenschaftlichen Untersuchungen. „Deswegen müsste Ihnen die Krankenkasse das Geld für meine Bücher eigentlich zurückerstatten, denn sein Glück zu mehren ist die beste Prävention“, sagt Hirschhausen. „Lachen ist die beste Medizin und beugt vielen Krankheiten vor.“

Paradoxes Glück
Sein Buch – so schwört er augenzwinkernd im Interview – enthält garantiert 20 Prozent weniger Ratschläge als üblich. „Wer es liest, muss nicht glücklicher werden. Wer will, kann anschließend auch unglücklicher sein – aber auf höherem Niveau. Pessimisten behalten öfter Recht – aber will man Recht behalten oder glücklich sein? Beides geht nicht.“ Was den Gründer der Roten Nasen Clowns in Deutschland interessiert, ist eine zentrale Idee: „Glück ist paradox.“ Während viele andere Glücksgurus versuchen, Glück auf eine zentrale Formel zu bringen, reizt ihn genau das Gegenteil: „Für mich ist das Widersprüchliche interessant: Schönheit macht traurig, Sex wird überschätzt, und lange Ladenöffnungszeiten lähmen die Kauflust. Dafür macht Geld glücklich – beim Ausgeben, nicht beim Verdienen.“

Frohe Botschaften
„Shit happens: Mal bist du die Taube, mal das Denkmal“, lautet ergo auch eine zentrale Aussage Hirschhausens, denn er ist überzeugt: Schicksalsschläge sind nicht die Ausnahme, sondern die Regel, und es geht darum, mit ihnen umzugehen zu lernen. Gemeinsam mit dem Autor des Buches „Die Glückshypothese“, Jonathan Haidt, kommt er zu einem überraschenden Schluss: „Menschen brauchen Verletzungen und Schicksalsschläge, um zu ihrer wahren Stärke zu finden, um erfüllt zu leben, um sich vollständig entwickeln zu können. Würde man alles Leid aus dem Leben eines Menschen verbannen, brächte man ihm damit kein Glück, man brächte ihn um das Beste – nämlich von den Widrigkeiten des Lebens profitieren zu können.“ Ausnahme: die posttraumatische Belastungsstörung, die zum Beispiel eintritt, wenn ein Mensch akut vom Tod bedroht wurde oder über längere Zeit Folter durchleben musste. Er lässt uns aber wissen, dass es drei frohe Botschaften aus der Traumaforschung gibt:

  • Traumata sind psychotherapeutisch behandelbar.
  • Die meisten Menschen brauchen gar keine Therapie, da sie überhaupt keine Spätfolgen entwickeln.
  • Viele Betroffene betrachten im Nachhinein die Widrigkeiten als etwas Nützliches und Positives. „Sie sagen später: Der Unfall ist das Beste, was mir im Leben passieren konnte; seitdem lebe ich bewusster, intensiver und glücklicher.“

Aber, und auch das weiß der Mediziner: „Man hat nur dann etwas von Schicksalsschlägen, wenn man überhaupt die Ressourcen und die Chance hat, etwas daraus zu lernen. Kleine Kinder sind von plötzlichen Umbrüchen schwerer betroffen, weil ihnen die intellektuellen Möglichkeiten fehlen, das Ganze zu reflektieren. Und auch alte Menschen sind oft damit überfordert, noch umzudenken und ihr Leben neu auszuloten.“ Fazit: „Wir sollten uns nicht wünschen, nie vom Schicksal gebeutelt zu werden. Wenn wir es uns aussuchen könnten, träfe uns Hartes jedoch am günstigsten zwischen 15 und 35.“

Glücklich solo & zu zweit
Manches hinnehmen, wie es ist, und nicht ewig nach dem scheinbar Besseren suchen ist ein weiterer Tipp des Glücksautors, und der betrifft auch seine Glückstipps zur Partnerwahl. Er empfiehlt, einmal alle realen Partner, die man je hatte, und alle, die man hätte haben können, zusammenzunehmen. „Wenn Ihr gegenwärtiger Partner im Vergleich besser ist als der Durchschnitt, sind Sie schon ziemlich gut! Sollte er gar im gefühlten oberen Drittel anzusiedeln sein, dann hören Sie auf, nach etwas Besserem zu suchen! Und das, was Sie haben, schlechter zu machen als es ist. Viel wichtiger, als jemanden zu finden, der perfekt zu einem passt, ist, jemanden zu finden, der mit unserer Form von Liebe und Zuneigung etwas anfangen kann und will. Für das eigene Glück ist lieben zu können viel wichtiger, als geliebt zu werden – das kann man auch auf viele Menschen verteilen. Und wenn Sie gerade keinen Partner haben: Gute Freunde tragen unterm Strich wesentlich mehr zum Glücksempfinden bei.“

Glück ist ansteckend
Apropos gute Freunde: Die zentrale Botschaft des Kabarettisten klingt schon im Titel des unterhaltsamen Buches „Glück kommt selten allein“ an: „Die stärksten Glücksbringer sind andere Menschen“, sagt Hirschhausen. Denn: Glück ist ansteckend und breitet sich in Netzwerken aus. Nur wenige Befunde sind so universell richtig, so interkulturell gültig und immer wieder in Studien bestätigt wie dieser: Gute Freunde sind das Wichtigste für ein gutes Leben. Der passende Experten-Tipp dazu: „Am besten gleich mal einen roten Kringel im Adressbuch machen um die ausgewählten Freunde, mit denen Sie lachen, weinen und schweigen können.“


Lachen ist gesund!

Auch wenn Hirschhausens Ratgeber nicht den erwünschten langfristigen Effekt zeitigt, bewirkt er allemal kurzzeitige Glücksausbrüche – einfach weil er mit erhellenden Erkenntnissen und mit ironischem Wort- und Bildwitz aufwartet. Gesünder Leben zitiert hier eine kleine Auswahl seiner herzerfrischenden Sager.

  • Das Thema Glück ist viel zu ernst, um es so albern abzutun ...
  • Und sollten Sie doch ein Licht am Ende des Tunnels sehen, ist es wahrscheinlich ein entgegenkommender Zug.
  • Liebe dich selbst, dann können auch andere dich gern haben.
  • Ich bin nicht abergläubisch. Das bringt Unglück.
  • Mit dem Glück ist es so ähnlich wie mit dem Körpergewicht. Es gibt eine Veranlagung.
  • Wer jammert, ist nie allein! Denn sobald einer anfängt, gibt es garantiert jemanden, dem noch etwas viel Schlimmeres passiert ist.
  • Die Digitalfotografie hat viel Positives, gerade weil sie ohne Negative auskommt.
  • Lache, und die Welt lacht mit dir. Schnarche, und du schläfst allein.
  • Spaß beiseite. Aber wohin mit ihm?
  • Macht schreiben glücklich? Nein – aber geschrieben haben.


BUCHTIPP:
Dr. med Eckart von Hirschhausen: Glück kommt selten allein, Rowohlt Verlag, € 19,50

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