Sonntag, 19. November 2017

Alles bio – und das ist gut so!

Ausgabe 2017.11

Der Biogedanke ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und bio gibt es überall zu kaufen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Genuss, Gesundheit, Gentechnikfreiheit sowie Tier- und Umweltschutz waren für den Menschen noch nie so wichtig wie heute.


Foto: iStock - chrispecoraro

Im Jahr 2016 wurden in Österreich Biolebensmittel im Wert von 1,6 Milliarden Euro gekauft. Das ist im Vergleich zum Jahr 2014 ein sattes Plus von 23 Prozent. Gebäck, Eier und Milch sind laut Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW) die Bestseller im Bio-Lebensmittelbereich. Knapp danach folgen Gemüse und Erdäpfel, Joghurt, Butter und Obst. Bei Fleisch, Geflügel, Wurst und Schinken liegt der Bio-Anteil – derzeit noch, jedoch mit starken Wachstumsraten – unter dem Durchschnitt. Drei Viertel aller biologischen Produkte werden, so die Statistik, im Lebensmitteleinzelhandel verkauft, knapp 20 Prozent im Fachhandel oder direkt ab Hof beim Biobauern. Weniger rasant, aber immerhin mit einem Wachstum von rund 10 bis 15 Prozent steigen auch die Umsätze im Biogroßhandel, in den Großküchen (Kindergärten, Spitälern, Schulküchen …) und in der Gastronomie. Derzeit setzen in Österreich aber immerhin 400 Gastro-Betriebe (das sind 6 Prozent) auf bio. 


Biologische Landwirtschaft wächst rasant. Über ein Fünftel der landwirtschaftlich genützten Fläche wird in Österreich – und damit liegen wir im weltweiten Ranking ganz oben – schon biologisch angebaut. Täglich steigen laut dem Verein zur Förderung des Biologischen Landbaus 5 Betriebe neu in die Biolandwirtschaft ein. Heuer wird die Anzahl 23.000 übersteigen. Das heißt: Bereits 19 Prozent aller Landwirtschaften werden nach Biorichtlinien bewirtschaftet. Manch einer fragt sich, wo all die artgerecht gehaltenen Tiere, bevor sie im Kühlregal zum Verkauf landen, herumlaufen und ob wir in Österreich denn genug Fläche für Biolandwirtschaft haben, wenn die Nachfrage weiterhin so steigt. Dazu Mag. Martina Hörmer, Geschäftsführerin von Ja! Natürlich: „Es gibt auch im Biobereich größere Produktionen, aber eine Massenproduktion wie im konventionellen Bereich üblich findet im Biobereich nicht statt. Der Biobereich punktet mit seiner kleineren Struktur, höheren Standards für Tierhaltung als auch in der Bewirtschaftung des Bodens. Ein Biobauer schützt seine Früchte mit Mitteln, die auch in der Natur vorgesehen sind, der Boden ist die Quelle der Lebensmittel und der Biobauer geht sorgsam damit um.“ Skepsis regt sich auch, wenn wieder einmal eine Studie veröffentlicht wird, die besagt, dass Bioprodukte weder gesundheitliche noch geschmackliche Vorteile im Vergleich zu konventionell erzeugten Lebensmittel haben. „Mit einem gesunden Menschenverstand sind diese Studien nicht nachvollziehbar. Im Grunde genommen sind viele Dinge im Positiven nachgewiesen“, sagt Hörmer und nennt ein Beispiel: „Werden Erdbeerfelder stark gedüngt, sind die Erdbeeren zwar groß, aber wässrig. Bioerdbeeren wachsen ohne Chemie nicht so schnell, sie bleiben kleiner, sind aber geschmackvoller.“

Dem Biogedanken liegt eine umfassende Haltung zugrunde. Es ist noch nicht so lange her, da ging es beim Einkaufen nur über den Preis; woher die Ware kam und wie sie angebaut und erzeugt wurde, war Nebensache. Heute aber sind Bio-Lebensmittel auch in den Supermärkten kein Nischenprodukt mehr. Dazu Hörmer: „Die Biobewegung ist zwar schon mehr als 100 Jahre alt, aber erst vor 25 Jahren wurde das Thema auch in Supermärkten aufgegriffen. Das Bedürfnis nach genussvollen gesunden Lebensmitteln, nach artgerechter Tierhaltung und dem Schutz der Umwelt ist seither enorm gestiegen und wir sehen Wachstum quer durch alle Sortimente.“

Schrumplige Äpfel, weiche Karotten, schlappes Gemüse. Bioprodukte waren über lange Zeit unansehnlich und sehr teuer. Heute überzeugt Biogemüse optisch und preislich. „Die Biobauern haben Wissen und Erfahrung gesammelt“, weiß Expertin Hörmer, „auch altes Wissen – etwa Duftstoffe einzusetzen, um schädliche Insekten zu vertreiben – wieder entdeckt. All das macht Qualität aus, und je mehr Wissen und Können vorhanden ist, umso schöner ist die Frucht.“ Bio kostet zwar auch heute noch mehr als konventionell angebaute Lebensmittel. Aber das hat seinen guten Grund: Der Aufwand ist für die Bauern höher, die Erträge sind niedriger. „Der Einkauf biologischer Lebensmittel ist zwar im Schnitt um 20 Prozent teurer, aber immer mehr Menschen sind bereit, für gute Qualität mehr zu zahlen. Bei Bio geht es sehr viel um Ethik, um moralische Werte.“ Dies sei in den Köpfen der Menschen angekommen und damit habe Zug um Zug ein Umdenken begonnen. Bei Eiern liege der Bioanteil schon bei einem Drittel.

Werden wir uns zusehends biologisch ernähren? „Es gibt Verfechter, die behaupten, die Weltbevölkerung kann biologisch ernährt werden – und es gibt auch solche, die sagen, dass das unmöglich ist“, sagt Hörmer. „Ich würde mir und allen wünschen, dass der Trend weiterhin in Richtung Bioqualität geht.“ Was dafür spricht: Wer hätte vor zwanzig Jahren gedacht, dass zwanzig Prozent der landwirtschaftlich verwendeten Fläche Österreichs biologisch genützt werden? „Zu einem guten Leben gehört gutes Essen. Essen ist Teil unseres Lebensstils, Essen ist auch Teil des eigenen persönlichen Ausdrucks geworden. Essen wird kritischer betrachtet, und damit einhergehend, treibt der Wunsch nach Genuss mit gutem Gewissen und dem Erhalt der Gesundheit die Nachfrage nach biologischen Lebensmitteln an.“

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