Donnerstag, 23. Mai 2019

Alles andere als Kinderkram!

Ausgabe 2018.04
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Viele Kinderkrankheiten können dank Impfungen verhindert werden. Doch vor allem die Masern kehren nach Europa – und nach Österreich – zurück. GESÜNDER LEBEN erklärt, wie Sie sich und Ihre Kinder schützen können.


Foto: iStock (665515834; RomoloTavani; South_agency)

Die klassischen Kinderkrankheiten sind, anders als vielfach behauptet, nicht alle harmlos – sie können schwerwiegende Folgen haben. Seit mehreren Jahren schon häufen sich, allen voran bei den hochinfektiösen Masern, die Erkrankungen. Und das, obwohl es seit den 1960er-Jahren eine Impfung gegen diese Infektionskrankheit gibt und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sich seit Jahren dem Ziel der Ausrottung der Masern verschrieben hat. Weltweit sterben nach Schätzungen der WHO jährlich noch immer eine Million Menschen an deren Folgen, in Europa starben, von den 21.000 Erkrankten im vorigen Jahr, 35 Menschen. Als Ursache dafür nennt die WHO die rückläufigen Impfquoten. „Impfungen sind die wirksamste Methode, um Infektionskrankheiten zu vermeiden“, sagt Univ.-Prof. Dr. Werner Zenz, stellvertretender Leiter Klinische Abteilung für Allgemeine Pädiatrie der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Graz. „Wir haben als Gesellschaft die Pflicht, alle Menschen vor Krankheiten zu schützen.“

Vermeidbare Krankheiten gilt es zu vermeiden. Dass Impfungen vor Krankheiten schützen, liegt auf der Hand. „Es gibt Modelle aus der Geschichte der Impfung, die das eindeutig beweisen“, erläutert Experte Zenz. „Seit Jahrzehnten gibt es bei uns keine Diphtherie mehr, der Herdenschutz liegt bei über 90 Prozent, aber da Diphtherie weltweit noch verbreitet ist, muss weiterhin geimpft werden.“ Polio, also Kinderlähmung, sei ein weiteres Beispiel für den Erfolg der Impfungen. Die hochinfektiöse Viruserkrankung ist zwar weltweit fast ausgerottet – bis Mitte 2017 gab es nur mehr sechs dokumentierte Fälle –, dennoch wird die Impfung von Experten bis zur kompletten Ausrottung der gefürchteten Krankheit nach wie vor im Kinderimpfprogramm sowie eine Auffrischung alle zehn Jahre im Erwachsenenalter dringlich empfohlen. Ähnlich verläuft es bei Mumps, ebenfalls eine Infektionskrankheit. „Obwohl an Mumps generell weniger Menschen erkranken als an Masern und seit der Einführung der Schutzimpfung immer weniger Kinder Mumps haben, muss“, so Mediziner Zenz, „jederzeit damit gerechnet werden, dass es zu einer Epidemie kommen kann.“ Es gibt relativ viele Jugendliche und Erwachsene, die keine natürliche Immunität haben, und da die Erkrankung mit zunehmendem Lebensalter immer gefährlicher wird – bei Burschen ist es vor allem die Entzündung der Hoden, die Unfruchtbarkeit verursachen kann –, hat die Impfung auch für Erwachsene enorme Bedeutung. Durch eine konsequente Impfung wäre ebenso wie bei Masern eine Ausrottung möglich. Ähnlich sieht es bei den Röteln aus, einer an sich harmlosen viralen Kinderkrankheit, die jedoch in der Frühschwangerschaft zu massiven Fehlbildungen bei Ungeborenen führen kann. Durch eine weltweite Impfkampagne sind Röteln mittlerweile sehr selten geworden. Windpocken verlaufen bei Kindern meist harmlos, bei Erwachsenen dagegen ist mit gefährlichen Komplikationen (etwa Lungenentzündung, lebenslange Nervenschmerzen oder Enzephalitis) und sehr schweren Krankheitsverläufen zu rechnen. Zwar erkrankt man nur ein Mal an Windpocken, aber vor allem immungeschwächte Personen können im Erwachsenenalter an der Zweiterkrankung Gürtelrose – wird auch durch das Varizella-Zoster-Virus (VZV) ausgelöst – erkranken.

Hier gibt es keine Impfungen …

Das Dreitagefieber ist eine durch den Herpes-Virus (HHV-6) ausgelöste Tröpfcheninfektion, die vor allem Kinder im Alter von sechs Monaten bis drei Jahren betrifft. Die Erkrankung beginnt mit hohem Fieber (bis zu 40° C) das drei Tage anhält, gefolgt von einem sich vor allem über Bauch und Rücken ziehenden und nur einen Tag sichtbaren Hautausschlag. Behandelt wird wenn überhaupt mit fiebersenkenden Mitteln.

Der Scharlach ist eine bakterielle Infektion (Streptokokken), an der hauptsächlich Vorschul- und Schulkinder erkranken. Scharlach beginnt mit hohem Fieber und Halsschmerzen, geschwollenen Rachenmandeln und weißlichem Belag an der Zunge. Danach bilden sich kleine Knötchen auf der geröteten Zunge, die sich im Verlauf auf den ganzen Körper erstrecken. Am Ende der Erkrankung, etwa nach einer Woche, schuppt sich die Haut an Händen und Füßen. Behandelt wird mit Antibiotika, um mögliche Folgeschäden an Herzmuskulatur, Nieren, Gelenken oder auch am Gehirn zu verhindern.  

Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit ist eine Virusinfektion, die sowohl durch Tröpfcheninfektion als auch durch Schmierinfektion übertragen wird, mit allgemeinen Krankheitszeichen anfängt und in deren Folge sich Bläschen, rötliche Flecken und Knötchen an Füßen und Händen sowie an der Mundschleimhaut bilden. Als einzig mögliche Behandlung wird ein schmerzstillendes Gel aufgetragen.

Die Ringelröteln (nicht zu verwechseln mit Röteln!) werden per Tröpfcheninfektion durch das Parvovirus B 19 übertragen, gehen einher mit einem allgemeinen Krankheitsgefühl und großfleckigen Rötungen im Gesicht.

Übersicht zu diesem Artikel:
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