Samstag, 25. Mai 2019

Aids & was wir wissen sollten

Ausgabe 07-08/2010

Foto: Valentin Casarsa - istockphoto.com
Aids betrifft beileibe nicht nur Risikogruppen: 40 Prozent der Ansteckungen erfolgen durch ganz "normalen" heterosexuellen Geschlechtsverkehr.

Kaum zu glauben, aber wahr: 24 Prozent der Österreicher denken, dass HIV per Zungenkuss übertragen werden kann. Weitere zehn Prozent sind der Meinung, dass man sich durch sorgfältige Körperpflege ausreichend vor der Infektion schützen kann, und satte 41 Prozent sind davon überzeugt, dass man bei einem „normalen Leben“ weder HIV noch Aids bekommt. Das sind nur einige der erschreckenden Ergebnisse einer in Österreich unter 1.000 Befragten in sämtlichen Altersgruppen durchgeführten GfK-Studie über die Wahrnehmung von HIV/Aids.

Vorurteile leben
Viele Österreicher (ein Viertel der Befragten) fühlen sich eher schlecht bis sehr schlecht über die Erkrankung informiert. So ist es denn auch kein Wunder, wenn immer noch 26 Prozent glauben, dass Aids eine Krankheit ist, mit der sich nur homosexuelle und drogensüchtige Menschen anstecken können, dass zwölf Prozent Insektenstiche für ein Übertragungsrisiko halten, dass neun Prozent dabei an die Benützung öffentlicher Toiletten, acht Prozent an „Anniesen“ oder „Anhusten“ denken.

Die neue Sorglosigkeit
Die Präsidentin der Österreichischen Aids- Gesellschaft und Aids-Spezialistin OA Dr. Brigitte Schmied nennt dazu Zahlen und Fakten: „In Österreich erfolgen mehr als 40 Prozent der Infektionen durch heterosexuelle Übertragung, 35 Prozent durch homosexuelle Kontakte und 16 Prozent durch das gemeinsame Verwenden von Spritzen und Nadeln, wobei Letzteres zurückgegangen ist.“

Die Zahl der jährlich neu diagnostizierten HIV-Infektionen stieg in den letzten zehn Jahren von 313 auf durchschnittlich 500 pro Jahr an. Falsch eingeschätzt wird allerdings das Infektionsrisiko bei Blut und Blutprodukten: Wundversorgung und Erste Hilfe werden zwar mit 80 Prozent und Bluttransfusionen mit 76 Prozent als Infektionsrisiko angeführt, de facto ist dieses Risiko aufgrund von Mehrfachtests in entwickelten Staaten äußerst gering.

Fremdwort „Verhütung“
Ziemlich ungenügend ist das Verhalten der Österreicher bei Aids-Verhütung: Zwar wissen 88 Prozent der Befragten, dass die Verwendung von Kondomen beim Sex das probate Mittel ist, doch nur 47 Prozent geben an, sich vor HIV oder anderen sexuell übertragbaren Infektionen zu schützen. 46 Prozent erklärten, sie seien ohnehin „treu“ bzw. „verheiratet“.

„Die Menschen fühlen sich nicht betroffen und denken, HIV/Aids wird sie niemals tangieren“, meint Schmied. „Es gibt offenbar eine große Diskrepanz zwischen Wissen und Tun, doch muss man auch sagen, dass zu dieser neuen Sorglosigkeit sicher auch die großen Fortschritte in der Therapie beigetragen haben.“ Tatsächlich ist die Sterblichkeitsrate in den vergangenen Jahren um enorme 90 Prozent gesunken. Aids ist somit zu einer behandelbaren chronischen Krankheit geworden. „Die Betroffenen haben eine annähernd normale Lebenserwartung. Deshalb wird gerne vergessen, dass die HIV-Infektion nach wie vor eine schwere Erkrankung ist.“


Aids in Österreich: Begriffe, Zahlen &Fakten
  • HIV
steht für „human immunodeficiency virus“. Das HI-Virus infiziert Zellen des Immunsystems, insbesondere CD4-Zellen und Makrophagen, und zerstört diese, um sich selbst zu vermehren. Es kommt daher im Krankheitsverlauf zu einem Immundefizit.
  • Aids
(„acquired immune deficiency syndrome“) ist die Folge einer Infektion mit HIV. Ohne Behandlung entwickeln sich meist nach etwa acht bis zehn Jahren der Infektion Aidsdefinierende Erkrankungen (= opportunistische Infektionen, die bei einem gesunden Immunsystem nur sehr selten auftreten, aber nicht mehr abgewehrt werden können).
  • Übertragung
HIV wird durch Sexualkontakt (anal oder vaginal), Bluttransfusionen, die gemeinsame Nutzung von kontaminierten Spritzen oder von der Mutter auf das Kind (während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder beim Stillen) übertragen.
  • Aids-Erkrankungen
Derzeit gibt es 1.266 Aids-Patienten (30,7% Frauen, 69,3% Männer) in Österreich.
  • HIV-Infektionen
Mit dem HI-Virus infiziert sind 9.000 (die Hälfte davon in Wien).
  • Neuinfektionen
Täglich kommt es in Österreich zu ein bis zwei Neuinfektionen.

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