Sonntag, 22. September 2019

Achtung! Magen-Darm-Grippe!

Ausgabe 2017.12/2018.01

Besonders in der kalten Jahreszeit hat die Magen-Darm-Grippe ihre Hochsaison. GESÜNDER LEBEN zeigt, was Sie tun können, wenn Magen und Darm verrücktspielen – und das gleichzeitig.


Foto: iStock-Planet Flem_2

Sie ist gefürchtet, allseits bekannt und macht weder vor Säuglingen noch vor Senioren oder gesunden Erwachsenen halt. Sie setzt ganze Krankenhausstationen außer Gefecht und ist vor allem in der kalten Jahreszeit weitverbreitet: Die Rede ist von der  Magen-Darm-Grippe,
im Fachjargon auch Gastroenteritis genannt. Jedes Jahr sind Zehntausende Menschen betroffen, nicht wenige davon müssen gar im Krankenhaus behandelt werden.

Wodurch wird eine Magen-Darm-Grippe ausgelöst?
„Unter Magen-Darm-Grippe versteht man im Allgemeinen eine Darminfektion durch Viren“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Franz Allerberger, Wiener Facharzt für klinische Mikrobiologie und Hygiene sowie Mitglied der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES). Während der Norovirus für 35 Prozent aller Magen-Darm-Grippen verantwortlich ist, steht bei Säuglingen und Kleinkindern eher der Rotavirus im Vordergrund. Aber auch Infektionen mit Bakterien können eine Gastroenteritis zur Folge haben. Die häufigsten bakteriellen Durchfallerreger sind in Österreich Campylobacter, Salmonellen, Clostridium difficile, Yersinien sowie bestimmte krankheitserregende Stämme des Darmbakteriums Escherichia coli. Halten Symptome einer Magen-Darm-Grippe auch noch Wochen nach einer Fernreise an, sollte man, so der Experte, an Parasiten als mögliche Auslöser denken.

Wie erfolgt eine Ansteckung?
Erkrankte scheiden die Erreger über Stuhl und Erbrochenes aus und verteilen sie auf diesem Weg unbemerkt in ihrer nahen Umgebung. „Die Ansteckung erfolgt meist durch direkten oder indirekten Kontakt über infizierte Gegenstände, zum Beispiel Türklinken, oder über verunreinigte Lebensmittel“, erklärt Allerberger. „Auch Händeschütteln mit Betroffenen ist ein möglicher Übertragungsweg.“ Handelt es sich um eine Infektion mit Noroviren, können sich die Erreger mitunter auch über die Luft verbreiten, warnt der Experte: „Die Anwesenheit in einem Raum mit einem Erbrechenden reicht hier für eine Ansteckung bereits aus, ein direkter Kontakt ist gar nicht notwendig.“ Besondere Vorsicht ist aus diesem Grund in engen Räumen mit großen Menschenansammlungen geboten, zum Beispiel in Schulen, Kindergärten, Altersheimen, Krankenhäusern oder auch auf Kreuzfahrtschiffen. Allerberger: „Jahr für Jahr müssen in Österreich fünf bis sechs Krankenhausstationen aufgrund eines Norovirus-Ausbruches kurzfristig gesperrt werden.“

Wie zeigt sich eine Magen-Darm-Grippe?
Die Symptome einer Gastroenteritis sind eindeutig und unabhängig von ihrem Auslöser: Nach der Ansteckung kommt es meist innerhalb von 24 Stunden zu starkem Durchfall (breiig, wässrig, oftmals übel riechend) und – vor allem bei Noroviren – zu schwallartigem, wiederholtem Erbrechen, begleitet von Übelkeit und Appetitlosigkeit. „Bakterielle Infektionen sind oft durch eine längere Krankheitsdauer, starke Bauchkrämpfe, hohes Fieber sowie Stuhlabgänge von bis zu 30 Mal am Tag gekennzeichnet“, so Allerberger. Es kann zu Blut oder Schleim im Stuhl sowie zu hohem Fieber, Schwindel, Gliederschmerzen, Hautausschlag und in den seltensten Fällen gar zu einer Sepsis kommen.

Wann sollte ich zum Arzt?
„In der Regel zeigt Durchfall einen selbstlimitierten Verlauf“, beruhigt Allerberger. Heißt: „In den allermeisten Fällen klingen die Symptome nach zwei Tagen weitgehend ab, manchmal bereits nach 24 Stunden.“ Trotzdem sollte man eine Gastroenteritis ernst nehmen, betont Allerberger: „Bei starken Verlaufsformen kann es zu einem starken Flüssigkeitsverlust und in Folge zu einer Dehydrierung kommen. Betroffen sind hier neben alten und immunschwachen Personen allen voran Säuglinge und Kleinkinder. Es gilt: je jünger das Kind, desto größer die Austrocknungsgefahr.“ Bei Anzeichen einer Dehydrierung wie (Müdigkeit, Verwirrtheit, stehende Hautfalten, tief liegende Augen, Krämpfe, dunkler Urin, eine eingesunkene Fontanelle bei Säuglingen oder gar ein Kreislaufversagen) sollte man umgehend einen Arzt oder eine Notfallambulanz aufsuchen. „Aber auch im Falle von hohem Fieber, Blut im Stuhl und bei Beschwerden, die länger als drei Tage andauern, ist eine ärztliche Abklärung ratsam“, gibt Allerberger zu bedenken. „Bei Kleinkindern sollte man sogar bereits nach 24 Stunden anhaltendem Brechdurchfall den Arzt kontaktieren.“

Wie wird behandelt?
Allen voran symptomatisch. „Im Zentrum der Behandlung steht akute Bettruhe sowie eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, um eine Dehydrierung zu verhindern“, betont der Experte. Insgesamt sollte ein Erwachsener bei Durchfall mindestens 2,5 Liter Flüssigkeit pro Tag trinken. Experten empfehlen Leitungswasser, stilles Mineralwasser oder ungesüßte, lauwarme Tees, am besten in kleinen Schlucken. Auf Kohlensäure sollte zwar eher verzichtet werden, aber selbst gegen Cola oder Fruchtsäfte spricht für Allerberger nichts: „Das Wichtigste ist, dass überhaupt getrunken wird! Man sollte selbst darauf achten, was besser oder schlechter vertragen wird.“ Für Kleinkinder, aber auch für alte, pflegebedürftige Personen eignen sich Elektrolyt-Zucker-Lösungen aus der Apotheke am besten, um einem Mineralstoffverlust entgegenzuwirken. Wer sich solch eine Lösung selbst herstellen möchte, dem sei ein von der WHO empfohlenes Rezept ans Herz gelegt: 4 TL Zucker, 1 TL Bicarbonat, 1 ¾ TL Salz und ein Becher Orangensaft auf einen Liter Wasser miteinander vermengen. Sollte es tatsächlich zu einer Dehydrierung kommen, wird diese im Krankenhaus mit Infusionen behandelt.

Wie sieht die richtige Ernährung bei einer Gastroenteritis aus?
Auch wenn Sie sich nicht danach fühlen: Versuchen Sie zu essen! Zahlreiche Studien belegen, dass sich ein Nahrungsverzicht negativ auf die Erkrankungsdauer sowie die Verlaufsform einer Magen-Darm-Grippe auswirkt. Experten raten zu Schonkost wie Zwieback, Weißbrot, Erdäpfelpüree sowie natürlich zur berühmten Hühnersuppe (am besten ohne Einlage). Allerbergers Tipp, um Magen und Darm wieder zu beruhigen: Karottensuppe! „Hier gibt es sogar Studien, die den therapeutischen Nutzen von Karottensuppe bei Durchfall im Kindesalter belegen.“ Auch Probiotika können zur einer schnellen Genesung beitragen, genauso altbekannte Hausmittel wie leicht angebräunte und zerdrückte Bananen oder geriebene Äpfel (binden Keime!). Die Ingwerwurzel hilft, den Brechreiz zu unterdrücken, Schwedenbitter (in Form von Tropfen) wiederum hat eine beruhigende Wirkung auf Magen und Darm. Als Geheimtipp wird von zahlreichen Experten Chili empfohlen, beispielsweise als Zutat in der Suppe: Dieser wärmt nicht nur den Magen, sondern wirkt auch bakterientötend. Bei Babys, die noch gestillt werden, sollte die Ernährung mit Muttermilch nicht unterbrochen werden.

Sollte medikamentös behandelt werden?
Gerade bei der Gastroenteritis gilt: Vertrauen Sie auf die Selbstheilungskräfte Ihres Körpers! „Auch wenn es unangenehm ist: Es hat seinen guten Grund, wieso der Körper mit Durchfall reagiert!“, betont Allerberger. „Der Körper versucht, die Erreger beziehungsweise die Toxine möglichst rasch wieder loszuwerden, indem er sie ausschwemmt. Aus diesem Grund sollte auf Peristaltikhemmer – also Medikamente, die den Stuhlgang unterdrücken – sowie auf Aktivkohle weitestgehend verzichtet werden.“ Antibiotika wirken nur gegen Bakterien – von ihnen sollte, nicht zuletzt aufgrund der Gefahr einer Resistenzentwicklung, Abstand genommen werden. „In bestimmten Ausnahmefällen ist eine Behandlung mit Antibiotika empfehlenswert“, erklärt Allerberger. „Zum Beispiel wenn der Patient auf ein ganz bestimmtes Bakterium positiv getestet wurde oder wenn die Gastroenteritis bei einem alten Menschen mit sehr hohem und andauerndem Fieber einhergeht.“

Wie kann ich mich gegen eine Magen-Darm-Grippe schützen?
Eine Prävention ist teilweise möglich, betont der Experte: „Waschen Sie sich nach jedem Toilettengang sowie vor dem Essen beziehungsweise Kochen gründlich die Hände!  Vermeiden Sie zudem (halb) rohes Fleisch sowie ungewaschenes Obst und Gemüse.“ Betroffene sollten bis zur Genesung aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr gemieden werden. Seit 2006 gibt es zudem eine Impfung gegen den Rotavirus (nicht gegen Noroviren!), die von Experten für Säuglinge empfohlen wird.

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