Freitag, 24. Mai 2019

Achtung Intimzone!

Ausgabe 2018.10
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Frauen reden nicht so gerne über ihre Region „da unten“. Daher kursieren noch immer viel Halbwissen und Unsicherheit. Die Wiener Gynäkologin Dr. Claudia Niedersüss spricht offen über zehn Fakten, die jede Frau wissen sollte.


Foto: iStock-471357957_ VladGans

Eventuell liegt es ja daran, dass es keinen wirklich schönen Begriff gibt und uns deshalb die Worte fehlen, um über ein faszinierendes Organ zu sprechen. „Vagina klingt einfach medizinisch, Scheide auch nicht wirklich liebevoll“, bestätigt die Wiener Frauenärztin Dr. Claudia Niedersüss. In einer Zeit, in der es kaum noch Tabus gibt, reden Frauen oft nicht einmal mit ihrer besten Freundin über gynäkologische Problemzonen. Daher engagiert sich die Gynäkologin für Aufklärung: „Viele wissen erstaunlich wenig über ihre Vagina. Und wie sie sich im Laufe der Jahre durch hormonelle Umstellung verändert.“ In GESÜNDER LEBEN spricht die Fachärztin Klartext und wagt einen „schamlosen“ Blick zwischen die weiblichen Beine. Sie möchte Frauen Mut machen, offener über diese wichtigen Facetten des Frauseins zu reden.

Keine gleicht der anderen
Sehe ich da unten eigentlich normal aus? Seit die Intimrasur zum guten Ton gehört, sind Frauen zunehmend um die Ästhetik ihrer Vulva besorgt, bestätigt die Gynäkologin: „Dabei ist es völlig normal, wenn die inneren Schamlippen durch die äußeren hervortreten. Oder dass eine Schamlippe größer oder breiter ist als die andere.“ Bei den meisten Frauen ist die Vulva unsymmetrisch. In manchen Fällen sind die Schamlippen jedoch so groß, dass für Frauen zum Beispiel das Radfahren unangenehm wird. Anstatt still zu leiden, sollte man sich in solchen Fällen an den Facharzt wenden.

Weniger Hygiene ist oft mehr
Gynäkologen raten generell von ausgiebiger Intimhygiene ab. „Die sanfte Reinigung des äußeren Intimbereiches mit warmem Wasser und maximal einem milden, pH-neutralen Waschschaum genügt“, bestätigt Niedersüss. Auf Seifen und parfümierte Kosmetika sollte man besser verzichten. Ebenso auf Intimsprays oder -lösungen: „Hier besteht die Gefahr, dass der pH-Wert in der Scheide steigt und Krankheitserreger ein leichtes Spiel haben.“ Zum Abtrocknen eignet sich am besten ein eigenes Handtuch, das regelmäßig gewechselt werden sollte. Herkömmliche Waschlappen sind Brutstätten für Keime und daher nicht zur Intimpflege geeignet – besser sind spezielle Einmalwaschlappen. „Ich empfehle auch, Unterwäsche aus Naturfasern wie Baumwolle zu tragen – sie sind hygienischer als Slips aus Synthetikfasern und können bei 60° C gewaschen werden.“

Was macht die Vagina beim Sex?

Dezenter Reiz mit großer Wirkung: Für eine körperliche Reaktion reicht meist schon eine sinnliche Berührung oder ein maskuliner Duft. Dann rauscht das Blut Richtung Geschlechtsorgane – auch bei der Frau! Dort sorgt die gesteigerte Durchblutung dafür, dass die Feuchtigkeit über die Schleimhaut in die Scheide gelangt. Die Gebärmutter richtet sich auf, die Vagina wird dadurch länger und elastischer. Klitoris und Schamlippen schwellen an, was die Lust weiter steigern kann. Beim Orgasmus ziehen sich Scheide und Gebärmutter zusammen. Eigentliches Ziel dieser Reaktion ist es, die Samenflüssigkeit des Mannes zwecks Empfängnis weiterzuleiten. Bei leidenschaftlichem Geschlechtsverkehr und trockener Schleimhaut kann es zu kleinen Rissen an Scheide und Schamlippen kommen, die aber meist binnen weniger Tage selbst abheilen.

Ausfluss gilt als normal
Viele Frauen klagen regelmäßig über Scheidenausfluss. Dabei ist dieser laut Frauenärztin nicht nur normal, sondern auch bedeutsam. Jede Frau produziert täglich rund einen Teelöffel des weißen bis leicht gelblichen Vaginalsekrets, das leicht säuerlich riecht und die Scheide innerlich reinigt. Zudem sorgt sein saurer pH-Wert dafür, dass Krankheitserreger unschädlich gemacht werden. Verändern sich allerdings Farbe oder Geruch, sollte man zum Facharzt – „das deutet auf eine Infektion hin“.

Stress wirkt sich spürbar aus
In stressigen Phasen sorgen sich Frauen um ihr Herz oder um den beleidigten Magen. Aber selten um ihre Intimzone. Sollten sie aber. Eine Studie der deutschen Universität Bamberg zeigt, dass Stress die Hauptursache für immer wiederkehrende Pilzinfektionen ist. Niedersüss: „Stress treibt den Spiegel des körpereigenen Stresshormons Cortisol in die Höhe, wodurch die schützenden Milchsäurebakterien in der Scheide in Mitleidenschaft gezogen werden.“ Dadurch entsteht vermehrter Scheidenausfluss, um die lästigen Schmarotzer loszuwerden. Zweimal wöchentlich eine Milchsäure-Vaginalkapsel unterstützt das saure Milieu in der Scheide gegen Krankheitserreger.

Juckreiz ist nicht immer Pilz
Beinahe jede Frau macht laut Studien mindestens einmal in ihrem Leben unangenehme Bekanntschaft mit einem Vaginalpilz. Aus diesem Grund denkt man automatisch bei Juckreiz an eine Mykose (Pilzinfektion), die meist durch Candida albicans hervorgerufen wird. Diese Infektion führt zu Juckreiz, Brennen beim Urinieren und weißem Ausfluss. „Das kann natürlich stimmen, aber es gibt einige weitere mögliche Ursachen, die abgeklärt werden müssen“, so Niedersüss. Zum Beispiel Scheidentrockenheit oder eine bakterielle Infektion. Auch eine sexuell übertragbare Krankheit kann dahinterstecken. Falls der Juckreiz immer wieder schubweise auftritt, kommt auch eine Autoimmunerkrankung (Lichen sclerosus) infrage. Wichtig ist die rasche und exakte Diagnose (mikroskopische Untersuchung, Vaginalkultur) durch den Facharzt.

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