Montag, 27. Januar 2020

Achte auf deine Haut!

Ausgabe 2019.12/2020.01

Juckreiz, Spannungsgefühl, schmerzende Risse: Unsere Haut leidet in der kalten Jahreszeit. Besonders von Psoriasis, Akne oder Neurodermitis betroffene Patienten sollten nun die Expertentipps von GESÜNDER LEBEN befolgen – ihrer Haut zuliebe!


Foto: © iStock - Artem Furman

Die Haut ist das größte Schutzorgan unseres Körpers: Sie bewahrt uns nicht nur vor Hitze und Kälte, sondern verhindert auch, dass krankheitserregende Keime in den Körper eindringen können. Sie speichert Wasser, reguliert aber auch unsere Körpertemperatur. Zudem ist die Haut auch Aufnahme- und Ausscheidungsorgan. Kurz: Unsere Haut ist ein schützender Tausendsassa!

Stress für die Haut
Manchmal braucht unsere Haut aber selbst Schutz – meist dann, wenn sie starken äußeren Reizen ausgesetzt ist. Nicht nur Betroffene diverser Hauterkrankungen wissen: Besonders in der kalten Jahreszeit liegt es an uns, die Haut tatkräftig dabei zu unterstützen, ihren Aufgaben weiterhin nachkommen zu können. „Der Winter schwächt die Schutzfunktion der Haut“, bestätigt Dr. Lukas Muigg, Oberarzt an der Abteilung für Dermatologie und Venerologie im Landesklinikum Wiener Neustadt. „Der natürliche schützende Fettfilm der Haut wird aus Millionen kleiner Talgdrüsen gespeist“, erklärt der Experte. „Bei fallenden Temperaturen produzieren diese Drüsen immer weniger Hautfett, bei extremer Kälte kann diese Fettproduktion sogar ganz eingestellt werden. Auf diese Weise geht ein Hauptbestandteil des natürlichen Hautschutzmantels verloren. Da der Fettfilm der Haut fehlt, verdunstet das Wasser schneller von der Hautoberfläche.“ Sinken draußen die Temperaturen, ziehen sich die Blutgefäße unter der Haut zusammen, um so die Wärme im Inneren zu bewahren. Deshalb wird die Haut schlechter durchblutet, die Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen verringert, die Selbstheilungskräfte der Haut herabgesetzt. Die Folge: „Die Haut trocknet aus, juckt, spannt und es können kleine Risse entstehen.“ Die Gefahr des Eindringens von Keimen in unseren Organismus ist im Winter also größer, warnt der Dermatologe: „Der Schutzfilm an der Oberfläche der Haut bricht auf und die Barrierefunktion ist nicht mehr gegeben. Äußerliche Reize und Krankheitserreger haben es leichter, einzudringen, und rufen so eine Entzündungsreaktion in der Haut hervor.“ Im Extremfall kann es sogar zu (vermehrtem) Auftreten von Ekzemen kommen. Auch Hauterkrankungen wie Psoriasis (Schuppenflechte), Neurodermitis oder Akne verschlechtern sich im Winter: Symptome wie Juckreiz, Entzündungen und offene Stellen treten verstärkt auf, berichtet
Muigg.

Schädliche äußere Einflüsse
Konkret dafür verantwortlich sind die äußeren Einflüsse im Winter, die die Haut extremen Strapazen aussetzen. „Trockene Heizungsluft entzieht unserer Haut zusätzlich wichtige Feuchtigkeit. Auch der ständige Wechsel zwischen Wärme im Inneren und Kälte draußen unterstützt diesen Prozess“, erklärt Muigg. Das Tragen von dicker, oft eng anliegender Kleidung sorgt für eine zusätzliche Reizung der Haut. Auch darf die Rolle des mangelnden Sonnenlichts und der dadurch verringerten Aufnahme von Vitamin D3 bei Hautproblemen im Winter nicht unterschätzt werden, betont der Experte: „Mithilfe der im Sonnenlicht enthaltenen UV-B-Strahlung wird in der Haut durch einen speziellen chemischen Prozess Vitamin D gebildet und von dort über das Blut in den ganzen Körper transportiert. Die UV-B-Strahlung im Sonnenlicht wandelt eine Form von Cholesterol in Vitamin D3 um, das dann in der Leber und den Nieren wiederum in die aktive Hormonform Calcitriol umgewandelt wird.“ Die Haut sei also nicht nur zentral für unsere Vitamin-D-Versorgung, betont Muigg, „sondern auch umgekehrt gilt: Vitamin D ist für die Gesundheit und den Schutz der Haut wichtig“. So unterstützt es zum Beispiel die Wundheilung, die Erneuerung von Hautzellen, die Immunfunktion der Haut und beugt Entzündungen vor. Wissenschaftlich erwiesen ist, dass Psoriasis-, Akne- und Neurodermitis-Betroffene einen Mangel an Vitamin D aufweisen.

Die richtigen Pflegeprodukte
Bei besorgniserregenden Hautproblemen ist der Hausarzt der erste Ansprechpartner. Generell gilt aber: Mit der richtigen Hautpflege kann man auch selbst den – nicht zuletzt für die Seele – belastenden Symptomen Einhalt gebieten. „Die wichtigste Maßnahme, um die Haut gegen äußerliche Einflüsse zu schützen, ist eine ausreichende Pflege mit rückfettenden, reichhaltigen Produkten, welche man zweimal täglich auftragen sollte“, rät Muigg. Der Fettfilm hilft der Haut, die Feuchtigkeit zu speichern. Achten Sie auf die Inhaltsstoffe der Produkte: Dexpanthenol (ein Provitamin, das im Körper zu Vitamin B5 umgewandelt wird und somit eine wesentliche Rolle im Hautstoffwechsel spielt) sollte in den Pflegeprodukten unbedingt enthalten sein, zugefügte chemische Duftstoffe sollten allerdings genauso vermieden werden wie austrocknende Duschgele, so Muigg. Auf Parfums müssen Sie natürlich nicht verzichten, sprühen Sie diese aber generell besser auf die Kleidung als direkt auf die Haut.

Kein heißes Duschen!
Geht es um die Reinigung der Haut, greifen Sie am besten zu seifenfreien, alkoholfreien Produkten, die dem pH-Wert der Haut (5,5) angepasst sind. Anstatt den Körper nach dem Duschen trocken zu rubbeln, ist es hautschonender, ihn nur abzutupfen. „Es ist wichtig, nach dem Duschen die gesamte Haut mit einer fetthaltigen Lotion einzucremen!“ Apropos: „Zu warmes Duschen ist für Menschen, die bereits eine empfindliche Haut haben beziehungsweise zu Ekzemen neigen, nicht optimal“, gibt Muigg zu bedenken und führt weiter aus: „Zu warmes Wasser kann die schützende Fettschicht der Haut schneller lösen und führt somit stärker zu einer Austrocknung.“ Ähnliches gilt für die im Winter sehr beliebten Thermenbesuche: Auch diese trocknen die Haut aus, eine entsprechende Pflege ist hier besonders wichtig. Ölbäder, Solebäder oder Kneippkuren sind wiederum eine Wohltat für die Haut. Übrigens: Obwohl einige Apotheker und Ärzte bei Ekzemen, Schuppenflechte und Neurodermitis zu Cannabis-Cremes beziehungsweise -Salben raten, weist Muigg darauf hin, dass es „derzeit keine fundierte wissenschaftliche Evidenz“ für die Wirksamkeit solcher Präparate gibt. „Aus diesem Grund kann ich die Anwendung bei diesen Haut-erkrankungen nicht empfehlen.“

Lippenpflege
Vergessen Sie nicht auf Lippenpflege – denn auch die Lippen bedürfen im Winter besonderer Pflege, da sie keine eigenen Talg- und Schweißdrüsen besitzen und somit keinen schützenden Fettfilm produzieren. Spröde, rissige Lippen sind also nichts Ungewöhnliches, wenn es draußen kalt ist. Muigg rät, im Winter immer einen Pflegestift bei sich zu haben und diesen mehrmals täglich zu verwenden. Auch hier gilt: Das Produkt sollte frei von Parfum und Duftstoffen sein, dafür Dexpathenol beinhalten. Zusätzlichen Schutz bieten Pflegestifte mit UV-Schutz. Denn der (Sonnen-)Schein trügt: Auch im Winter ist UV-Schutz unerlässlich, nicht nur (aber besonders) für Skifahrer und Snowboarder! „Die sonnenexponierten Hautpartien wie das Gesicht sollten unbedingt vor dem Gang ins Freie mit einer Sonnenschutzcreme mit Faktor 50+ eingecremt werden!“, betont Muigg. Handschuhe sollten im Winter eine Selbstverständlichkeit sein.

Gesunde Ernährung
„Es sollte auf jeden Fall genügend Flüssigkeit, am besten in Form von Wasser, zu sich genommen werden!“, empfiehlt Muigg. „Weiters sollte auch genügend Vitamin B12, Folsäure sowie Vitamin D dem Körper zugeführt werden, da diese für die Erneuerung der Haut und die Zellteilung wichtige Faktoren darstellen.“ Dies ist über Lebensmittel beziehungsweise Nahrungsergänzungsmittel möglich. Nicht zuletzt fördert ausreichend Bewegung die Durchblutung der Haut – denn Sie wissen ja: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung!

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-12 130x173

Aktuelles Heft 12/2019-01/2020

Die nächste Ausgabe erscheint am 7. Februar

 

Unsere Ausgabe 10/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Wie sieht es mit Ihrem Zuckerkonsum aus?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information