Montag, 16. September 2019

Abnehmen: Wahrheit & Lüge

Ausgabe 2013/04
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Wenn es um das Thema Abnehmen und Diäten geht, kursieren zahlreiche „Weisheiten“. Wissenschaftler sagen nun klipp und klar: Was hilft wirklich, um abzunehmen? Und was ist bloß Mythos?


Foto: Can Stock Photo Inc. - gpointstudio

Macht Sex schlank? Hilft häufiger Verzehr von Obst im Kampf gegen überschüssige Kilos? Wenn Behauptungen oft genug wiederholt werden, dann werden sie für viele Menschen irgendwann zu Tatsachen. So scheint es auch bei gewissen Thesen zum Thema Übergewicht und Abnehmen zu sein, die munter in Magazinen oder Online-Foren verbreitet werden, obwohl wissenschaftliche Beweise fehlen oder bereits gegenteilige Erkenntnisse vorliegen. Die US-amerikanische Ernährungswissenschaftlerin Dr. Krista Casazza hat mit ihrem Team Aussagen in Massenmedien und in der wissenschaftlichen Literatur durchforstet. Dabei stießen die Wissenschaftler auf zahlreiche Fehlinformationen, aber auch auf interessante Studiendaten, die sie kürzlich in „The New England Journal of Medicine“ veröffentlicht haben. Damit sind sieben der am häufigsten verbreiteten Diät-„Weisheiten“ erstmals wissenschaftlich erforscht – und mitunter klar widerlegt.

GESÜNDER LEBEN überprüft sieben Diät-„Weisheiten“. Folgende plausibel klingende Aussagen zum Thema Abspecken nahm die Ernährungsexpertin Casazza wissenschaftlich unter die Lupe und konnte diese anhand von Studien widerlegen. Dabei gingen sie und ihr Team höchst wissenschaftlich vor: Die Daten zahlreicher Studien mit insgesamt mehreren 10.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurden ausgewertet …

 

Wer sich bewegt und gleich viel Kalorien wie zuvor zu sich nimmt, der nimmt rasch ab.

  • Behauptung: Wer täglich eine Meile (1,6 km) geht und dabei 100 Kalorien verbraucht, verliert in einem Jahr mehr als 22 Kilogramm, wenn die Energieaufnahme dabei konstant bleibt.
  • Fakt ist: Der wahre Gewichtsverlust würde unter diesen Bedingungen nur rund 4,5 Kilogramm betragen, weil durch Änderungen der Körpermasse auch der Energieverbrauch des Körpers variiert. Kurz: Bewegung ist ein unbedingtes Muss für eine gesunde Gewichtsreduktion, dazu gehören aber auch Disziplin und viele Durststrecken!

 

Realistische Diätziele sind wichtig, weil Abnehmwillige sonst schnell frustriert sind und weniger Gewicht verlieren.

  • Behauptung: Größere Differenzen zwischen dem erhofften und dem tatsächlich erreichten Gewichtsverlust können dazu führen, dass Betroffene schneller zu alten Gewohnheiten zurückkehren und dadurch kaum oder nur wenig abnehmen.
  • Fakt ist: Erfahrungsberichte können diese Aussage nicht bestätigen. Ganz im Gegenteil: Einige Studien zeigten, dass ehrgeizige Ziele bei der Gewichtsreduktion durchaus zu besseren Erfolgen führen können. Und Diätwillige mit „realistischen“ Zielen werden auch nicht schneller schlank als solche mit hochgesteckten Erwartungen. Kurz: Wer abnehmen will, sollte sich durchaus ambitionierte Ziele setzen. Sie schaffen das!

 

Anfänglich schneller Gewichtsverlust führt langfristig zu weniger Erfolg als langsames, aber kontinuierliches Abspecken.

  • Behauptung: Diese Aussage entstand wahrscheinlich in den 1960er-Jahren als Reaktion auf die ungesunden Nebenwirkungen von Diäten mit einer Energieaufnahme von unter 800 Kalorien am Tag, den sogenannten Crash-Diäten.
  • Fakt ist: Bei Experimenten konnte gezeigt werden, dass schneller anfänglicher Gewichtsverlust auch zu einem niedrigen Körpergewicht am Ende einer längeren Beobachtungszeit von einem Jahr führt. Längerfristig hat der schnelle Gewichtsverlust zu Beginn einer Diät aber keine Vorteile. Laut Dr. Casazza nehmen manche übergewichtige Menschen anfangs ohne erfindliche Gründe eben mehr ab als andere der selben „Gewichtsklasse“. Das ist laut der Ernährungsexpertin durchaus in Ordnung und sollte von Diätberatern nicht als kontraproduktiv für den langfristigen Erfolg bewertet werden.

 

Schulische Turnstunden spielen eine wichtige Rolle, um Übergewicht im Kindesalter zu verhindern bzw. zu reduzieren.

  • Behauptung: Steht körperliche Betätigung am Lehrplan, so bringt das zahlreiche gesundheitliche Vorteile, dazu zählt auch eine geringere Anzahl von Übergewichtigen.
  • Fakt ist: Die typischen Turnstunden an den Schulen können (allein) Übergewicht nicht verhindern. Sogar spezielle Zusatzprogramme für Schüler konnten dieses Ziel laut zahlreicher Studien nicht erfüllen. Hintergrund: Stimmen die Ernährungsgewohnheiten im Elternhaus nicht (und das ist häufig der Fall!), nützen auch Bewegungseinheiten in der Schule wenig. Nur die Kombination „Bewegung – gesunde Ernährung“ führt zum Erfolg.

 

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Stillen wirkt vorbeugend gegen späteres Übergewicht.

  • Behauptung: Laut WHO (World Health Organization) haben Personen, die als Kind gestillt wurden, ein geringeres Risiko, später fettleibig zu werden.
  • Fakt ist: Dieses Gerücht hält sich laut Dr. Casazza seit mehr als hundert Jahren. Eine groß angelegte Studie mit mehr als 13.000 Kindern kann diese Aussage jedoch nicht bestätigen. Dennoch: Aufgrund vieler anderer Vorteile für Kleinkinder sollten Mütter dennoch zum Stillen ermutigt werden, betont die Wissenschaftlerin.

 

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Abnehmen: Wahrheit & Lüge
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