Samstag, 16. Februar 2019

Abnehmen mit Hormonen

Ausgabe 07-08.2014

Sie haben schon etliche Diäten hinter sich und keine davon war von Erfolg gekrönt? Vielleicht liegt es ja an den Hormonen. gesünder leben zeigt, wie Sie durch Hormonbalance spielerisch abnehmen.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - Andres

Wenn gezielte Nahrungsreduktion und Sport nicht das erhoffte Ergebnis liefern, kann auch ein Hormonungleichgewicht der Übeltäter sein. Eine Reihe von Botenstoffen spielt eine Rolle, wenn es um unser Essverhalten, den Fettstoffwechsel oder die Fett- und Muskelverteilung geht. Dazu zählen z. B. Androgene (männliche Hormone), die Schilddrüsenhormone, das Wachstumshormon oder das Leptin, das vom Fettgewebe als endokrines Organ selbst produziert wird.

Im Schlaf abnehmen. Wer zwecks Gewichtsreduktion die Hormone selbst steuern möchte, ist – nach Abklärung des gesundheitlichen Gesamtzustandes – gut beraten, abends wenig bis gar nichts zu essen. „Bei Gewichtsverlust geht es oft um eine chronobiologische Nahrungskarenz. Wenn acht Stunden vor Mitternacht keine Nahrung mehr aufgenommen wird, bleibt der Blutzuckerspiegel über Nacht niedrig. Und nur dann wird das Wachstumshormon, das den Muskelaufbau und den Fettabbau fördert, vermehrt freigesetzt. Die größte Ausschüttung erfolgt zwischen Mitternacht und zwei Uhr früh“, erklärt Hormonexperte Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber, Facharzt für Geburtshilfe und Gynäkologie in Wien. Wer zwei- bis dreimal pro Woche auf sein Nachtmahl und ansonsten abends auf Kohlenhydrate verzichtet, ist auf dem besten Weg zum Wunschgewicht. Kohlenhydratreiche Nahrung lässt nämlich den Blutzucker- und Insulinspiegel ansteigen, wodurch Glukose und freie Fettsäuren in die Fettdepots wandern und die Produktion des Wachstumshormons unterdrückt wird. „Bei gewünschter Gewichtsabnahme empfiehlt es sich, nur drei Mahlzeiten pro Tag zu sich zu nehmen und Zwischenmahlzeiten zu streichen, um den Blutzuckerspiegel niedrig zu halten. Weiters kann durch die Zufuhr der Aminosäuren L-Arginin und L-Glutamin in Form von Nahrungsergänzungsmitteln die Wachstumshormonproduktion gesteigert werden“, so Hormonexperte Dr. Christian Matthai, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Ernährungs-, Sport- und Vitalstoffmediziner in Wien.

Stoffwechsel auf Trab halten. Das Wachstumshormon, auch unter HGH (Human Growth Hormon) bekannt, wird in der Hirnanhangdrüse gebildet und schubweise, mehrmals pro Tag, produziert. Der Großteil dieser Freisetzung erfolgt während des Schlafs. Es wird aufgrund seiner zellregenerativen Wirkung nicht nur als Anti-Aging-Hormon von Stars und Schauspielern gefeiert, sondern reguliert auch den Stoffwechsel und wirkt bei der Aufnahme und Verarbeitung von Zucker mit. Während einer Diät hilft HGH dem Körper, sich an den Nahrungsmangel anzupassen, und hält gemeinsam mit dem Kortison den Blutzuckerspiegel im Gehirn aufrecht. Zudem wird Fett als „alternativer Treibstoff“ für die Zellen mobilisiert. Doch Vorsicht: Das „Wunderhormon“ bringt zwar Fett zum Schmelzen und fördert den Muskelaufbau – das sportliche Training der Muskeln bleibt einem aber freilich nicht erspart.

Schlank dank Östrogenbalance. Östrogene sind für die Zunahme des Fettgewebes verantwortlich. Und das aus gutem Grund: „Die Speicherung von Fett ist bei Frauen evolutionsbedingt“, betont Huber. „Schließlich muss während einer Schwangerschaft das noch Ungeborene ausreichend versorgt werden. Und dazu sind in dieser Zeit zusätzlich 140.000 Kilokalorien notwendig!“ Da Frauen aber nicht ständig schwanger sind, muss mit Östrogenen entsprechend „hausgehalten“ werden. Eine östrogenregulierende Wirkung haben u. a. Phytoöstrogene (Sojabohnen, Kichererbsen, Granatäpfel etc.) oder Bienenprodukte wie z. B. Honig. „Auch Kohlgemüsesorten beeinflussen die Östrogenbalance, da sie potenziellen Wassereinlagerungen, die durch eine Östrogendominanz entstehen können, entgegenwirken“, erklärt Matthai. Die derzeitige Studienlage deutet darauf hin, dass die Einnahme der Antibaby-Pille nicht signifikant zu einer Gewichtszunahme führt. Aber: „Abhängig vom genetischen Profil einer Frau legt mitunter auch die Pille die Androgenproduktion lahm. Gelegentlich kommt es dadurch zu einem hormonellen Ungleichgewicht, das die Gewichtszunahme begünstigt“, erklärt Huber.

Alkohol und Stress meiden. Alkohol ist nicht nur eine Kalorienbombe, sondern regt auch die Aktivität des Enzyms Aromatase an. Dieses fördert die Umwandlung von männlichen in weibliche Hormone, wodurch die Zunahme des Fettgewebes begünstigt wird. „In kleinen Mengen genossen hat Alkohol sicher gesundheitsfördernde Effekte. Darüber hinaus verhindert er aber den Fettabbau und wandert sofort in die Fettzellen, um deren Volumen zu vergrößern“, warnt Huber. Im Rahmen einer Diät sollte daher auf Alkohol komplett verzichtet werden. Auch ein stressiger Alltag kann sich ungünstig auf den Hormonhaushalt auswirken und Fettpölsterchen entstehen lassen. Schuld daran ist eine gesteigerte Cortisolausschüttung. Matthai: „Cortisol führt oft zu Heißhungerattacken und dadurch zu Essverhaltensweisen, die eine Gewichtszunahme zur Folge haben. Meistens macht sich diese am Bauch bemerkbar.“ Junge Frauen können dem Cortisol mit seinem Gegenspieler, dem Gelbkörperhormon Progesteron, vorübergehend ein Schild vor die „Nase“ setzen; da dieses Hormon mit dem Beginn der Wechseljahre aber nicht mehr produziert wird, ist dieser natürliche Feind nur zeitbegrenzt verfügbar. Überflüssiges Körpergewicht kann auch auf eine Unterfunktion der Schilddrüse, die u. a. für die Regulation des Stoffwechsels von Kohlenhydraten, Fetten und Eiweiß verantwortlich ist, deuten. „Falls im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung ein manifester Hormonmangel festgestellt wird, können diese Hormone auch medikamentös verabreicht werden. Studien konnten belegen, dass Menschen mit Schilddrüsenunterfunktion im Regelfall ihr Übergewicht verlieren, wenn die fehlenden Hormone medikamentös verabreicht werden“, so Matthai.

Therapeutische Maßnahmen. Über Hormonersatztherapien sollte nachgedacht werden, wenn ein ärztlicher Befund einen ausgeprägten Hormonmangel nachweist. Als Einzel- oder Kombinationstherapie werden derzeit neben den Schilddrüsenhormonen T3 (Trijodthyronin) und T4 (L-Thyroxin) das Wachstumshormon, Testosteron und DHEA verabreicht. Um Gewichtsverlust zu forcieren, können auch Hormone eingesetzt werden, die vom Körper nicht produziert werden. „Dazu zählt das Schwangerschaftshormon HCG, das muskelaufbauend und appetitzügelnd ist. Eine HCG-Therapie, die zusätzlich von einer strikten Diät begleitet wird, sollte aber nur in Einzelfällen und immer unter strenger ärztlicher Aufsicht erfolgen“, so Matthai.

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-02 130x173

Aktuelles Heft 02/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 8. März

 

Unsere Ausgabe 12/2018-01/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Sind Sie zu Ihrem Arzt immer ehrlich?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information