Montag, 24. Februar 2020

Jede Möglichkeit zum Lachen nützen!

Ausgabe 2020.02
Seite 1 von 2

Das spezielle Rezept des Medizinkabarett-Duos Ronny Tekal (selbst Allgemeinmediziner) und Norbert Peter: Lachen, bis der Arzt ... nicht kommt! Denn Humor macht gesund. GESÜNDER LEBEN bat zum Interview über Medikamenteneinnahme, Verdauungsprobleme – und lustige Ärzte.


Foto: © Markus Hechenberger

Heute schon gelacht? Wenn nicht, dann bitte schnell nachholen! Denn zahlreiche Studien belegen, dass Humor positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit hat. In den vergangenen Jahren haben Forscher entdeckt, dass das herzliche Lachen den Blutdruck senkt, Schmerzen lindert, das Herzinfarktrisiko halbiert, bis zu 300 verschiedene Muskeln aktiviert, das Demenzrisiko senkt und auch den Selbstwert, die Motivation und die Kreativität fördert. Eine Schweizer Studie konnte sogar belegen, dass ein einstündiges Clinicclown-Programm die Überblähung der Lunge bei COPD-Patienten vorübergehend abbauen kann. Kurz: Wer lacht, lebt länger!

Lachen als Medizin
Gut möglich also, dass Fans des Kabarettisten-Duos Peter & Tekal, die regelmäßig deren Vorstellungen besuchen, einen neuen Altersrekord aufstellen. Ronny Tekal (nebenbei gelernter Allgemeinmediziner und Medizinjournalist) und sein „Patient“ Norbert Peter liefern mit ihrem Medizinkabarett bereits seit mehr als 20 Jahren Gags mit Anspruch auf (medizinische) Aufklärung; ihr Humor ist ein Mix aus pointierten Schenkelklopfern und einer charmanten Lach-dich-gesund-Attitude. Auch ihr neues Programm „Was schluckst du ...!?“ attackiert nicht nur frontal die Lachmuskeln, sondern regt auch zum Nachdenken an. Diese Humor-Ordination verlässt man mit der gesunden Erkenntnis, dass Lachen immer noch die beste Medizin ist ...

Euer aktuelles Programm hat den Titel „Was schluckst du ...!?“
Norbert Peter: Das gesamte menschliche Leben ist ein einziges Schlucken: Nahrung, Flüssigkeit, aber zum Beispiel auch falsche Wahlversprechen oder, in Bezug auf unser Gesundheitssystem, die Digitalisierung-Überschwemmung. Und natürlich: Medikamente!
Ronny Tekal: Laut unserer Recherche schlucken die Österreicherinnen und Österreicher pro Jahr 800 Tonnen Tabletten, 10 Millionen Hektoliter Bier und eine halbe Milliarde Stück Schnitzel – und jede Menge Ärger. Das muss der Mensch erst einmal verdauen. Wir schlucken aber auch viele Informationen, indem wir sie einfach unhinterfragt hinnehmen.

Nebenwirkung: Lachanfall-Gefahr!

lechelnHier können Sie in das neue Programm von Tekal & Peter reinschnuppern. Einfach scannen und lachen!

Kabarett-Termine unter: www.medizinkabarett.at

Die Medikamenteneinnahme der Österreicher ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Wird mit verschreibungspflichtigen Medikamenten zu lasch und unverantwortlich umgegangen?
Tekal: Wir sind hierzulande mit Medikamenten deutlich überversorgt ...
Peter: Ich als Hypochonder finde eher: Es kann nicht genug Medikamente geben!
Tekal: ... und es wird zu viel und zum Teil unnötig behandelt. Wir wissen, dass viel zu viel Antibiotika verschrieben werden: Hühnersuppe und andere Hausmittel würden bei einer Grippe genauso helfen, nur dauert das Auskurieren dann länger, was sich viele in einer leistungsorientierten Gesellschaft nicht leisten wollen oder dürfen. Auch die Angst vor einer schlimmeren Erkrankung spielt hier mit – auch seitens des Arztes. Verschreibt man das „Allheilmittel“ Antibiotikum, ist man rechtlich auf der sicheren Seite. Das hat viel mit Absicherungsmedizin zu tun, wir werden oft also eher rechtlich als medizinisch behandelt. Leider ziehen Antibiotika aber das Problem der Resistenzbildung nach sich. Ebenso werden Schmerzmittel viel zu schnell verschrieben und eingenommen.
Peter: Andererseits gibt es seit geraumer Zeit das große Problem, dass Medikamente einfach nicht mehr produziert oder geliefert werden. Das ist für die Patienten, besonders chronisch Kranke, eine immense Herausforderung. Sehr ärgerlich und unverantwortlich.

Oft wird auch nicht ganz klar von Ärzten gesagt, wie Medikamente einzunehmen sind …
Peter: Ganz genau! Zum Beispiel wird in den allermeisten Fällen nicht erklärt, dass „Einnahme nach der Mahlzeit“ eigentlich „Einnahme nach dem Verdauungsvorgang“ bedeutet, sprich: mindestens 30 Minuten nach dem Essen. Dieselbe Wartezeit gilt für die Einnahme vor dem Essen. Der Durchschnittsbürger weiß so etwas nicht! Oder: Die Einnahmevorgaben von Arzt, Apotheker oder Beipackzettel unterscheiden sich voneinander! Oftmals verpufft viel an Wirkung des jeweiligen Medikaments, weil die Kommunikation zwischen Arzt und Patient scheitert.

Viele Patienten ziehen es vor, lieber eine Pille zu schlucken, anstatt ihre Beschwerden an der Wurzel zu packen und zu behandeln.
Peter: Weil es das ist, was Ärzte einem servieren. Reden und erklären würde manchmal ebenso oder gar mehr helfen als das Verschreiben von Medikamenten. Ärzte haben mehr Macht, als sie glauben.
Tekal: Patienten möchten keine Beschwerden haben. Das wird auch in der Werbung suggeriert: „Bei den ersten Anzeichen einer Erkältung schlucken Sie dieses und jenes.“ Fieber, Schwitzen, bisschen Schmerzen, kurz: krank und traurig sein wird gesellschaftlich als negativ bewertet. Man darf ja nicht mal stinken! (lacht) Ärzte, die nicht evidenzbasiert vorgehen, werden schief angeschaut – und sind zudem nicht rechtlich abgesichert. Das macht die ärztliche Kunst aber ein bisserl hinfällig, denn diese Kunst besteht eigentlich in der Erkenntnis, was der individuelle Patient braucht.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Jede Möglichkeit zum Lachen nützen!
Seite 2 Verdauungsprobleme

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2020-02 130x173

Aktuelles Heft 02/2020

Die nächste Ausgabe erscheint am 6. März

 

Unsere Ausgabe 12/2019-01/2020 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Was bedeutet "Verzicht" für Sie?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information