Donnerstag, 27. Februar 2020

Neue Hoffnung bei Krebs der Bauchspeicheldrüse

Ausgabe 2020/02
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Die Bauchspeicheldrüse gehört zu den wichtigsten Organen in unserem Körper. Entsteht ein Pankreaskarzinom, ist unser Leben massiv bedroht, denn es gehört nach wie vor zu den aggressivsten Krebsformen. Fortschritte in der Medizin geben aber Hoffnung.


Foto: © iStock - magicmine

Im Vergleich zu ihren Aufgaben ist die Bauchspeicheldrüse (fachsprachlich Pankreas genannt) beinahe unscheinbar. Sie liegt quer im Oberbauch zwischen Zwölffingerdarm, Magen, Milz und Leber, ist nur 15 bis 20 Zentimeter lang und wiegt bei Erwachsenen gerade mal 60 bis 100 Gramm. Als Verdauungsdrüse spielt sie jedoch eine wesentliche Rolle im menschlichen Stoffwechsel. „Die Bauchspeicheldrüse ist die einzige Speicheldrüse, die gleich zwei verschiedene Funktionsbereiche hat“, erklärt der Wiener Chirurg Univ.-Prof. Dr. Martin Schindl, Koordinator der Pancreatic Center Unit des Comprehensive Cancer Center der MedUni Wien. Der exokrine Anteil (Sekret geht nicht in den Blutkreislauf) ist für die Produktion von Verdauungsenzymen zuständig, der endokrine Anteil (Sekret geht in den Blutkreislauf) für die Produktion und Abgabe von Hormonen in das Blutsystem, insbesondere Insulin und Glukagon.

Lexikon

Folgende Begriffe finden Sie  in diesem Artikel:

  • Endosonografie: eine von innen (also nicht durch die Haut) durchgeführte Ultraschalluntersuchung.
  • endokrin: eine endokrine Drüse gibt ihr Hormon in die Blutbahn ab.
  • exokrin: als exokrin bezeichnet man den Sekretionsmodus von Drüsen bzw. Drüsenzellen, die ihre Produkte an äußere (Haut) oder innere Oberflächen (Darmlumen, Urogenitaltrakt) abgeben
  • Glukagon erhöht den Blutzuckerspiegel – und ist somit Gegenspieler des Insulins
  • Insulin reguliert den Stoffwechsel, es senkt den Blutzuckerspiegel, indem es Körperzellen dazu anregt, Glukose (Zucker) aus dem Blut aufzunehmen
  • Neuroleptikum: Arzneistoff aus der Gruppe der Psychopharmaka, die eine dämpfende und den Realitätsverlust bekämpfende Wirkung besitzen

Robust, aber trotzdem heikel
Grundsätzlich, betont Schindl, sei die Bauchspeicheldrüse ein robustes Organ. Auch Elisabeth Hütterer, Diätologin an der Medizinischen Universität Wien, weiß aus beruflicher Erfahrung: „Ein gesundes Pankreas kann fast alles verdauen.“ Trotzdem gibt es bestimmte Stoffe und Verhaltensweisen, die eine schädliche Wirkung auf das Organ aufweisen: Vor allem chronischer Alkoholmissbrauch sowie zu fettreiche Nahrung können zu einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse führen. „Zudem gibt es bestimmte Medikamente, die eine sogenannte akute Pankreatitis hervorrufen können“, gibt Schindl zu bedenken. Dazu gehören zum Beispiel immunsuppressive Medikamente, aber auch Neuroleptika oder Psychopharmaka. „Auch bei manchen Naturheilmitteln ist Vorsicht geboten!“, warnt der Experte. Nicht zu vernachlässigen ist zudem die Gefahr durch Traumata wie Fahrradstürze oder Verkehrsunfälle, wodurch Lenker beziehungsweise Gurt in den Bauch gepresst werden. „Dies kann nicht nur eine Entzündung, sondern sogar eine Zerreißung des Organs nach sich ziehen.“ Die gute Nachricht: „In 85 Prozent der Fälle heilt eine akute Pankreatitis von selbst aus, Langzeitschäden sind nicht zu erwarten“, beruhigt Schindl. Vorübergehende leichte Schonkost kann bei der Genesung helfen. Nur in seltenen Fällen entsteht daraus eine nekrotisierende Pankreatitis: Diese geht mit einem Gewebeuntergang und deutlichen Schäden des Organs einher, was lebensgefährlich sein kann.

Pankreaskarzinom
In den vergangenen Jahren sind die Bauchspeicheldrüsen-Zysten in den Fokus der Medizin gerückt. Diese können zum Beispiel nach einer Pankreatitis entstehen und völlig harmlos sein (Pseuozysten) oder auch Vorläuferstufen von Krebs beinhalten (muzinöse Zysten), klärt Schindl auf. „Aus diesem Grund klären wir jede Art von Zysten genauestens ab, um gegebenenfalls möglichst früh ein Pankreaskarzinom erkennen zu können.“ Diese Abklärung erfolgt durch CT und Endosonografie, gegebenenfalls mit Biopsie. „50 Prozent aller Zysten, die wir untersuchen, haben das Potenzial, bösartig zu werden.“ Ist dies tatsächlich der Fall, heißt die leider nach wie vor erschreckende Diagnose: Bauchspeicheldrüsenkrebs oder auch Pankreaskarzinom. In Österreich erkranken daran rund 1.800 Personen pro Jahr, Tendenz: steigend. „Für 2030 wird ein weiterer Anstieg von jährlichen Neuerkrankungen bis auf 2.350 prognostiziert“, so Schindl. Das Pankreaskarzinom könnte so zur zweithäufigsten Krebs-Todesursache werden. Die Ursachen der steigenden Anzahl von Betroffenen sind vielfältig, weiß Dr. Gerald Prager, Onkologe am Wiener AKH sowie Koordinator der Pancreatic Center Unit des Comprehensive Cancer Center der MedUni Wien. „Das Pankreaskarzinom ist aktuell der dritthäufigste Tumor des Gastrointestinaltrakts und betrifft typischerweise Menschen im höheren Lebensalter. Je älter wir werden, desto mehr steigt auch die Anzahl der Pankreaskarzinom-Patienten.“ Aber auch immer mehr jüngere Menschen sind von der Erkrankung betroffen. „Klar ist, dass Tabak- und erhöhter Alkoholkonsum, mangelnde Bewegung, Adipositas und einseitige Ernährung zur Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs beitragen.“ Kollege Schindl weist zudem auf eine mögliche genetische Komponente hin: „Menschen, deren unmittelbare Verwandtschaft, sprich: Eltern oder Geschwister, von einem Pankreaskarzinom betroffen ist, weisen ein deutlich höheres Erkrankungsrisiko auf.“

Übersicht zu diesem Artikel:
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