Montag, 24. Februar 2020

Leben mit einem Lymphödem - Leben mit Druckerhöhung

Ausgabe 2020.02
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Leben mit Druckerhöhung
Heute geht es Wanzmann „gut“, wie er lächelnd sagt. Er ist tapfer, denn auch rund vier Jahre nach der Diagnose ist noch nicht alles so, wie es sein sollte: Der rechte Fuß ist weiterhin (wenn auch bereits in geringerem Ausmaß) angeschwollen, weshalb der zweifache Vater permanent auf einen Kompressionsstrumpf angewiesen ist. „Ich habe mich daran gewöhnt“, erzählt er, gibt aber auch zu, dass es im Sommer – vor allem während anstrengender Bauarbeiten – mit dem Strumpf „sehr mühsam“ sein kann. „Im Winter ist der Fuß im Allgemeinen schlanker.“ Nachts kann er aufgrund der horizontalen Lage des Beines auf den Strumpf verzichten, nach dem morgendlichen Aufwachen muss er aber sofort übergestreift werden. „Tue ich das nicht, schwillt der Fuß innerhalb von fünf bis zehn Minuten an. Da kann ich richtig zusehen dabei.“ Dies sei auf lange Sicht gefährlich, betont er, da dann ein normaler Blutfluss nicht mehr möglich und die Gefahr einer Nekrose gegeben ist. Zusätzlich cremt Wanzmann täglich sein Bein mit hochwertigen, rückfettenden Hautcremes ein („A und O bei Lymphödemen!“), wird einmal wöchentlich mit einer Lymphdrainage therapiert und macht, soweit möglich, Sport, zum Beispiel Schwimmen oder Radfahren. Dieser ist nicht nur notwendig, um die Venenpumpe im Fuß zu aktivieren, sondern auch, um Adipositas zu bekämpfen – eine häufige Nebenwirkung eines Lymphödems. Obwohl man ihm nach der OP versichert habe, bald auf den Kompressionsstrumpf verzichten zu können, „bin ich davon weit entfernt“. Trotzdem, den Eingriff bereut er nicht: „Heute kann ich wieder normale Turnschuhe tragen, was in der Anfangszeit nicht möglich war. Auf meine geliebten Halbschuhe muss ich aber leider nach wie vor verzichten.“ Eine zweite Operation, diesmal an der Hinterseite des Fußes, ist im Laufe dieses Jahres geplant.

Zu späte Diagnose
Simon Wanzmann ist dankbar, „nur“ von einer leichten Form des Lymphödems am Fuß betroffen zu sein. Er erzählt von anderen Betroffenen, zum Beispiel Krebspatienten, die an schweren Lymphödemen an den Armen oder sogar im Gesicht leiden. „In der Klinik habe ich Leute gesehen, die von der Fingerspitze bis zum Gesicht in einen Kompressionsstrumpf gezwängt waren. Da wird man demütig.“ Auch seine Zeit im Rollstuhl habe ihn im Umgang mit Menschen mit Behinderungen sensibilisiert, meint er. Bei aller Dankbarkeit ist aber auch Ärger bei Wanzmann deutlich zu bemerken – nämlich, wenn es um Ärzte geht. „Wäre die Diagnose früher gestellt worden, hätte man mich sofort in die Lymphklinik überwiesen und dort passend behandelt, sprich: die richtige Physiotherapie und die richtige Form von Lymphdrainagen hätten den chronischen Verlauf fast zur Gänze verhindern können.“ Nicht nur, dass über die Kärntner Lymphklinik nahezu keiner seiner behandelnden Ärzte Bescheid wusste, auch die schwierige Suche nach einem Bandagisten, der bei Kompressionsstrümpfen – diese müssen meist individuell angepasst werden – fachkundig ist, lässt Wanzmann nach wie vor verärgert den Kopf schütteln. „Die Unwissenheit über Lymphödeme ist schockierend! Ich würde mir wünschen, dass dieses Thema in der ärztlichen Ausbildung einen größeren Stellenwert bekommt!“ 

Übergewicht kann Lymphödem auslösen!

Univ.-Prof. Dr. Richard Crevenna, Vorstand der Universitätsklinik für Physikalische Medizin, Rehabilitation und Arbeitsmedizin, im Interview.

Was versteht man unter einem Lymphödem?
Das Lymphödem ist eine chronische, entzündliche Erkrankung des Zwischengewebes als Folge einer anlagebedingten oder erworbenen Schädigung des Lymphdrainagesystems, also Lymphabtransportes. Es kommt zu einer krankhaften Flüssigkeitsansammlung im Zwischengewebe, die unbehandelt zu Schwellungen und mittel- bis langfristig zu Veränderungen der Gewebsstrukturen (Haut, Unterhaut etc.) führt. Dadurch kommt es zur Flüssigkeitsansammlung z. B. im Zwischengewebe im Bereich der Extremitäten, im Kopf- und Halsbereich, Körperstamm etc.

Welche Ursachen können dahinterstecken?
Genetische Ursachen wie eine angeborene Nichtanlage oder Fehlanlage von Lymphgefäßen und Lymphknoten können zu Lymphödemen führen. Erworbene Ursachen sind unter anderem: Krebserkrankungen, Operationen, Lymphknotenentfernungen, chronisch- venöse Insuffizienz, Infektionen, Unfälle sowie Übergewicht.

Wie wird behandelt?
Die Standardtherapie ist die sogenannte komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE). Sie besteht aus den folgenden, aufeinander abgestimmten Komponenten: Hautpflege (evtl. Hautsanierung), manueller Lymphdrainage, Kompressionstherapie mit speziellen mehrlagigen, komprimierenden Wechselverbänden und/oder lymphologischer Kompressionsstrumpfversorgung, entstauungsfördernder Sport-/Bewegungstherapie sowie der Aufklärung und Schulung zur individuellen Selbsttherapie. Die Therapieziele bestehen darin, die Erkrankung in einen ödemfreien Zustand oder in ein niedrigeres Lymphödem-Stadium zurückzuführen und dadurch eine nachhaltige Befundstabilität und eine Verbesserung der Lebensqualität zu ermöglichen sowie Komplikationen vorzubeugen.

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