Montag, 24. Februar 2020

Leben mit einem Lymphödem

Ausgabe 2020.02
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Eine angebliche Sportverletzung entpuppte sich bei Simon Wanzmann als Lymphödem mit chronischem Verlauf. Seit der Diagnose lebt der 41-Järhige mit einem Kompressionsstrumpf. Was ihn aber wirklich ärgert, ist die Unwissenheit vieler Ärzte.


Foto: Miriam Höhne

Es war im Frühjahr 2016 – eine Zeit, in der Simon Wanzmann, 41 Jahre, aus Niederösterreich, ein besonders hohes Augenmerk auf seine Gesundheit legte. Wenige Wochen zuvor entschied er sich, mithilfe eines Personal Trainers seine persönliche Fitness auf Vordermann zu bringen, denn „wie Sie sehen, bin ich nicht der Schlankste“, sagt Wanzmann im Interview mit GESÜNDER LEBEN. „Ich wollte einfach fitter werden. Aber im Gesamten ging es mir gut.“ Als er eines Tages – der Tag, an dem sich vieles ändern sollte – wieder mal fleißig und pflichtbewusst am Laufband trainierte, bemerkte er am selben Abend, dass sein rechter Fuß (insbesondere rund um den Knöchel) inklusive des Unterschenkels nicht nur stark gerötet war, sondern auch massiv anschwoll – ein Zustand, der sich in den nächsten Tagen (und Wochen) noch verstärken sollte. Auch starke Schmerzen stellten sich ein. „Meine erste Vermutung: Ich hab es mit dem Laufband übertrieben, schließlich war ich diesbezüglich ungeübt.“ Auch die Ärzte, die er nach zwei Tagen aufsuchte, tippten auf eine massive Faszien-Zerrung, ausgelöst durch Sport.

Kämpfernatur
Im Spital dann die Diagnose: Es handelte sich um ein Erysipel, umgangssprachlich „Rotlauf“ genannt, sprich: eine plötzlich auftretende oberflächliche Entzündung der Haut, einhergehend mit Fieber (auch das traf auf Wanzmann zu). Erster Therapie-Versuch: wochenlange Antibiotikagabe. „Prinzipiell war dies die richtige Behandlung, jedoch war die Entzündung des Fußes bereits so weit fortgeschritten, dass die Lymphbahnen im Unterschenkel durch die überdurchschnittlich starke Schwellung massive Quetschungen erlitten hatten. Aus diesem Grund entstand in den darauffolgenden Monaten ein chronisches Lymphödem, mit dem ich bis heute leben muss.“ Wanzmanns Zustand verschlechterte sich rasch: „Ich hatte Schmerzen und keine Kraft mehr im rechten Bein.“ Die Folge: Drei Monate lang war er auf einen Rollstuhl angewiesen. „Diese Zeit war psychisch sehr belastend für mich“, gibt der Leiter eines erfolgreichen Spengler-Zimmerer-Betriebs zu. „Existenzängste kamen auf, denn ich konnte nicht mehr wie gewohnt meiner Arbeit nachgehen. Noch dazu wusste kein Mediziner – weder die behandelnden Ärzte noch Ärzte aus meinem Familienkreis –, was mit mir los war. Keiner konnte mir helfen, Behandlungen wie Lymphdrainagen und Physiotherapie haben so gut wie nicht angeschlagen.“ Von ernsthaften Depressionen blieb Wanzmann verschont – zum einen wegen der seelischen Unterstützung seiner Familie, Freunde und Kollegen („Das stärkt die Psyche und somit indirekt auch den Körper!“), aber auch, weil Wanzmann von sich sagen kann: „Ich bin eine Kämpfernatur!“ Weil er, ganz der Kämpfer, weiter auf Baustellen mit Gerüsten arbeitete, erlangte er langsam, aber sicher seine Fähigkeit zu gehen wieder. „Die Baustellen waren meine persönliche Physiotherapie.“

Experte der eigenen Krankheit
Vielleicht ist es genau dieser Kämpfernatur zu verdanken, dass sich Wanzmann nicht aufgab – im Gegenteil: Alle noch verbleibenden Kräfte mobilisierend, recherchierte er auf eigene Faust, wurde zum Experten der eigenen Krankheit. Mittlerweile weiß Simon Wanzmann detailreich über Lymphödeme Bescheid; versiert und auch nicht vor diversen Fachtermini zurückschreckend, erklärt er uns im Gespräch medizinische Details. Beeindruckend – und ausschlaggebend dafür, dass er sich eineinhalb Jahre nach der Diagnose für eine spezielle Operation entschied, eine Option übrigens, auf die ihn die behandelnden Ärzte nicht hingewiesen hatten: Bei der Lymphszintigrafie werden betroffene, in ihrer Funktion gestörte Lymphbahnen erfasst. Mittels Mikrochirurgie werden anschließend einzelne Lymphgefäße in die Venen eingeleitet, wodurch die Lymphflüssigkeit des entsprechenden Lymphgefäßes abfließen kann. Der rund fünfstündige Eingriff wird von der Krankenkasse bezahlt. Danach ging es für einige Wochen in die Lymphklinik Wolfsberg in Kärnten, die einzige dieser Art in ganz Österreich. Dort wurde Wanzmann weiter mit speziellen Lymphdrainagen und Physiothera-pien versorgt.

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