Montag, 30. März 2020

Impfen schützt - Geschützt – von Anfang an

Ausgabe 2020.03
Seite 2 von 2

 

Geschützt – von Anfang an
In den ersten Lebensjahren wird die Grundlage für die Immunisierung geschaffen, wovon wir dann zehren. Für Säuglinge bis zum ersten Lebensjahr sind folgende Impfungen vorgesehen:

  • zwei bis drei Impfungen gegen Rotavirus,
  • zwei 6-fach Impfungen (gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Hepatitis B, Poliomyelitis, Haemophilus influenzae) und
  • zwei Impfungen gegen Pneumokokken.
  • Die erste Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln wird ab dem 9. Lebensmonat empfohlen, die zweite Dosis drei Monate danach, also ab Beginn des zweiten Lebensjahres.

 

Die erste Teilimpfung gegen FSME kann ebenfalls knapp nach Vollendung des 1. Lebensjahres verabreicht werden.

Beim Erwachsenen verringert sich der Aufwand beträchtlich. Neben der jährlichen Influenza-Impfung sind meist nur mehr alle fünf bis zehn Jahre Auffrischungsimpfungen fällig. Folgende Auffrischungsimpfungen werden empfohlen:

  • Bis zum 60. Lebensjahr sollte die Impfung gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis und Poliomyelitis alle zehn Jahre, ab dem 61. Lebensjahr alle fünf Jahre aufgefrischt werden.
  • Die Dauer der Schutzwirkung gegen FSME ist bis zum 60. Lebensjahr auf fünf Jahre und danach auf drei Jahre begrenzt. Der Grund für die kürzeren Intervalle im höheren Lebensalter: Die Fähigkeit des Immunsystems, sich vor Krankheiten zu schützen und auf Impfungen anzusprechen, nimmt im Alter ab.
  • Die jährliche Impfung gegen Influenza wird generell für alle Altersgruppen empfohlen.

Die exakte Dauer der Immunität ist oft unklar.
Sich widersprechende Aussagen, falsche sowie mangelhafte Informationen grassieren über die zeitliche Dauer einer Immunisierung. Um unnötige Impfungen oder Auffrischungsimpfungen zu vermeiden, kann durch einen Titer-Test festgestellt werden, ob im Körper noch genügend Antikörper vorhanden sind. „Allerdings führen nicht alle Titer-Bestimmungen zu dem gewünschten Ergebnis“, sagt Hollenstein und erklärt: „Sehr gute Vorhersagen über die Dauer der Wirkung können bei Masern, Mumps, Windpocken und Röteln getroffen werden, gute bei Tetanus und Diphtherie. Bei Polio lassen sich die Antikörper bestimmen, allerdings nicht die verbleibende Zeit der Wirkung. Das Gleiche gilt für FSME. Für Hepatitis A und B kann man ganz gut bestimmen, ob ein kurzer, ein mittlerer oder ein längerer Schutz vorhanden ist. Antikörper gegen Keuchhusten sind nicht standardisiert, sodass keine Aussage getroffen werden kann, welcher Wert eine Schutzwirkung bedeutet.“ Da die Kosten eines Titer-Tests bei 15 bis 35 Euro und mehr liegen und manche Impfungen entweder günstiger oder gleich teuer sind, entscheiden sich dann im Zweifelsfall doch viele für eine Impfung.

Die Notwendigkeit einer Impfung ist vielen nicht bewusst
Viele Eltern sind sich der Dringlichkeit nicht bewusst, sie verschieben oder vergessen Impftermine. Hinzu kommt: Junge Eltern haben keine lebensbedrohlichen Kinderkrankheiten mehr erlebt, viele Ärzte kennen diese auch nur mehr aus der Literatur. Nicht wenige Mütter und Väter vertrauen auch darauf, dass die betreffenden Krankheiten nur mehr äußerst selten auftreten und sich ihre Kinder schon allein aus diesem Grund nicht anstecken werden. Andere wiederum zählen auf die Herdenimmunität – die allerdings bei hoch ansteckenden Erkrankungen wie etwa Masern nur dann gegeben ist, wenn die Impfquote in der Gesamtbevölkerung bei mindestens 95 Prozent liegt. Und dann gibt es noch eine – mit 2 bis 5 Prozent – zwar kleine, aber medial und im Internet sehr präsente Gruppe von Impfverweigerern, die Notwendigkeit und Wirksamkeit von Impfungen generell und vehement bestreiten. Sie sind entgegen allen wissenschaftlichen Erkenntnissen davon überzeugt, dass Impfungen zwangsweise zu massiven Schäden führen. Expertin Hollenstein: „In den letzten Jahren gab es eine Reihe von Gerüchten über Zusammenhänge zwischen verschiedenen Impfungen und noch wenig erforschten Krankheiten wie zum Beispiel Multiple Sklerose, Autismus oder entzündliche Gehirnerkrankungen. Bisher haben sich in seriösen Studien keinerlei Zusammenhänge beweisen lassen.“ Dennoch herrscht ein Klima der Verunsicherung.

Impfreaktionen sind im Normalfall ungefährlich
Kein Mediziner, kein Wissenschafter wird jemals bestreiten, dass Impfungen, so wie jedes wirksame Medikament, Nebenwirkungen haben können. Etwa 10 bis 20 Prozent der Menschen reagieren auf Impfungen mit vorübergehenden harmlosen Beschwerden, wie Anschwellen und Rötung der Einstichstelle, leichtem Fieber, Kopf- und Gelenks-schmerzen, sowie sehr selten mit einer abgeschwächten Erkrankung. „Verglichen mit den Folgen, die Krankheiten haben können, sind die akuten Nebenwirkungen der Impfungen zu vernachlässigen“, weiß die Medizinerin. „Die Ansprüche an Impfstoffe sind besonders hoch, werden sie doch gesunden Kindern und Erwachsenen verabreicht. Unsere heute verwendeten Impfstoffe durchlaufen intensive Tests auf Reinheit, Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit.“

Überblick über den Impfstatus
Weil es in Österreich in so gut wie allen Altersgruppen teils besorgniserregende Impflücken gibt, empfehlen Ärzte, sich einen Überblick über den persönlichen Impfstatus zu machen, diesen gegebenenfalls mit dem Hausarzt zu besprechen und die weitere Vorgangsweise abzuklären. Aktuelle Informationen und Empfehlungen sind auf www.sozialministerium.at/Themen/Gesundheit/Impfen.html zu finden.

Und noch ein Tipp: Wer eine Fernreise plant, sollte sich zeitgerecht informieren, welche Impfungen und Vorsichtsmaßnahmen für die gewünschte Destination empfohlen werden. Mindestens sechs Wochen vor Antritt der Reise sollte mit der Immunisierung begonnen werden!

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Impfen schützt
Seite 2 Geschützt – von Anfang an

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2020-03 130x173Aktuelles Heft 03/2020

Die nächste Ausgabe erscheint am 3. April

 

Unsere Ausgabe 2/2020 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Diäten – Ihre Meinung?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information