Dienstag, 07. April 2020

Impfen schützt

Ausgabe 2020.03
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Schwere Infektionskrankheiten können mit lebensbedrohenden gesundheitlichen Problemen verbunden sein. Impfungen sind der wirksamste Schutz für den Einzelnen und für die Gesellschaft. 


Foto: iStock-MarianVejcik

Neben Antibiotika gelten Impfungen als die erfolgreichste Entwicklung der Medizingeschichte und gehören weltweit zu den wirksamsten und sichersten Gesundheitsmaßnahmen. So konnte die Kindersterblichkeit drastisch reduziert werden. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) verhindern Impfungen weltweit jährlich zwei bis drei Millionen Todesfälle. Aber immer noch sterben laut Schätzungen der WHO vor allem in Afrika und Asien täglich 400 bis 500 Kinder allein an Masern. An einer Krankheit, die seit Jahren schon ausgerottet sein könnte.

Österreich liegt deutlich unter der empfohlenen Impfquote
Während die Impfrate in sehr vielen Entwicklungsländern wegen mangelnder oder auch schlecht gelagerter und somit unwirksamer Impfstoffe, aber auch aufgrund von Kriegen und einer miserablen Infrastruktur sehr niedrig ist, hat sich in großen Teilen Europas eine gewisse Impfmüdigkeit breitgemacht. Um die Bevölkerung beispielsweise vor Masern zu schützen, ist nach WHO-Angaben in allen Ländern eine 95-Prozent-Quote mit zwei Impfdosen nötig. Nach Daten der zuständigen EU-Agentur für Prävention und Kontrolle von Krankheiten erfüllten 2017 nur Schweden, Ungarn, die Slowakei und Portugal die 95-Prozent-Quote. Zu den Schlusslichtern in der EU mit einer unter 85-Prozent-Quote gehört neben Frankreich, Rumänien, Griechenland und Malta auch Österreich. Deutschland sowie die übrigen EU-Länder erzielten Quoten zwischen 85 und 94 Prozent.

Impfungen – das muss ich wissen!


Univ.-Doz. Dr. Ursula Hollenstein hat für GESÜNDER LEBEN ein kleines Impfglossar zusammengestellt.

Aktive Impfung
Unser Immunsystem wird durch eine aktive Impfung dazu angeregt, Antikörper gegen einen bestimmten Erreger zu bilden. Der Schutz, der auf diese Weise entsteht, ist relativ lang anhaltend. Zudem entsteht eine Art „immunologisches Gedächtnis", das durch Auffrischungsimpfungen immer wieder geweckt werden kann.

Passive Impfung
Bei einer passiven Impfung erhalten wir den Schutz ohne eigene Leistung unseres Körpers, das heißt, der Impfstoff enthält bereits fertige Antikörper. Der große Vorteil solcher passiven Impfungen besteht in der Tatsache, dass sie sofort wirksam und schützend sind, während die eigene Produktion von Antikörpern bei der aktiven Impfung einige Tage bis Wochen dauert. Nachteil ist aber, dass diese vorgefertigten Antikörper relativ rasch abgebaut werden, sodass der Schutz nur von relativ kurzer Dauer ist.

Lebendimpfstoff
Diese Impfstoffe (z. B. Masern, Mumps, Röteln, Windpocken) enthalten lebendige Krankheitserreger, die abgeschwächt worden sind, sodass sie nicht mehr in der Lage sind, uns krank zu machen. Sie erzeugen im Körper eine Immunantwort, die jener nach einer natürlichen Infektion gleicht. Die Schutzwirkung solcher Le-bendimpfstoffe ist unerreicht und hält sehr lange – oft lebenslang – an.

Totimpfstoff
Die Mehrzahl unserer heutigen Impfungen gehört in diese Kategorie. Totimpfstoffe enthalten entweder abgetötete Erreger oder deren Bruchstücke.

Hilfe fürs Immunsystem
Unser Immunsystem ist dafür gedacht, Infekte zu erkennen und abzuwehren. Das ist ein lebenslanger Lernprozess, der mit der Geburt beginnt. „Das Ziel von Impfungen ist, schon von Geburt an einen Schutz gegen gefährliche, teils lebensbedrohende Infektionen aufzubauen“, sagt Univ.-Doz. Dr. Ursula Hollenstein, Fachärztin für innere Medizin, Zusatzfach für Infektiologie und Tropenmedizin, Diplom für Tropen-, Reise-, Tauch- und Hyperbarmedizin (www.traveldoc.at) in Wien. „Viele dieser Erkrankungen werden durch Viren hervorgerufen, gegen die es keine medikamentöse Behandlung, sehr wohl aber eine Impfung gibt.“ Hinzu kommt: „Ein Großteil der Erkrankungen betreffen das frühe Lebensalter und können lebensbedrohend sein. So etwa ist der erste Häufigkeitsgipfel bei Rotaviren und Meningokokken sehr früh. Das Immunsystem eines Kleinkindes ist zwar noch nicht fähig, gewisse Krankheitserreger abzuwehren, jedoch zweifelsfrei dazu imstande, die in Impfungen enthaltenen Antigenmengen zu verkraften.“ Entgegen anderslautenden Meinungen sei auch die heute übliche 6-fach-Impfung immunologisch kein Problem und habe weitere Vorteile zu bieten. „Es fällt schwer, ein kleines Kind zu stechen und ihm Schmerzen zuzufügen“, sagt die Ärztin. „Je weniger ein Kind gestochen werden muss, desto besser ist das für alle Beteiligten. Es hat auch einen logistischen Vorteil, weil damit die Anzahl der Besuche beim Kinderarzt reduziert wird und jede Vereinfachung dazu beiträgt, eine möglichst durchgeimpfte Population zu erreichen.“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Impfen schützt
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