Dienstag, 21. Mai 2019

Wandern - gesund und hip!

Ausgabe 2016.09

Das Wandern wurde in den vergangenen Jahren geradezu eine Trendsportart. Auch immer mehr junge Menschen  tauschen Stöckel- und Businessschuhe gegen Wander­­schuhe aus. Doch was ist dran am Wanderboom?


Foto: © Can Stock Photo Inc. - stokkete

Das Wandern, so sagt man, unterscheidet sich vom Spazierengehen durch zwei Komponenten: die Geschwindigkeit und Dauer. Beim Wandern ist man im Schnitt mit sportlichen fünf bis sechs Kilometern pro Stunde unterwegs und das für mindestens zwei Stunden. Doch wer schon öfter eine Wanderung unternommen hat, weiß – das Wandern ist viel mehr als „nur“ eine sportliche, gesunde Betätigung.  

Die positiven Effekte des Wanderns. Dr. Johannes Hickelsberger, Arzt für Allgemeinmedizin aus Langenzersdorf, erklärt die Vorteile des Wanderns: „Es  mag banal klingen, aber es ist schlicht und einfach die Bewegung an sich, welche die physiologischen Gegebenheiten unseres Bewegungsapparates in adäquater Weise unterstützt. Unser Bewegungsapparat ist eine Einheit aus Knochen, Gelenken, Knorpeln, Bändern, Muskeln, Sehnen und Faszien. Zusammen bilden diese Strukturen ein faszinierendes ausgeklügeltes und in hohem Maße komplexes System. Wie alle komplexen Systeme ist auch unser Bewegungsapparat sensibel und anfällig für Störungen. Diese äußern sich in Form von Abnützungen der Gelenke, Kalkablagerungen, Schäden an Sehnen usw. Um dem entgegenzuwirken und vorzubeugen, bietet sich das Wandern als ideale Präventivmaßnahme an. Es werden alle Strukturen des Bewegungsapparates in physiologischer und somit gesunder Art und Weise beansprucht.“ Und der Mediziner weiter: „Neben der Stärkung von Gelenken und Muskulatur hat Wandern auch eine positive Auswirkung auf unser Herz-Kreislauf-System, den Stoffwechsel, das Immunsystem und die Atemwege. Außerdem verbessert regelmäßiges Wandern unsere Ausdauer. Trotzdem sollte man immer die individuell angepasste und richtige Dosis bezüglich Länge des Wanderweges, Schwierigkeitsgrad des Geländes usw. finden. Denn wie bei vielem gilt auch beim Wandern der Spruch ,Weniger ist mehr‘. Also, lieber öfter im Monat eine kleine Wanderung unternehmen als einmal einen Ganztagesmarsch. Das gilt vor allem für untrainierte Menschen.“

Achten Sie auf die richtige Ausrüstung! Die richtige Ausrüstung ist das A und O bei jeder Wanderung und Voraussetzung dafür, dass man diese auch ungetrübt genießen kann. So sollten Wanderschuhe eine rutschfeste Profilsohle haben und einen sicheren Halt bieten. Im Fachgeschäft wird die Anprobe mit dickeren Wandersocken empfohlen. Dabei wird die Ferse ganz nach hinten geschoben, während im Zehenbereich noch etwas Platz bleiben soll, um beim Bergabgehen nicht anzustoßen. Daraus ergibt sich dann eine Schuhgröße, die meist eine halbe bis ganze Nummer über der normalen Straßenschuhgröße liegt. Doch neben dem richtigen Schuhwerk ist auch auf eine funktionelle Kleidung zu achten. Gerade bei längeren Wanderungen kann das Wetter manchmal umschlagen und dafür sollte man gerüstet sein. Wanderstöcke können zusätzlich für einen sicheren Halt in unwegsamem Gelände sorgen. Eine kleine Not-fallapotheke sollte ebenfalls in jedem Wanderrucksack ihren fixen Platz haben.

Wandern als Trendsportart? Das Wandern hat sich bei Menschen, die einen gesunden Lebensstil bevorzugen, etabliert. Gerade in der jetzigen Zeit, da Work-Life-Balance und Gesundheitsförderung groß- geschrieben werden, hat sich das Wandern einen neuen Stellenwert erobert. Wandern ist in vielerlei Hinsicht trendy geworden. Sich aktiv bewegen, unterhalten, lachen, soziale Kontakte pflegen, so ganz nebenbei die Natur genießen und vom Alltag abschalten. Ob als Gruppenerlebnis oder im Alleingang – Wandern ist für Körper und Geist einfach gesund!

INTERVIEW

„Wandern bringt Körper und Geist in Einklang“

Helen Brugat, Schauspielerin, Autorin, Regisseurin, Leiterin des Kindertheaters „Pipifax“, ausgebildete Trainerin und angehende Psychotherapeutin

GESÜNDER LEBEN traf Helen Brugat gemeinsam mit ihrem Hund Pipo an der Alten Donau zum Interview.

Wandern tut der Seele gut. Können Sie das als begeisterte Natur- und Wanderfreundin bestätigen?
Helen Brugat: Auf jeden Fall. Dabei kann man die Natur spüren und die Aussicht genießen. Ich bin zum Beispiel ein Mensch, der viel Platz für seine Kreativität braucht. Und mit Platz meine ich nicht nur einen großen Raum, sondern vor allem die Weite als solche. Gerade beim Wandern geht der Blick oft ins schier Unendliche. Es gibt keine Wände, die uns einschränken, wir können immer wieder die Perspektive wechseln. Bei einer Bergwanderung sehen wir zuerst den Gipfel des Berges vom Tal aus. Wenn wir den Berg erklommen haben, erstreckt sich unser Blick in die Ferne und Richtung Tal. Von unten nach oben und umgekehrt – wenn die
Gedanken kreisen, einige Probleme einfach unlösbar scheinen, hilft so ein Perspektiven­wechsel enorm. Ein geänderter Blickwinkel hilft auch dabei, eingefahrene Verhaltungsmuster zu überdenken und neu zu definieren. Beim Wandern kann man die Seele baumeln lassen, seinen Gedanken freien Lauf lassen – und das kann auch den einen oder anderen Veränderungsprozess aus­lösen.

Kann man das Wandern als Ausgleichsprogramm zum stressigen Alltag sehen?
Brugat: Ich würde es als Gelegenheit sehen, zwischendurch innehalten zu können. Viele Menschen hasten in ihrem täglichen Hamsterrad einem entfernten Ziel hinterher und vergessen dabei, im Hier und Jetzt zu leben. Die Bewegung in der Natur ist nicht nur dafür da, um Gedanken in Schwung zu bringen, sondern ebenso, um zur Ruhe zu kommen, zu lauschen, tief durchzuatmen und den Moment zu genießen. Einmal kein Ziel erreichen zu müssen, nicht unter Druck zu stehen, einfach links und rechts des Weges die Schönheiten der Natur und seine Gefühle entdecken. Das macht Wandern unter anderem aus.

Ist Wandern für Sie eine Art Kraftquelle, aus der Sie Ihre Energie schöpfen?
Brugat: Wenn ich in der Natur unterwegs bin, gibt mir dieses Herumwandern, dieses sich uneingeschränkt bewegen zu können ein befriedigendes Gefühl von Freiheit. Ich kann meine Gedanken schweifen lassen, hier einem Schmetterling nachsehen, dort dem Gesang eines Vogels lauschen. Manchmal flattern unsere Gedanken dadurch wie aus einem Käfig in ungeahnte Sphären. Tiere, Pflanzen, Bäume – es tut gut, sie zu beobachten oder auch einmal einen Baum zu umarmen. Dabei den Gleichmut zu spüren, die vielen Jahresringe, immer standhaft an derselben Stelle, im Sturm, bei Schnee und Eis, in der sengenden Hitze. Beim Wandern entdecke ich die Natur in ihrer Echtheit, so wie sie ist. Und ich entdecke auch ihre besonderen Kraftorte. Diese verhelfen mir zu einer geistigen Freiheit, machen mich kreativ, lassen mich Neues erleben. Die gewonnene Energie nehme ich dann mit nach Hause, nutze sie für meine Arbeit am Theater, für neue Projekte, lasse mir wieder lustige Geschichten einfallen usw.

Sehen Sie einen Bezug zwischen Wandern und Ihrer Tätigkeit als Trainerin und Psychotherapeutin in Ausbildung?
Brugat: Die Bewegungstherapie wird im Rahmen der Psychotherapie oft als unterstützende Maßnahme bei Menschen mit psychischen Störungen eingesetzt. Darunter fällt auch das Spazie-rengehen und Wandern. Aktivitäten an der frischen Luft haben nachweislich eine antidepressive und angstlösende Wirkung. Es kommt zu einer Abnahme der inneren Anspannung, Blockaden können gelöst werden, die Grundstimmung verbessert sich. Der therapeutische Nutzen ist enorm, da mit Wandern Körper und Geist wieder in Einklang gebracht werden können.

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