Urlaube dich gesund!

Ausgabe 2017.12/2018.01

Ein Gesundheitsurlaub ist weit mehr als ein Wellness-Wochenende. Ziel ist eine nachhaltige Änderung des Gesundheitsszustands durch ganzheitliche Behandlungen – unterstützt von qualifizierten Medizinern und Therapeuten. GESÜNDER LEBEN hat sich die neuesten Trends und Forschungsergebnisse angesehen.


Foto: iStock-Grekov

Gesundheit ist nicht mehr nur ein erstrebenswerter Zustand, sondern Lebensziel und Lebenssinn“, schreibt das Zukunftsinstitut, einer der einflussreichsten Think-Tanks der europäischen Trend- und Zukunftsforschung mit Standorten in Frankfurt und Wien. Dabei ist Gesundheit mehr als nur das Gegenteil bzw. die Abwesenheit von Krankheit. Immer mehr Menschen sehen sie unter einem ganzheitlichen Aspekt, verknüpfen die physische Dimension mit der psychischen, sind sich bewusst, dass Zufriedenheit und Gesundheit miteinander einhergehen, und suchen nach einer nachhaltigen Balance von Körper, Geist und Seele.

Wie finde ich das richtige Gesundheitshotel?

In erster Linie muss man natürlich wissen, was man möchte: Soll der Fokus auf Ernährung, Bewegung oder Entspannung liegen? Eher „fernöstlich“ (z. B. Ayurveda, TCM) oder doch lieber altes Wissen aus der Heimat (z. B. TEM, F. X. Mayr). Abgesehen davon läuft bei der Suche nach dem richtigen Hotel für den persönlichen Gesundheitsurlaub vieles über Mundpropaganda, weiß Prof. Dr. Kai Illing von der FH Joanneum, Bad Gleichenberg. All jenen, die sich etwa im Internet informieren, rät der Gesundheitstourismus-Experte, sich die Angebote genau anzuschauen und zu vergleichen: „So sollten etwa Ärzte und Therapeuten über qualitative Ausbildungen verfügen. Außerdem muss das Gesamtangebot passen. Das heißt: Das Hotel befindet sich in einer gesunden Umgebung, man kann sich in der Natur aufhalten, es wird auf gesunde Ernährung geachtet und es gibt ein entsprechendes Wellness- und Fitnessangebot.“

Plattformen wie „Medical Hotels“, „Health & Spa“ oder „Thermenland Steiermark“ bieten überdies die Möglichkeit, mehrere Betriebe miteinander zu vergleichen. Mit „Best Health Austria“ verfügt Österreich über ein EU-weit anerkanntes Gütezeichen, bei dem die über die gesetzliche Verpflichtung hinausgehende Qualitätssicherung durch eine neutrale, unabhängige Stelle regelmäßig überprüft, dokumentiert und kommuniziert wird.

www.medical-hotels.at  |  www.health-and-spa.at   
www.thermenland.at  |  www.besthealthaustria.com

Hier werden Sie gesund. Damit wir möglichst lange gesund bleiben, ist es erforderlich, einen entsprechenden Lebensstil zu pflegen: von der richtigen Ernährung über regelmäßige Bewegung bis zum gesunden Urlaub. Eine wissenschaftliche Definition, was Letzteres ist, gibt es bis dato allerdings nicht. Prof. Dr. Kai Illing vom Institut Gesundheitsmanagement im Tourismus der FH Joanneum in Bad Gleichenberg hat aufgrund seiner langjährigen Erfahrung jedoch drei Kriterien herausgefiltert: So könne dann von Gesundheitstourismus gesprochen werden, wenn der Gast schon vor der Reise plant, während des Urlaubs etwas für die Gesundheit zu tun und/oder dabei einen „Anstupser“ zu bekommen, auch im Anschluss gesünder zu leben. „Zweitens“, so Illing weiter, „sollte der Gast einen erheblichen Teil seiner Urlaubszeit für gesundheitsfördernde Maßnahmen aufbringen – wie immer diese ausschauen. Und der dritte Punkt ist, dass man sich während des Aufenthalts zumindest zeitweise coachen oder beraten lässt – mental oder körperlich oder beides.“ Der Begriff „Gesundheitstourismus“ geht somit über die unzähligen Angebote im Wellness-Bereich hinaus und umfasst vor allem medizinisch orientierte Reisen. Dabei gilt es wiederum, zu unterscheiden, ob es sich um einen von den Krankenkassen bezahlten Kuraufenthalt bzw. eine Reha handelt, oder ob man selbst für den Urlaub aufkommt und sich somit für einen privat geführten Gesundheitsbetrieb entscheidet. Freilich hat es finanzielle Vorteile, wenn die Kosten übernommen werden. Jedoch sind Kurbetriebe auch an die Vorgaben der Krankenkassen und Pensionsversicherungen gebunden. Private Gesundheitseinrichtungen sind indes in der Wahl ihrer medizinischen und gesundheitsfördernden Angebote komplett frei und setzen vermehrt auf alternative Heilmethoden wie beispielsweise Ayurveda, F. X. Mayr bzw. die Moderne Mayr-Medizin, Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) oder Traditionelle Europäische Medizin (TEM).

Gesunde Urlaubstrends. Da aber auch im Gesundheitstourismus die Nachfrage das Angebot bestimmt, stellt sich die Frage: Wohin gehen die Trends? Oder anders gefragt: Welche Beschwerden und Erkrankungen werden in den kommenden Jahren zunehmen und somit ein gesundheitstouristischen Angebot erfordern? „Schon heute verursachen Störungen, die den Bewegungsapparat betreffen – von Kreuzschmerzen bis zu Rheuma –, die meisten Krankenstandstage und Kuraufenthalte. Entsprechend wird das Angebot im Bereich Bewegung in den kommenden Jahren mit Sicherheit ausgebaut“, weiß Dr. Eva Adamer-König, Medizinerin und Institutsleiterin des FH-Studiengangs „Gesundheitsmanagement im Tourismus“. An zweiter Stelle kommen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die wiederum mit dem Lebensstil zusammenhängen – von zu wenig Bewegung über Rauchen bis zu ungesunder bzw. übermäßiger Ernährung. Erschreckend ist, dass etwa laut dem Institute for Health Metrics and Evaluation in Seattle mittlerweile über 2,2 Milliarden Menschen weltweit übergewichtig sind. Kein Wunder, dass das Thema Ernährung im Gesundheitstourismus ein starkes Wachstum verzeichnet – ob es dabei generell um gesunde Ernährung geht, um spezielle Ernährungsformen, Heilfasten nach F. X. Mayr, Diäten im Hinblick auf Unverträglichkeiten bzw. andere Probleme im Bereich der Verdauung oder eben ums Abnehmen. Fakt ist: Krankheitsbilder wie Übergewicht und Adipositas werden in den kommenden Jahren erheblich zunehmen. „Damit verbunden werden auch Stoffwechselerkrankungen wie etwa Diabetes oder Probleme im Bereich des Bewegungsapparates vermehrt dazu führen, dass die Menschen sich auf Gesundheitsurlaub begeben“, ist Adamer-König überzeugt.


 

Wellness für die Seele. An dritter Stelle steht schon die Psyche bzw. die sogenannte mentale Krankheitslast, die von Depressionen über Burn-out bis zu Angststörungen reicht. Allein: Wenngleich viele Häuser bereits die Möglichkeit anbieten, sich gezielt eine Auszeit zu nehmen, um zum Beispiel Abstand vom (beruflichen) Alltag zu bekommen, ist es für den Gesundheitstouristen gar nicht so einfach, diese Angebote herauszufinden. Warum? „Weil die Gäste oft selbst gar nicht wollen, dass man weiß, dass sie in einem darauf spezialisierten Betrieb Urlaub machen – diese Erkrankungen sind ja nach wie vor mit Tabus belegt“, erklärt die Expertin und rät daher, die Angebotspalette mitunter anders zu lesen: So können etwa Yoga, geführte Mediationen, Gruppencoachings oder Achtsamkeitstrainings und andere Entspannungsangebote durchaus ein Indiz dafür sein, dass das jeweilige Haus etwa auch eine Art Burn-out-Prophylaxe anbietet. Informieren Sie sich im Zweifel vorab persönlich per Telefon oder Mail. Laut Zukunftsinstitut sind die Menschen im Übrigens immer öfter bereit, in ihre Gesundheit zu investieren, und gehen folglich nicht erst bei bereits bestehenden körperlichen oder psychischen Beschwerden auf Kur oder Reha, sondern legen schon vorbeugend einen Gesundheitsurlaub ein. Standen bis vor einigen Jahren im Präventivbereich allerdings das Verwöhnen und Abschalten vom Alltag im Vordergrund, sind die Gäste heute vielfach auf der Suche nach lang anhaltenden Veränderungen.

Heilkunst aus Europa. Im Hinblick auf die nachhaltige Wirkung eines Gesundheitsurlaubs spielt der ganzheitliche Ansatz, wie er vor allem in der Alternativ- und Komplementärmedizin verfolgt wird, eine entscheidende Rolle. Auch im TEM-Zentrum Bad Kreuzen im Mühlviertel wird der Mensch in seiner Ganzheit betrachtet. „Mithilfe der fünf Säulen von Pfarrer Kneipp (Wasser, Kräuter, Bewegung, Ernährung und Balance, Anm.) und selbstverständlich unter der Anleitung von spezialisierten Ärzten und Therapeuten kann der Gast in unserem Haus wieder in Balance kommen“, erklärt Betriebsleiter Dipl.-BW. Fritz Kaindlstorfer und unterstreicht dabei sogleich das Wort „Gast“: „Niemand wird in unserem Haus als Patient bezeichnet – auch nicht von den Ärzten. Die Bezeichnung ‚Patient’ wird von den meisten mit Krankheit verbunden.“ Im Hinblick auf die „Balance“ sind übrigens mehrere Faktoren von Bedeutung: Während es aus Sicht der TEM unter anderem darum geht, die vier Körpersäfte Blut, Schleim, schwarze und gelbe Galle (wieder) ins Gleichgewicht zu bringen, spielt die Spiritualität ebenfalls eine wichtige Rolle. Kaindlstorfer: „Es gibt Studien, dass die Spiritualität im Hinblick auf die Gesundheit einen wesentlichen Unterschied machen kann. Dabei kommt es nicht darauf an, um welchen Glauben es sich handelt. Hauptsache, er gibt Halt.“ Mit den Marienschwestern vom Karmel ist das TEM-Zentrum zwar christlich geprägt. Trotzdem sei man offen für alle Konfessionen, wie Kaindlstorfer betont: „Wir hatten schon Buddhisten im Haus, die in unserer Kapelle meditiert haben. Außerdem bieten wir im Haus beispielsweise Wyda an – eine Bewegungsform mit keltischem Ursprung, die wie etwa Qi- gong oder Yoga darauf abzielt, den Geist zu beruhigen, die Wahrnehmung und Konzentration zu schulen, Blockaden zu lösen und den Energiefluss zu harmonisieren.“

Gesund in der Natur. Dass Bewegung in der Natur wesentlich zur Gesundheit beiträgt, ist weithin bekannt. Nicht zuletzt aus diesem Grund befinden sich gute Gesundheitshotels vorwiegend in ländlicher Umgebung, inmitten von Bergen oder etwa im heimischen Thermenland, das sich von der Steiermark über das Burgenland bis nach Niederösterreich zieht. In der warmen Jahreszeit steht freilich das Wandern im Vordergrund – mit gutem Grund: So hat eine kürzlich fertiggestellte klinische Untersuchung von 140 Wanderurlaubern über 65 Jahren gezeigt, dass der Anteil der für das Immunsystem und die Krebsabwehr notwendigen T-Zellen bereits nach einem einwöchigen Alpenaufenthalt steigt. Und damit der Gesundheitsgast im Winter seine Zeit nicht nur in der Therme oder im Spa- bzw. Wellnessbereich verbringen „muss“, haben acht Tourismusregionen in Salzburg, Tirol, Südtirol und Friaul-Julisch Venetien das Projekt „WinHealth“ gestartet. Unter anderem werden dabei im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie die Auswirkungen des Skitourengehens auf die Muskulatur und das allgemeine Wohlbefinden untersucht.

In diesem Sinne wünschen wir einen gesunden Urlaub!


 

Empfehlenswerte Gesundheitsangebote

Die GESÜNDER LEBEN-Redaktion hat in den vergangenen Monaten einige Gesundheitshotels besucht und für Sie die besten Adressen gesammelt.

Zentrum für Traditionelle Europäische Medizin
in Bad Kreuzen (OÖ)
Heilkunst aus Europa: modern, wissenschaftlich, spirituell und menschlich. Mit Unterstützung der fünf Säulen von Pfarrer Kneipp gleicht die TEM das Ungleichgewicht der Säfte aus. Qualifizierte Ärzte und Therapeuten bieten im Mühlviertel Prävention, aber auch Behandlung funktionaler Störungen, chronischer Erkrankungen und Stoffwechselerkrankungen.
www.tem-zentrum.at

Gesundheitsresort Königsberg,
Bad Schönau (NÖ)
Das Resort in Bad Schönau blickt auf 35 Jahre Erfahrung zurück und bietet medizinische Kompetenz auf höchstem Niveau. Die Expertenteams haben sich auf die Bereiche Gefäßerkrankungen, Beeinträchtigungen des Stütz- und Bewegungsapparates sowie psychosoziale Gesundheit fokussiert: Gesundheit für Körper, Geist und Seele.
www.koenigsberg-bad-schoenau.at

Gesundheitshotel Klosterberg (NÖ)
Mitten im idyllischen Waldviertel, in Langschlag, befindet sich dieses Gesundheitshotel, das sich ganz aufs Fasten spezialisiert hat – und zwar streng nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen der Ernährungswissenschaften und der Gesundheitsvorsorge. Zahlreiche Wellness- (Bio-Sauna, finnische Sauna, Salzgrotte, Kräuterdampfbad …) und Bewegungsangebote unterstützen Sie beim effizienten und gesunden Tee-Saft- oder Obst-Gemüse-Fasten.
www.klosterberg.at

Hotel Miraverde (OÖ)
Das Thermenhotel Miraverde im oberösterreichischen Bad Hall ist eine bestens ausgestattete Gesundheitsoase.Neu im Programm ist das einzigartige Gesundheits- und Vorsorgeprogramm „Check your Life“. Sie können zwischen Naturheilfasten, Jodsole-Behandlungen, Life-Balance-Angeboten oder einer speziellen Kurbehandlung für Augen wählen. Ein eigener großzügiger Spa-Bereich rundet das Wohlfühlprogramm ab.
www.eurothermen.at/hotel-miraverde

Hotel Larimar (B)
Am Thermenhügel im burgenländischen Stegersbach können Gäste in ruhiger und harmonischer Atmosphäre, unterstützt von einem großen Team von Ärzten und Therapeuten ihre gesundheitliche Situation überdenken. Es gibt u. a. Ayurveda-Wochen, Stärkung von Körper und Geist mithilfe der Traditionellen Chinesischen Medizin, Burn-out-Prävention, Coaching u. a. m.
www.larimarhotel.at

Lanserhof (T)
Gegründet vor über 30 Jahren, bietet das Resort im Herzen Tirols mit dem innovativen LANS MED Concept einer Kombination aus ganzheitlicher Medizin (basierend auf der F. X.-Mayr-Philosophie) und nachhaltiger Regeneration sowie Prävention. Heute gehört der Lanserhof zu den führenden Gesundheitszentren Europas.
www.lanserhof.com

VAMED Vitality World  
Die neun Thermen- und Gesundheitsresorts der VAMED Vitality World bieten ihren Gästen die Möglichkeit, Energie für Körper und Geist zu tanken und die Seele baumeln zu lassen. Mit Rat und Tat zur Seite stehen dabei bestens ausgebildete und engagierte Mitarbeiter sowie professionell geschulte Teams aus Physiotherapeuten und Ärzten.
www.vitality-world.com

Park Igls  (T)
Vorsorge mithilfe der Modernen Mayr-Medizin, aufbauend auf den sechs „S“: Säuberung, Substitution, Selbstfindung, Sport, Schonung und Schulung. Oberhalb von Innsbruck bietet ein medizinisches Spezialistenteam individuell angepasste Behandlungsformen im Bereich der Ernährungs-, Bewegungs- und Regenerationsmedizin.
www.park-igls.at

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