Freitag, 17. August 2018

Urlaub für die ganze Familie

Ausgabe 2018.02
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Urlaub mit der Familie zu verbringen, ist schön und wichtig, aber auch eine Herausforderung. Wir verraten Ihnen, wie sowohl Eltern als auch Kinder auf ihre Kosten kommen. Plus: die besten Familienhotels Österreichs!


Foto: iStock-FS-Stock

Maria ist Mutter von einem fünfjährigen Zwillingspärchen, Felix und Benjamin. Mit einem Lachen erinnert sie sich an den ersten gemeinsamen Urlaub mit ihren Kindern, damals waren die beiden drei Jahre alt. „Es war spannend, aufregend und wunderschön. Aber es war auch anstrengend!“ Nach langen Diskussionen zwischen Maria und ihrem Mann, wohin die Reise gehen sollte, machte schließlich ein Bauernhof in Salzburg das Rennen, der sich auf Familienurlaube spezialisiert hatte. Weg von Hektik und Stress des Alltags, Erholung in der Natur, gleichzeitig aber auch genug Möglichkeiten für die Kinder, jeden Tag etwas Neues zu entdecken. „Wir werden niemals den Moment vergessen, als Felix und Benny zum allerersten Mal einen Stall betraten und mit einer Mischung aus Begeisterung und Ehrfurcht die Kühe und Schweine anstarrten!“, erzählt sie uns mit leuchtenden Augen. Klar, gibt Maria zu, gab es auch die eine oder andere Herausforderung während der sieben Tage am Bauernhof, das bleibt bei Kindern, die sich in der Trotzphase befinden, nun mal nicht aus. Trotzdem betont sie: „Dieser Urlaub hat unsere Eltern-Kind-Beziehung gestärkt!“

Realismus statt Utopie. Nicht immer geht es bei einer gemeinsamen Reise mit den Kindern, egal in welchem Alter sich diese befinden, so reibungslos zu. „Der Familienurlaub ist immer wieder Thema in meinem beruflichen Alltag“, berichtet die Wiener Familientherapeutin Katharina Henz. „Das häufigste Problem sind die zu hohen Erwartungen, die Familien in ihren Urlaub setzen. Es gibt diese Fantasie, dass sich alle Probleme, die es möglicherweise im Alltag zwischen Eltern und Kindern oder auch mit dem Partner gibt, im Urlaub plötzlich in Luft auflösen.“ Doch dieser sei kein Zaubertrank, betont Henz. Vielmehr appelliert die Expertin an die Vernunft: „Lösen Sie sich von utopischen Fantasien und erwarten Sie nicht, dass der Urlaub perfekt wird. Haben Sie realistische Erwartungen und üben Sie keinen Druck aus.“ Davon, im Urlaub längst überfällige Gespräche innerhalb der Familie führen zu wollen, hält Henz wenig. „Man ist zwar in einer fremden Umgebung, aber immer noch derselbe Mensch. Anstatt eine Defizitorientierung in den Mittelpunkt zu stellen, sollte der Urlaub als Chance genutzt werden, zu regenerieren, aufzutanken und Probleme ressourcenorientiert anzugehen.“ Heißt: Wieso sein Kind nicht neu kennenlernen und sich auf dessen positive Seiten und Fähigkeiten konzentrieren? Die Bandbreite ist hier groß und kann ein Snowboarding-Talent, die ersten erfolgreichen Schwimmversuche oder ein rücksichtsvoller Umgang mit anderen Gästen sein. „Jedes Kind freut sich, wenn es gelobt wird und nicht ständig wegen derselben Dinge kritisiert wird“, gibt Henz zu bedenken. Dass im Urlaub jede Aktivität gemeinsam erlebt werden muss, sei eine weitere unrealistische Fantasie, so die Therapeutin: „Auch im Alltag klebt man nicht ständig zusammen!“

Miteinander reden. Ein gelungener Urlaub beginnt bereits bei der Vorbereitung und Planung. Henz rät, sich früh genug mit den Kindern zusammenzusetzen und folgende Fragen zu klären: Was wünscht sich jeder Beteiligte vom Urlaub? Was soll stattfinden, was keinesfalls? „Reflektieren Sie wenn möglich Ihren bisher schönsten Familienurlaub und überlegen Sie, was diese Zeit so besonders gemacht hat. Was waren damals die Rahmenbedingungen?“ Ist eine Destination gefunden, kann es helfen, den Kindern Fotos vom Urlaubsort zu zeigen – das stimmt auf den fremden Ort ein und steigert die Vorfreude. Aber was tun, wenn man sich mit dem Partner nicht auf ein Urlaubsziel einigen kann? „Kompromisse sind hier die einzige Lösung bei einem Konflikt“, stellt die Therapeutin klar. Auch hier gilt: Durchs Reden kommen die Leut z’amm! „Versuchen Sie herauszufinden, welche Bedürfnisse sich hinter dem Urlaubswunsch des anderen verbirgt. Vielleicht stellt sich heraus, dass dieser nicht an die Örtlichkeit gebunden ist und auch anders zu erfüllen ist.“

Stressfreie Anreise. Um den Stresspegel möglichst niedrig zu halten, ist es empfehlenswert, den Koffer schon mindestens einen Tag vorher zu packen (achten Sie auf eine vollständige Reiseapotheke; Spielzeug mit Maß und Ziel!). Um sich besser auf den Urlaub einstimmen zu können, sollte der Tag vor der Abreise nicht vollgestopft mit Alltagsstress sein, so Henz. Je jünger die Kinder sind, desto ratsamer ist es, mit dem Auto anzureisen und einen Ort zu wählen, der nicht allzu weit weg von zu Hause ist – so ist man von vorgegebenen Reisezeiten unabhängig. Zudem sollten regelmäßig Pausen eingelegt werden. Mit etwas Geschick finden Sie hier interessantere Orte als eine Autobahnraststätte. Sonnenblenden, Reiseproviant sowie Hörbücher, CDs, DVDs, Wahrnehmungsspiele oder das gemeinsame Singen von Liedern lassen lange Autofahrten schneller vorübergehen.

Kids are welcome! Entscheidet man sich für einen Urlaub im Hotel, muss dieses natürlich familien- und kinderfreundlich sein. Was das heißt, erklärt Roland Bamberger, Manager des Webportals www.kinderhotel.info: „Die Lage des Hotels spielt eine wesentliche Rolle. Je mehr Natur rund um das Hotel, desto mehr begleitete Ausflüge und Aktivitäten für Familien und Kinder sind möglich – etwas, das jedes gute Familienhotel anbieten sollte.“ Das Um und Auf sei aber eine gute Kinderbetreuung, die sich durch ein kreatives und umfangreiches Angebot, „eine Ausgewogenheit zwischen Animation und unmoderierter Spielzeit sowie eine professionelle Begleitung durch eine pädagogisch ausgebildete Person“ auszeichnet, so der Experte. Abgesehen von der Kinderbetreuung „gehören ebenso ein Indoor-Spielbereich sowie ein großer Spielplatz zu jedem guten Kinderhotel“. Ein Streichelzoo ist das Tüpfelchen auf dem i und „meist ein Highlight für die Kleinen“, so Bamberger. Eine kinder- bzw. babygerechte Ausstattung (Fläschchenwärmer, Windeln, Kindersitze etc.) sowie kindgerechte Mahlzeiten sollten in jedem Familienhotel selbstverständlich sein. Dass es in Kinderhotels durchaus laut sein kann, das sollte jedem Urlauber im Vorhinein klar sein, betont Bamberger: „Vor allem in reinen Familienhotels herrscht ein buntes Treiben!“

Entfaltung und Leerräume. Kinder und Jugendliche lernen aufgrund der zahlreichen Angebote ihre eigenen Interessen und Stärken besser kennen, auch wenn Familientherapeutin Katharina Henz betont: „Je weniger vorgefertigt und mundgerecht diese Angebote, desto mehr können sich Kinder entfalten.“ Sogenannte „Leerräume“ im Urlaub seien aber ebenso wichtig: „Kinder und Jugendliche müssen weder im Alltag noch im Urlaub permanent bespaßt werden. Es ist wichtig, ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre freie Zeit selbst zu gestalten und auszufüllen, indem sie aus eigener Kraft beispielsweise die Ressourcen ihrer Umgebung nutzen.“ Denn der Urlaub ist auch dafür da, um sich als Mama oder Papa ohne Ablenkungen des Alltags dem eigenen Kind zu widmen und gemeinsam das Hier und Jetzt zu genießen, ist Henz überzeugt. „Das wäre der eigentliche Schatz eines jeden Familienurlaubs.“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Urlaub für die ganze Familie
Seite 2 Empfehlenswerte Familienhotels

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