Sonntag, 18. August 2019

QIGONG

08. August 2011

Die Überhäufung von Sinneseindrücken, Bewegungsarmut und Überforderung des gesamten Organismus durch Dauerstress ist Ursache vieler Gesundheitsstörungen. So ist es nicht verwunderlich, dass neben den westlichen Leibes-, Atem- und Bewegungstherapien auch die jahrtausende Jahre alte chinesische Methode der „Arbeit mit der vitalen Lebensenergie“ Eingang in unseren Alltag gefunden hat.


Foto: Österr. QIGONG Gesellschaft

 Was ist QIGONG?

QIGONG ist eine über jahrtausende alte chinesische Tradition, die zur Pflege von Körper und Geist dient, und neben der Akupunktur und der Arzneimitteltherapie ein bedeutender Zweig der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Die QIGONG-Praxis verhilft zu einem gesunden, langen Leben und einer lebensbejahenden geistigen Verfassung. Man lernt, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und mit der Natur statt gegen sie zu leben.

QI wird im weitesten Sinne als „Lebensenergie“ übersetzt, GONG im Zusammenhang mit QI steht für ARBEIT bzw. FÄHIGKEIT. Somit kann zum allgemeinen Verständnis QIGONG als „Arbeit mit der vitalen Energie“ bezeichnet werden.

Der Begriff QIGONG umfasst die traditionellen und modernen Methoden der chinesischen Energiearbeit. Er ist ein Überbegriff für eine Vielzahl von körperlichen und auch stillen Übungen, deren Ziel es ist, durch Üben, Erfahren und Erkennen die Fähigkeit zu erlangen, Qi, das in unserem Organismus und um uns herum vorhanden ist, zu steuern, zu vermehren und zu begreifen. Wenn man von Übungen spricht, sollte man aber keineswegs Qigong mit Gymnastik verwechseln. Der Unterschied liegt sowohl im meditativen Aspekt als auch im Lenken von Qi durch die Vorstellungskraft.

 

Wozu? Grundprinzipien

Emotionen/Gefühle, insbesondere belastende, verändern die Körperhaltung, die Körperbewegung, die Gestik, die Mimik. All dies unterliegt dem emotionalen Bereich und wird unbewusst aus diesem Bereich gesteuert. Erstaunlich ist, dass man in China vor mehr als 3000 Jahren erkannt hat, dass der umgekehrte Weg auch möglich ist. Qigong ist eine Methode, über den Körper wieder etwas Ruhe in den Menschen zu bringen und es zu schaffen, wieder in seinen Körper zurückzukommen. Die Selbstheilungskräfte werden aktiviert und das ist eine zusätzliche Hilfe zur Schulmedizin

Die Lebensenergie wird mit Hilfe der Vorstellungskraft aktiviert, genährt und in ausgeglichener Weise im Körper verteilt. Die Aufmerksamkeit ist auf sich selbst gerichtet, ihr folgt Qi und das Blut. In der Vorstellung verbindet sich der Mensch mit Himmel und Erde und stellt so die Harmonie zwischen Himmel, Erde und Mensch her. Man kommt mit der Zeit zur Ruhe und besinnt sich auf sich selbst, lächelt sich selbst zu. Diese erfahrene Ruhe und Harmonie wird langsam, langsam in den Alltag mitgenommen.

Im Üben kommt es zu einer deutlich wahrnehmbaren Veränderung: der Muskeltonus verringert sich, die Atmung wird langsam tiefer, die Pulsfrequenz sinkt und wissenschaftlich nachgewiesen verändert sich das Elektroenzephalogramm. Untersuchungen an QG-Übenden haben gegenüber nicht QG-Praktizierenden ergeben, dass im EEG viele Alpha-Wellen mit einer niedrigen Frequenz aufscheinen. Darüber hinaus konnte eine gute Synchronisation zwischen den verschiedenen Gehirnbereichen aufgezeigt werden. Es wurde festgestellt, dass nicht nur die Funktion des Gehirns stark gefördert wird, sondern dass es auch in der Atmung eine Veränderung gibt und der gesamte Körper mit der Zeit geschmeidiger und beweglicher wird. Man erfährt einen Zustand, der als „entspannt, ruhig und natürlich“ bezeichnet wird.

Das vegetative Nervensystem kann seinen Aufgaben besser nachkommen, die Versorgung der inneren Organe mit Blut ist erhöht und Heilungsprozesse können im Körper stattfinden.

Man kennt Übungen der nördlichen und der südlichen Schule, bewegte und stille Übungen, Übungen im Stehen, Sitzen, Liegen und Gehen sowie ANMO, die chinesische Selbstmassage.

Im Wesentlichen kommt es nicht darauf an, welche Übung jetzt unterrichtet und geübt wird, sondern auf die drei Grundsätze mit welchen gearbeitet wird, nämlich mit der Harmonisierung des Körpers, des Atems sowie des Herzens und Geistes. Der Erfolg der Methode hängt vor allem von der Initiative des Übenden ab: das Erlernte durch tägliches Üben zu vertiefen.

Die Arbeit mit QI ist eine sanfte, stille Arbeit. Meistens spürt man anfangs wenig. Doch soll dies nicht täuschen. Bei konsequentem Üben tritt unweigerlich mit der Zeit eine bleibende Veränderung ein. QG vermittelt uns ein grundlegendes Wohlbefinden, das uns wiederum unvermeidliche Ärgernisse, Krankheiten oder Schicksalsschläge viel leichter bewältigen lässt. Qigong kann dazu führen, dass der Übende im wahrsten Sinne des Wortes "neue Standpunkte entwickelt" und so zu einem veränderten Verhalten kommt.

 

Für wen?

Qigong kennt kein Alter, es ist für alle geeignet.

Der Schüler / die Schülerin lernt, die Unruhen des Alltags aus einer anderen Perspektive zu sehen, mit ihnen besser umzugehen und sich auf Wesentliches im Leben zu konzentrieren.

Nicht nur Personen mit großer Verantwortung greifen auf diese Methode zurück, sondern Menschen aus allen Schichten, um die Aufgaben in ihrem Beruf bzw. die Anforderungen in ihrem Leben besser bewältigen zu können und Symptomen wie z.B. Burn-out vorzubeugen.

 

Autor: Ingrid Picha, Dipl. QIGONG-Lehrerin der Österr. QIGONG Gesellschaft, www.qigonggesellschaft.at



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