Sonntag, 17. Februar 2019

Sport für die Seele

Ausgabe 11/2010

Foto: Christopher Pattberg - istockphoto.com
Kaffee trinkt man „to go“, kommuniziert wird via Highspeed – einfach alles wird im Schnellverfahren erledigt. Eine Welt ohne Tempolimits hat jedoch auch ihren Preis: Laut Weltgesundheitsbehörde WHO leiden mehr als 37 Millionen Europäer an Depressionen als Folge von Stress und Überlastung. Ärzte sprechen von der „Hurry Sickness“ – dem krankmachenden Ständig-in-Eile-Sein. Doch langsam geht der Trend weg von der ewigen Hetze hin zum Leisertreten, sogar im Sport. Der Körper soll ja nach wie vor ertüchtigt, die Seele dabei jedoch entschleunigt werden.

Seelenfitness trainieren
Wer bisher nur Gewichte gestemmt und brav Muckis gestählt hat, wird sich bei Seelen-Fitness umgewöhnen müssen: Denn diese fordert nicht nur den Bewegungsapparat, sondern ein bewusstes Zusammenspiel von Körper, Hirn und Seele. „Der Geist stellt die Konzentration, die Seele bringt die Hingabe und der Body liefert die nötige Power“, erklärt Ronny Kokert, Profi-Sportler und Gründer der „Shinergy“ Sportzentren. Er hat nach intensiven Studien der östlichen und abendländischen Kampf- und Bewegungskünste ein ganzheitliches Konzept entwickelt, das alte Lehren mit moderner Sportpraxis vereint. „Shinergy“ nennt er das Ergebnis – vom japanischen „Shin“ (= Geist, Herz, Emotion) und dem englischen „energy“ (Energie). „Es geht darum, Bewegung nicht nur als Form von Körperlichkeit zu erleben und auszuführen, sondern dadurch einen Zugang zu Emotionen, Stress und Ängsten zu finden. Körper und Seele sind ja eine untrennbare Einheit. Kräftigt man das eine, stärkt man das andere mit“.

Der Geist formt den Körper!
Innenleben und Außenhülle im Einklang. Gut, aber was ist mit der Figur? Auch die kommt nicht zu kurz. Kokert bestätigt: „Wer Sport für die Seele betreibt, fordert auch die Muskeln. Nur eben nicht so isoliert, wie wir es vom Kraft-Training her kennen.“ Der energetische Sportansatz geht nicht den Weg, den Körper über Druck zu formen, sondern will Leichtigkeit und Beweglichkeit in die Übungen und ins Denken bringen. Kokert: „Viele Menschen beginnen mit Seelensport, wie Yoga oder Qigong, nur wegen der Figur und entwickeln erst später ein Interesse am meditativen Part. Wie man seinen Weg findet, ist egal. Wichtig ist doch nur, dass man sich dabei gut fühlt."

Wie Seelensport funktioniert
Um über den Sport einen tiefer gehenden Effekt zu erzielen, muss man sich näher auf die energetische Philosophie einlassen. Wer meint, Entspannung zu finden, indem man eine Seelensportart nach „Schema F“ ausübt, irrt. „Räucherstäbchen und Meeresklänge genügen nicht. Diese können unterstützen, in erster Linie ist man aber selbst gefragt“, mahnt der Experte und nennt die wichtigsten Komponenten für mentale Ruhe: „Konkret geht es um die richtige Atmung, die Gegenwärtigkeit des Tuns, die Lust und Leichtigkeit an der Bewegung und das Herzblut, das man investiert.“ So ist die Atmung nach alten chinesischen Lehren wichtig, um die Lebensgeister und -energien gezielt zu lenken. Ein Ansatz, den auch die moderne Sportmedizin bestärkt. Wer seine mentale Vorstellungskraft stärkt und sozusagen gezielt in die Muskelregion atmet, die er gerade trainiert, erhöht dort tatsächlich Durchblutung und Sauerstoffversorgung und steigert so die Übungsintensität. Kokert: „Es geht also darum, sich sein Tun und das Turnen bewusst zu machen.“

Runterkommen ist Typfrage
Genau das ist es, was Seelensport von rein mechanischem unterscheidet. Man nimmt gezielt wahr, spürt in sich hinein, achtet kleinste körperliche und emotionale Details, ist angenehm konzentriert. Kokert: „Egal, ob man langsame Übungen, wie z.B. beim Yoga, oder schnelle Bewegungen, wie beim Kampfsport, ausübt. Der Körper kann (je nach Typ und Neigung) dynamisch oder statisch eingesetzt werden – der Geist ist in jedem Fall ruhig. „Unsere Seele ist unsere Persönlichkeit. Logisch, dass keine der anderen gleicht. „Daher sollte man auch nie Pauschalempfehlungen für den geeigneten Seelensport abgeben. „Unterm Strich ist es egal, ob man Sport macht oder sich einfach nur am Ohr kratzt: Alles, was man mit Hingabe macht, berührt und beruhigt und stärkt Körper und Seele“, meint Kokert.


So kommen Körper & Seele in Balance
Neben der neuen Shinergy-Methode widmen sich auch zahlreiche „Klassiker“ der Körperertüchtigung mit Seelenkunde. Diese alten, meist fernöstlichen Lehren sind grundsätzlich gespickt mit Spiritualität, doch je nach Kursangebot kann man sich mehr oder weniger darauf einlassen. Für Sie kurz zusammengefasst – die wichtigsten, meditativ inspirierten Sportarten:

Yoga
Hier die gängigsten Varianten:
Hatha: Die Grund-Körperschulung, auf der die meisten anderen Yoga-Formen basieren, besteht aus bestimmten Stellungen (Asanas) und Atemübungen (Pranayama).
Ashtanga: Eine dynamische, schweißtreibende Variante des Hatha; die Übungen gehen fließend ineinander über.
Bikram: Bei 38 Grad Raumtemperatur werden 26 Yoga- Positionen in Folge ausgeführt. Durch die Wärme dehnen sich die Muskeln intensiv; das Schwitzen hingegen regt die Entgiftung an.

Tai-Chi
Das traditionelle Bewegungssystem aus China wurde zur Selbstverteidigung praktiziert – sowohl nach außen als auch gegen innere Zwänge, Ängste und Krankheiten. Fixe Bewegungsabläufe verbinden sich zu Formen; in Harmonie mit dem Atem findet ein Spannungswechsel in Armen, Beinen und Rumpf statt.

Qigong
Die klassischen Übungen sind ein wesentlicher Bestandteil der chinesischen Medizin. Über 800 Bewegungssequenzen werden im Stehen, Liegen oder Sitzen und meist auf der Stelle durchgeführt. Das sammelt die Lebensenergie Qi und lenkt sie an bestimmte Körperstellen.

Sen Fi
„Sensual Fighting“ (dt. sinnlich kämpfen) kombiniert fernöstliche Kampfsportelemente wie Kung-Fu und polynesisches Haka-Feeling (Tanz-/Kriegsritual der neuseeländischen Maori) mit westlicher Cardio-Fitness. Ständiger Wechsel zwischen starken und weichen Bewegungen.

Tae Bo
Der Mix aus Taekwondo, Boxen und Aerobic verbindet Fußtritte und Faustschläge und den geistigen Hintergrund asiatischer Kampfsportarten mit Ausdauer- und Kraftelementen der klassischen Fitness.

NIA
Ausgeschrieben: „Neuromuscular Integrative Action“ mixt Elemente aus östlichen und westlichen Tänzen und Kampfkulturen mit Bewegungsformen wie Aikido, Feldenkrais und Tai-Chi. Nia wird barfuß ausgeführt, denn im Fuß enden ca. 7.000 Nerven, deren Feedback für die gesamte Motorik wichtig ist.

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