Sonntag, 22. September 2019

Neu gehen lernen

31. August 2011
Barfuß zu gehen, wird von den Medizinern propagiert, um degenerativen Veränderungen der Füße vorzubeugen. Seit einigen Jahren gibt es bei Schuhen Entwicklungen, die dem Barfußgehen nachempfunden sind. Wissenschaftliche Studien belegen die positiven Effekte.



Am Anfang hat man Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten. Und bei den ersten Schritten muss man aufpassen, nicht über die eigenen Beine zu stolpern, weil das alte Gangbild mehr einem Dahinschlurfen als einem aufrechten Gehen glich. Außerdem spürt man schnell die Rückenmuskulatur. Das Gehen mit MBT-Schuhen ist zunächst nicht leicht.

Im Leistungssport, in der Sportwissenschaft und in der Biomechanik beschäftigt man sich schon länger mit einer neuen Technologie, Schuhe zu bauen. Der Aufbau ist dem Barfußgehen von Naturvölkern (MBT steht führ Massai-Barfuß-Technologie) auf weichen, unebenen Böden nachempfunden. Wichtigstes Merkmal: Eine im Fersenbereich extrem weiche Sohle, die in allen Richtungen nachgibt und deshalb ständig zum Gegensteuern und Stabilisieren zwingt.

Erich Müller, Leiter des Fachbereichs für Sportwissenschaften an der Universität Salzburg, testet in mehreren Studien, wie sich die Schuhe auf Muskulatur, Gangbild und Energieverbrauch auswirken. „Wir konnten belegen, dass beim Gehen und langsamen Laufen natürliche Bewegungsmuster entstehen“, sagt Müller. Die ganze Sensorik des Menschen werde aktiviert. Alte Koordinationsmuster würden aufgebrochen und dann wieder neu eingerichtet. Gerade Menschen, die Probleme mit der Wirbelsäule und im Beckenbereich hätten, lieferten sehr positive Erfahrungsberichte.

Sein Kollege Benno Nigg von der Universität Calgary in Kanada, mit dem er zusammenarbeitet, wies nach, dass durch instabile Schuhe jene Fuß- und Beinmuskulatur aktiviert wird, die beim Stehen und Gehen Stabilität erzeugt. Gerade diese Muskulatur werde aber durch herkömmliches Schuhwerk geschont.

Müller: „Wir konnten bisher auch zeigen, dass die koordinative Muskulatur viel intensiver agiert. Das Gehirn bekommt neue Informationen und aktiviert vor allem auch tief liegende Muskeln entlang der Wirbelsäule.“ Stressbedingte Verspannungen und Verhärtungen der Muskulatur könnten dadurch gelöst werden, erklärt Müller.

Sehr positive Erfahrungen mit MBT-Schuhen machen auch die Skifahrer des österreichischen Nationalteams. Herren-Cheftrainer Toni Giger lässt die Schuhe nicht nur im Alltag tragen, sondern setzt sie gezielt im Kraft- und Koordinationstraining ein. „Für uns ist besonders wichtig, die Feinkoordination im Knie- und im Bereich des Fußgewölbes zu verbessern. Das erhöht zum Beispiel die Gleitfähigkeit und verbessert die Stabilität“, erklärt Giger im SN-Gespräch. Eigene Untersuchungen hätten gezeigt, dass es zu einer sehr guten und regelmäßigen Druckverteilung komme. Im Krafttraining seien die Schuhe ein wichtiger Ausgleich zu den einförmigen Bewegungen und ein zusätzlicher neuer Reiz.

Sportwissenschafter und Mediziner der Universität Sheffield in Großbritannien wiesen nach, dass MBT-Schuhe die Aktivität der Gesäßmuskulatur beim Gehen um durchschnittlich neun Prozent steigert. Die Muskelaktivität der unteren Extremitäten erhöhte sich um 18 Prozent und die der Oberschenkelbeugemuskulatur um 19 Prozent. Trotz dieser neuen Entwicklungen bei Schuhen empfehlen Orthopäden und Sportmediziner, so oft wie möglich barfuß zu gehen und zu laufen. Gerade auch für Läufer sei das wichtig, weil dadurch Beschwerden durch schlechte Fußmuskulatur vorgebeugt werden könne.

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