Sonntag, 22. September 2019

Jordan Bloom über Anusara Yoga und eigene Praxis

11. August 2011
Jordan Bloom ist zertifizierter Anusara Lehrer und hat sich der hingebungsvollen Transformation des Lebens durch kraftvolle Yogapraxis verschrieben. Geboren in Johannesburg (Südafrika), lebt er seit vielen Jahren in den USA und unterrichtet einen verspielten aber kraftvollen Yoga. Seinen Lehrer, John Friend (Gründer von Anusara Yoga) nennt er die Hauptquelle seiner Inspiration. Jordan bringt über 1000 Stunden Anusara Yoga Unterricht und viele 100 Stunden „Anusara Teacher Trainings“ sowie „Therapy Trainings“ Erfahrung mit in seine Klassen ein.

Foto: YOGABLOOM
yoga.ZEIT: Jordan, wie war Deine erste Begegnung mit Yoga? War es Liebe auf den ersten Blick?

Jordan
: Es war die erste Liebe, aber eher ein vorsichtiges Hintasten würde ich sagen! Schon als kleiner Bub hatte ich großes Interesse an Philosophie. Ich kann mich erinnern mit 8 oder 10 Jahren einen über 1000 Jahre alten chinesischen Text gelesen zu haben und fand ihn absolut faszinierend. Auch die Bhagavad Gita fand ich damals schon besonders beeindruckend. Ich habe mir als Kind schon Fragen über Liebe, Freude, Glück und die Ursache von Leid gestellt. Wie sich später zeigte: die Kernfragen des Yoga.

Mit Anfang zwanzig begann ich dann chinesische Medizin und Yoga zu studieren. Gleichzeitig habe ich viel Sport betrieben und war körperlich sehr aktiv. Ich lernte Yoga als die perfekte Kombination aus östlicher Philosophie und Mentalität mit aktiver Körperarbeit kennen.

Mit meiner Yoga Praxis erlebte ich eine super Zeit, obwohl ich es extrem herausfordernd für mich war.

Schon nach wenigen Yoga Einheiten hatte ich ein so gutes Gefühl. Am meisten faszinierte mich, die philosophischen Grundlagen aus den Yoga Sutren oder der Hatha Yoga Pradipika in die Körperarbeit einfließen zu lassen. Diese „Verbindungsarbeit“ stellte sich als extrem erfolgreich für mich heraus:

yogazeit3Foto: YOGABLOOMIch durfte die Natur der Yoga Asana Praxis körperlich, geistig und seelisch erfahren. Wenn man mit der Yogapraxis startet muss man vollkommen präsent sein auf der Matte. Ich realisierte, dass das ein fantastischer Weg ist, den Geist zu fokussieren.

Das klingt jetzt vielleicht ganz simpel, es war für mich aber eine große Herausforderung Asanas nicht einfach „nachzubauen“ sondern hineinzuspüren. Und so begann ich sehr enthusiastisch Yoga zu praktizieren. Ich besuchte verschiedenste Yoga Klassen und Workshops. Einer meiner Lehrer motivierte mich dazu eine Yoga-Ausbildung zu absolvieren. Mein Ziel war nicht zu unterrichten sondern mehr zu lernen und ich ging in einen Ashram nach Canada. Als ich zurückkam war ich so voll gepumpt mit neuen Impulsen, dass ich sofort mit dem Unterrichten begann.

Nach zwei bis drei Jahren des Unterrichtens hatte ich, glaube ich, die Basics verstanden, aber das Gefühl der Ästhetik und Leichtigkeit in den Asanas war für mich noch immer schwer zugänglich. Ich wollte tiefer tauchen, feinfühliger werden und mehr Freiheit spüren.

Jordan Bloom
„Ich konnte Asanas plötzlich in einer ungekannten Freiheit und vor allem ohne jeglichen Schmerz genießen. …“


yoga.ZEIT: Nun unterrichtest Du Anusara Yoga. So wie ich es kennen gelernt habe, ist das ein sehr spielerischer und offener Zugang zum Yoga. Warum hast Du Dich diesem Stil verschrieben?

Jordan
: Eines Freitag Abends war John Friend in Miami. Ich wohnte in Miami und beschloss am Workshop teilzunehmen. Als John zu reden begann wusste ich: er spricht exakt das aus, was ich denke und fühle.

Yoga wurde so einfach handzuhaben und es klärt meinen Geist und macht glücklich auf allen Ebenen.

Ich lernte mit Anusara Yoga die „Principles of Alignement“. Die Anpassung der Asanas auf meinen Körper und meine „Fertigkeiten“ hatten ein sensationelles Ergebnis: Ich konnte Asanas plötzlich in einer ungekannten Freiheit und vor allem ohne jeglichen Schmerz genießen. Plötzlich praktizierte ich Asanas von denen ich nie gedacht hätte sie durchführen zu können.

Schnell merkte ich: hier gibt es viel Neues für mich zu lernen – und das war der Grund, warum ich mit Anusara Yoga startete und bis heute praktiziere, ausprobiere und lerne:
  • Physische Herausforderung
  • Principles of Alignement
  • Wundervolle Philosophie
  • Und ein konkreter Weg wie ich mit Körperarbeit mein Leben verbessern kann

yoga.ZEIT
: Wir alle wissen: Es gibt Tage da praktizieren wir gerne, an anderen ist es schwerer. Was ist Deine Empfehlung?

Jordan: Man muss nicht eine ganze Yoga Klasse zu Hause praktizieren. Jeder Mensch hat Beruf, Familie und Sozialleben unter einen Hut zu bringen – wir sind alle sehr beschäftigt. Mit der Yoga Asana Praxis sollten wir einen gesunden Ausgleich schaffen. Ich empfehle eine tägliche Asana-Praxis von mindestens 10 Minuten.

Durch meine Tätigkeit als Yogalehrer reise ich sehr viel. Nach dem Aufwachen mache ich mindestens 10 Minuten Asana Praxis – egal in welcher Zeitzone ich aufwache. Und das kann jeder, ohne dabei in Stress zu geraten, in den Tagesablauf einbauen: eine Vorwärtsbeuge, eine Balanceübung/ Standstellung und vielleicht eine rüchwärtsbeugende Übung, drei bis vier Asanas. Nach zwei bis drei Wochen kann man die Praxis dann vielleicht auf 15 Minuten täglich ausweiten.

Yoga ist ein großes Kommittent für eine tägliche Praxis. 10 Minuten täglich ist viel besser als zwei oder drei Tage die Woche nicht zu praktizieren. Die tägliche Praxis verändert so viel! Sie gibt enorme Energie für den Tag und nach kurzer Zeit gehört Yoga zum Tagesablauf wie Zähneputzen und Anziehen. Man möchte und kann auf diesen morgendlichen Energiekick nicht verzichten. Es wird zu einem natürlichen Verlangen auf die Matte zu kommen. Trotzdem ist es wichtig die Freiheit zu behalten. Schuldgefühle sind fehl am Platz. Wenn‘s mal nicht klappt auf die Matte zu kommen, heißt es realistisch und positiv zu bleiben.

Es gibt viele andere Möglichkeiten Yoga in den Tagesablauf einfl ießen zu lassen. Versuche den Geist zu kontrollieren und zu trainieren: bleibe gelassen, auch wenn deine Kollegen dich stressen. Beobachte dich in emotionalen Situationen selbst und trainiere Geduld und Achtsamkeit. Das ist eine Übung die man den ganzen Tag trainieren kann, im Bus, im Meeting, im Supermarkt.

yogazeit2Foto: YOGABLOOM

Jordan Bloom
„ … Plötzlich praktizierte ich Asanas von denen ich nie gedacht hätte sie durchführen zu können.“


yoga.ZEIT: Du bietest ab Februar 2011 erstmals regelmäßige Workshops und Fortbildungen in Österreich an. Was darf man von Deinen Workshops erwarten?

Jordan: Der Workshop besteht aus drei Hauptaspekten:
  • Eine Kostprobe von Anusara Yoga. Meine Intention ist, es den TeilnehmerInnen eine Kostprobe des Anusara Angebotes mit nach Hause zu geben. Anusara erhebt die Menschen und ist ein Weg zu tieferem Verständnis. Da ein Wochenende sehr kurz ist, werde ich ein paar wesentliche Aspekte herausgreifen.
  • Inspiration durch Philosophie und Praxis
  • Einige hilfreiche und kraftvolle Aspekte der Yoga-Alignements.
Jeder kann diese Alignements sofort in die eigene Praxis integrieren und diese damit entwickeln – ohne Schmerz.

yoga.ZEIT: Möchtest Du unseren LeserInnen noch etwas mitteilen?

Jordan: Ich möchte noch sagen, dass ich schon einmal die Gelegenheit hatte in Österreich zu unterrichten. Es war damals in der Yoga Conference in Wels. Es war mir ein Vergnügen, so viele erfahrene Yogis und Yoginis getroffen zu haben. Ich freue mich darauf, meine Begeisterung für Anusara zu teilen und ein paar Inspirationen weiterzugeben, um diese wundervolle Art zu praktizieren und in das tägliche Leben einfl ießen zu lassen. Die Lehren des Yoga und der Spiritualität zu leben ist eine Herausforderung für alle Menschen. Wir müssen uns deshalb nicht von der Freude am Leben abwenden. Wir können das alte Wissen dieser Philosophie geschickt dazu nutzen, mehr Freude, Spaß und Zufriedenheit im Leben zu erlangen.


Mehr Informationen unter:
www.yogabloom.net, www.yoga-austria.info


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