Donnerstag, 21. November 2019

Ihr Einstieg – wohin? Und wie?

03. Oktober 2011
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Wie gut Familie und Beruf vereinbart werden können, hängt von den Bedürfnissen der Eltern und des Kindes, den Kinderbetreuungsmöglichkeiten, der finanziellen Situation, den Jobangeboten und den Möglichkeiten der flexiblen Arbeitszeit ab.

Illustration: Gerhard Marschik Da kann das Kind noch sehr klein sein, und die Mutter wird schon gefragt, wann sie denn wieder arbeiten geht. Das ist eine berechtigte Frage. Frauen haben heute genauso gute Ausbildungen wie Männer, und jede Umfrage zeigt, sie wollen wieder in den Beruf zurück. Doch ist das Wort „Wiedereinstieg“ nicht etwas verräterisch? Wird mit diesem Wort nicht auch die heimliche Botschaft transportiert, „dort, wo Du wieder einsteigst, gehörst Du eigentlich hin“? Sprache verrät da  viel von der Einstellung der Gesellschaft zumThema. BewohnerInnen westlicher Industrienationen beziehen einen großen Teil ihrer Selbstsicherheit aus bezahlter Arbeit. In der Fachwelt spricht man von Erwerbsarbeit und unterscheidet diese sehr genau von den vielen anderen Tätigkeiten, die unbezahlt erledigt werden. Hausarbeit und Kinderbetreuung bedeuten auch sehr viel Arbeit – Sie können ein Lied davon singen. Daher gibt es oft auch den Druck – besonders auf Frauen am Land –, zu Hause zu bleiben und stillschweigend diese unbezahlte Arbeit zu übernehmen. Also doch der Wiedereinstieg in den Beruf? Oder ist die Rückkehr in den Beruf – Ihrer Empfindung nach – eher ein teilweiser Ausstieg aus der Familie?

Es gibt viele gute Gründe, die dafür sprechen, dass Frauen schnell wieder beginnen, ihr eigenes Geld zu verdienen. Da ist einmal das Geld, dass oft für den Lebensunterhalt der Familie notwendig ist. Dann die sozialrechtliche Ab-sicherung, wie z.B die eigene Krankenversicherung und Pension, und je kürzer man vom Arbeitsplatz weg war, um so leichter findet man den Anschluss. Auch einmal errungene Positionen auf der Karriereleiter können besser verteidigt werden. In vielen Fällen werden Sie im Erwerbsleben mehr Lob und Anerkennung erhalten als daheim. Und vielleicht freuen Sie sich einfach wieder einmal auf eine andere Tätigkeit als nur das Kinderschaukeln oder brauchen Kontakte und Gespräche mit Erwachsenen.

Es spricht auch sehr viel dafür, zu Hause zu bleiben: Sie haben sich mit Ihrem Partner auf die klassische Form der Arbeitsteilung geeinigt: Einer verdient das Geld, der andere kümmert sich um das Kind. Sie sind davon überzeugt, dass Ihre Arbeit daheim zwar gratis, aber deswegen nicht weniger wichtig oder wertvoll ist als das, was Sie in Ihrem Berufsleben erledigen. Vielleicht sind in Ihrer unmittelbaren Umgebung die allermeisten Frauen daheim bei den Kindern geblieben, und Sie wollen da nicht aus dem Rahmen fallen. Sie finden, dass Sie Ihr Kind am liebsten selber betreuen. Und das vielleicht häufigste Argument: Sie fühlen, dass Ihr Kind Sie braucht.

Ihrem Kind ist es an sich gleichgültig, wer aller in der Familie arbeitet. Es gibt keine Studie, die beweist, dass die Mutter beim Kind daheim bleiben muss. Untersuchungen haben allerdings gezeigt: Babys entwickeln sich besser, wenn sie auch vom Vater aktiv versorgt werden. Aber sowohl Kinder von erwerbstätigen Müttern als auch solche von Müttern, Nachdenken die ihre Zeit ausschließlich zu Hause verbracht haben, können zufriedene und glückliche Erwachsene werden. Von der Erwerbstätigkeit der Mutter alleine hängt es also nicht ab!

Ihr Baby fühlt sich jedenfalls dann wohl, wenn es sich sicher und geborgen fühlt, seine Welt Ordnung und Regelmäßigkeit hat und seine Hauptbezugspersonen ausreichend Zeit mit ihm verbringen. Ihr Kind braucht sehr viel Zeit mit Ihnen, um eine sichere Beziehung zu Ihnen entwickeln zu können. Wenn Sie Ihr Kind mehr als 10 Stunden in der Woche von einer fremden Person betreuen lassen wollen, dann sollte Ihr Kind zu dieser Betreuungsperson eine echte Beziehung haben. Das bedeutet, dass Ihr Kind mit dieser Betreuungsperson bereits viel Zeit verbracht haben sollte. Im Idealfall hat Ihr Kleines schon in den ersten 6 Monaten die Möglichkeit gehabt, diese Betreuungsperson besser kennen zu lernen. Denn zwischen dem sechsten und 18. Monat haben Babys Angst, sich von den Eltern zu trennen – sie fremdeln. Daher ist es in dieser Zeit für sie schwieriger, Vertrauen zu einer neuen Bezugsperson aufzubauen. Wenn Sie sich also für eine Fremdbetreuung entscheiden, dann geben Sie sich und Ihrem Kind viel Zeit – mindestens einige Wochen – um sich an die neue Situation langsam zu gewöhnen.

Wann und wie immer Sie sich dafür entscheiden, Familie und Beruf zu vereinbaren bzw. mit welcher Situation auch immer Sie zurechtkommen müssen, achten Sie darauf, dass sich alle Familienmitglieder – also auch Sie selber – dabei möglichst wohl fühlen. Beobachten Sie Ihr Kind, und lassen Sie ihm Zeit, sich an eine neue Bezugsperson zu gewöhnen. Reden Sie mit Ihrem Partner ausführlich über seine und Ihre Wünsche. Finden Sie partnerschaftlich gemeinsame Lösungen – auch jenseits aller Rollenklischees.

Denn: Egal, wie immer Sie die Frage Ihrer Berufstätigkeit auch lösen und mit Ihrer Familie vereinbaren, irgendwer weiß es sicher besser. Allen kann man es einfach nie Recht machen!


Tipps für Eltern
  • Bei der Entscheidung, wer wann wie viel arbeitet, überlegen Sie, was Ihnen wie wichtig ist. Sie können mit dem gleichen guten Gewissen arbeiten gehen oder zu Hause bleiben. Jede Entscheidung hat nur andere Auswirkungen. Lassen Sie sich Zeit für Ihre Entscheidung.
  • Erst mit ungefähr 8 Monaten beginnt Ihr Kind zu begreifen, dass eine Person, die nicht anwesend ist, deswegen nicht völlig verschwunden sein muss. Da Ihr Kind das erst langsam lernt, kann es besser damit umgehen, wenn Sie nur wenige Stunden weg sind. Für Ihr Kind ist es einfacher, wenn Sie an fünf Tagen jeweils drei Stunden arbeiten, als wenn Sie an zwei Tagen voll arbeiten.
  • Sie können gar nicht früh genug mit den Überlegungen beginnen. Sprechen Sie ausführlich mit Ihrem Partner über seine und Ihre Wünsche. Bedenken Sie dabei aber auch, dass für Kinder eine Eingewöhnungszeit von 6–8 Wochen hilfreich wäre.
  • Haben Sie auch offen darüber geredet, dass nicht nur die Mutter, sondern auch der Vater in Karenz gehen kann? Kleinkindbetreuung ist nicht nur Frauen- und Müttersache. Viele Karenzväter berichten, wie sehr die Beziehung zu ihrem Kind gewonnen hat, durch den intensiven Kontakt und die Pflege. Auch die anfängliche Skepsis bzw. Ablehnung beim Arbeitgeber konnte in vielen Fällen überwunden werden. Fragen Sie einmal Ihre Frau, wie sie das gelöst hat.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Ihr Einstieg – wohin? Und wie?
Seite 2 Einfach zum Nachdenken


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