Freitag, 15. Februar 2019

Gärtnern tut der Seele gut!

Ausgabe 2016.04
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Ob im eigenen Garten, auf einer Gemeinschaftsparzelle, auf dem Balkon oder am Fenstersims – überall gibt es Flächen zum Erleben, Entdecken, Entspannen und Ernten!


Foto: © Can Stock Photo Inc. - halfpoint

Der Lockruf des Frühlings ist kaum zu überhören: Die Vögel zwitschern, Blätter rascheln im Wind. Gartenliebhaber und Frischluftfans können es jedes Jahr kaum erwarten, das Leben wieder vermehrt im Freien stattfinden zu lassen. Ob im eigenen Garten oder am kleinen Balkon – die Zeit des Gärtnerns hat begonnen! Längst ist der Garten für viele Menschen zum zweiten Wohnzimmer geworden. Entspannt und unbeobachtet den Garten genießen, die Gedanken schweifen lassen und neue Kraft tanken – wer möchte das nicht? Gerade nach einem stressigen Arbeitstag suchen viele die Geborgenheit im Grünen.

Grün strahlt Ruhe aus. Robert Koch, MSc, Psychotherapeut und Dozent an der Sigmund Freud Universität in Wien, weiß, warum Gärtnern der Seele guttut. „Unsere Jobs nehmen uns sehr in Anspruch. Um diesen Stress auszugleichen, suchen viele ihre innere Ruhe in der Gartenarbeit. Etwas zum Blühen bringen, es wachsen zu sehen. Der Garten bietet Gestaltungs- und Handlungsspielraum, was vielen im Berufsleben abgeht. Anbauen, gießen, ernten. In der Erde buddeln, schmutzig werden, wieder zum Ursprünglichen finden. Der moderne Mensch findet immer mehr den Ausgleich in der Natur. Hier kann er entspannen, loslassen,  sich ausruhen.“ Und weiter: „Beruflich oder privat überforderte Menschen können beim Gärtnern ihre seelischen Verspannungen abbauen, ihre Gedanken neu ordnen, den dadurch entstandenen geistigen Freiraum nutzen und genießen.“ Es ist wirklich unglaublich, wie gut uns die Bewegung und Arbeit im Garten tut. Irgendwie bekommt Gärtnern fast einen meditativen Charakter – wir grübeln viel weniger, lassen uns fallen, vergessen kurzfristig unsere Sorgen.

Schutz vor Zivilisationskrankheiten. In der Präventionsmedizin weiß man es schon längst: Das Gärtnern hat auch einen therapeutischen Wert und ist inzwischen als effektiver Schutz vor Zivilisationskrankheiten anerkannt. Gartentherapie wird erfolgreich bei seelisch kranken und depressiven, sowie an Demenz leidenden Menschen angewendet. Vor allem die Beschäftigung mit farbenprächtigen Blumen kurbelt die Produktion von Glückshormonen im Gehirn an. Dadurch können Ängste kurzfristig verschwinden und die allgemeine Stimmung steigt.

Die Arbeit im Grünen wird auch zur Rehabilitation nach Unfällen und Operationen genutzt und mit physio- und ergotherapeutischen Maßnahmen verknüpft. Neben Grob- und Feinmotorik werden Gleichgewichtssinn und Konzentration geschult. Gartenarbeit hilft auch bei Bluthochdruckpatienten, die bereits nach fünfzehn Minuten bessere Messwerte erzielen. Nebenbei wird der Puls ruhiger und die Herzfrequenz regelmäßiger. Außerdem wird durch die Bewegung im Freien der Stoffwechsel angekurbelt und das Immunsystem gestärkt. Auch Kreativität und strukturiertes Handeln werden durch das Gärtnern gefördert. Als Zusatzbonus erntet man neben Obst und Gemüse also umfassendes Wohlbefinden.

Haus mit Garten muss nicht immer sein. Auch Stadtbewohner bekommen immer mehr Lust aufs Gärtnern. Gesunde Ernährung liegt voll im Trend und deshalb will man auch in der Stadt nicht mehr auf selbst gezogene Vitaminspender verzichten. Topfpflanzen auf Balkon oder Fenstersims garantieren bei regelmäßigem Gießen und Düngen eine erfolgreiche Ernte. Ob Paradeiser, Paprika, Petersilie & Co – Eigenanbau boomt! Eine kreative Antwort auf das Bedürfnis nach mehr Grün bieten auch die sogenannten vertikalen Gärten. Dazu werden die Pflanzen einfach in die Senkrechte gebracht. Der Vorteil: diese Art des Gärtnerns ist nicht nur auf den Außenbereich beschränkt. Auch in der Wohnung können dadurch ganze Wände gestaltet werden. Ob mit Blumen, Kräutern oder einfach nur Moos – hier kann jeder seinen Ideen freien Lauf lassen. Innenraumbegrünung verbessert zusätzlich das Raumklima durch die höhere Luftfeuchtigkeit und filtert die Luft. Natur hautnah erleben – der Wohlfühleffekt ist garantiert! „Blumen sind das Lächeln der Erde“, schrieb einst ein amerikanischer Philosoph. Sorgen wir dafür, dass dieses Lächeln noch vielen Generationen erhalten bleibt – mit Gärtnern!

Interview - „Gemeinsam gärtnern verbindet!“

Mag. Ing. Eva Hofer-Unger,
Referatsleiterin Förderungen und Gartentelefon der MA 42 – Wiener Stadtgärten

Gemeinsam gärtnern – die Stadt Wien fördert seit 2009 Nachbarschafts- und Gemeinschaftsgärten, damit die Wienerinnen und Wiener auch im dicht verbauten Stadtgebiet selbst Grünraum schaffen und pflegen können. GESÜNDER LEBEN traf Mag. Ing. Eva Hofer-Unger.

GESÜNDER LEBEN: Wie funktionieren Nachbarschafts- bzw. Gemeinschaftsgärten?
Hofer-Unger: Die Gärten entstehen oft auf brachliegenden Flächen oder Wiesen. Die Errichtung eines Gemeinschaftsgartens wird durch einen Verein organisiert, mit dem Grundstückseigentümer gibt es ein Nutzungsabkommen. Mit einer Förderung der Stadt Wien verpflichtet sich der Verein, den Gemeinschaftsgarten mindestens drei Jahre lang zu erhalten. Pro Bezirk werden Pilotprojekte mit bis zu 3.600 Euro gefördert. Die MA 42 – Wiener Stadtgärten ist hierfür die zentrale Anlaufstelle, am Gartentelefon unter 01/4000-8042 erhält man alle Infos.

Welche Menschen nutzen diese Gärten?
Hofer-Unger: Jüngere und Ältere, Menschen verschiedenster sozialer Schichten, mit und ohne Migrationshintergrund. Im Vordergrund steht die gemeinsame Leidenschaft fürs Gärtnern.

Urban Gardening, die kleinräumige landwirtschaftliche Nutzung städtischer Flächen, wird immer mehr zum Trend. Geht es den Nutzern dabei auch um den finanziellen Aspekt, da Eigenanbau doch kostengünstiger ist?
Hofer-Unger: Urban Gardening ist als Trend zu betrachten. Aus meiner Erfahrung geht es den GärtnerInnen aber vorrangig darum, zu wissen, wo und wie ihre Lebensmittel entstehen. Die finanzielle Seite spielt eine eher untergeordnete Rolle.

Was ist bei diesen Projekten der soziale bzw. psychologische Hintergrund?
Hofer-Unger: Uns ist das Gemeinsame ein ganz wichtiges Anliegen. Das gemeinsame Gärtnern verbindet die Menschen und fördert die Nachbarschaft im Grätzel.

Welcher Nachbarschaftsgarten war das Pilotprojekt und wie hat er sich mittlerweile entwickelt?
Hofer-Unger: Der erste Garten entstand 2008 im 16. Wiener Gemeindebezirk, Heigerleinstraße, Ecke Seeböckstraße. Der Nachbarschaftsgarten Heigerlein ist eine feste Institution geworden und aus dem Bezirk nicht mehr wegzudenken.

Wie viele Gemeinschafts- bzw. Nachbarschaftsgärten gibt es zurzeit in Wien?
Hofer-Unger: Es gibt derzeit etwa 50 Gärten. Mehr als die Hälfte davon wurde von der Stadt Wien entweder finanziell oder mit dem nötigen Know-how und Sachmitteln gefördert.

Übersicht zu diesem Artikel:
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