Mittwoch, 18. September 2019

Frau und Mann im Training: Gemeinsames

25. Oktober 2011
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Sportliche Leistungen hängen von vielen Faktoren ab, das Geschlecht ist nur einer davon. Dem wird im Wettkampfsport Rechnung getragen, indem Frauen und Männer nicht gegeneinander antreten.

Foto: BSO
Aber bestehen grundsätzliche geschlechtsspezifische Unterschiede im Trainingsaufbau und in der Trainierbarkeit motorischer Fähigkeiten?

Langfristiger Leistungsaufbau

Ein Leistungsaufbau von AnfängerInnen bis HochleistungssportlerInnen dauert 8 – 15 Jahre. Das ist eine Gesetzmäßigkeit, die für Mädchen und Burschen in gleichem Maß gilt, die allgemein bekannt sein dürfte und trotzdem in sehr vielen Fällen missachtet wird.

Frühe Spezialisierung führt zu mangelhafter motorischer Grundausbildung und wenn eine solche nicht durch eine überdurchschnittlich gute Konstitution teilweise ausgeglichen wird, auch zu Überlastungsschäden Verletzungs- und Krankheitsanfälligkeit oder einfach Leistungsstagnation.

Häufige Beispiele sind das Auftreten von Entzündungen an Knien von heranwachsenden Ballsportlern, dort wo die Sehnen am Knochen verankert sind. Auch nicht selten wird über Atemnot bei sehr intensiven Belastungen geklagt, bei AthletInnen, wo ein begleitendes Grundlagenausdauertraining vernachlässigt wurde und die Atemnot dann als Belastungsasthma fehlinterpretiert wird.

Sportliche Leistungen finden heutzutage auf einem sehr hohen Niveau statt - demgegenüber stehen mehr Anfänger mit ungenügenden sportmotorischen Basisfähigkeiten, was das Problem noch verschärft. Systematische Geschlechtsunterschiede sind mir nicht bekannt.

Beweglichkeit
Gesunde Gelenke vorausgesetzt, hängt die passive Beweglichkeit von der Dehnfähigkeit des Bindegewebes ab, die wiederum zu einem großen Teil genetisch vorgegeben ist, aber auch von Muskeltonus, Ermüdung, Muskelkater, Tageszeit, etc. beeinflusst wird.

Die Koordination und Kraft der an der Bewegung beteiligten Muskulatur bestimmen die aktive Beweglichkeit mit. Frauen werden häufig als beweglicher beschrieben, was dem höheren Östrogenspiegel, dem geringeren Muskeltonus und der geringeren Gewebsdichte zugeschrieben wird. Trotzdem bestehen große individuelle Unterschiede.

Eine Gefahr stellt die Hypermobiliät (Überbeweglichkeit) dar, die zu Instabilitäten von Gelenken und Wirbelsäule führen kann, bei Frauen und Männern vorkommt, aber bei Männern öfter durch eine größere Muskelmasse ausgeglichen werden kann. Dafür, dass sich die aktive Beweglichkeit geschlechtstypisch unterscheidet, konnten bisher keine schlüssigen Hinweise gefunden werden.

Ausdauer
Die Ausdauerfähigkeit von trainierten Frauen liegt etwa 8 bis 15 % unter der von Männern mit gleichen Körpermaßen und vergleichbarem Trainingszustand. Gründe dafür sind die kleinere Dimensionierung der Sauerstoff liefernden Systeme und der hormonell bedingt höhere Fettanteil bei Frauen, auch bei schlanken.

Aber: im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie wurden Frauen und Männer mit gleichem Marathonlauftempo ausgewählt und deren Laufleistungen bei 15 km, Halbmarathon und 90 km verglichen: während bei 15 km die Männer ein höheres Lauftempo hatten, waren bei 90 km die Frauen überlegen.

Dies spricht man unter anderem der unterschiedlichen Energieverwertung der Muskulatur zu, Frauen verbrennen früher und mehr Fettsäuren, Männer früher und mehr Glykogen, das einen höheren Energiedurchsatz erlaubt, aber limitiert vorhanden ist.

Die Trainierbarkeit der Ausdauer in Relation zum Ausgangswert ist vergleichbar.


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