Sonntag, 22. September 2019

Farbenfroh

Ausgabe 2013/11

Unser Leben wird von Farben bestimmt und beeinflusst. Wer die bunte Vielfalt ihrer Wirkungen kennt, kann Körper und Geist Gutes tun.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - DarrenGreen

Hell strahlende Farben sollen die Stimmung heben, den Geist inspirieren und den Körper anregen, während dunkle, düstere Farben die Stimmung dämpfen und die Kreativität hemmen. So weit, so gut – und trotzdem ist die Sache mit den Farben nicht ganz so einfach, wie sie auf den ersten Blick erscheinen mag. „Es gibt unglaublich viele Meinungen über die Wirkung von Farben, aber erst seit rund 15 Jahren solide Studien darüber, wie sich Menschen unter dem Einfluss von Farben verhalten und wie Körper und Geist reagieren“, weiß Mentalcoach Roman Braun.

Rot und Grün als Universalfarben. Generell könne man die Wirkung von Farben jedoch in drei Bereiche einteilen: So handelt es sich bei Rot und Grün um sogenannte Universalfarben, die tatsächlich eine physiologische Wirkung auf Menschen haben – und zwar weltweit. Während Grün die Ausdauer fördert, bedeutet Rot gleichzeitig Gefahr und Dominanz. Außerdem ist Rot die am stärksten aktivierende Farbe, was etwa durch die Messung des Ruhepulses nachgewiesen werden konnte: Hatten die Versuchspersonen anfangs einen Ruhepuls von 70, stieg dieser durch die Bestrahlung mit rotem Licht innerhalb kürzester Zeit auf 100 an. Indes wirke Grün beruhigend und fördere nachweislich den Heilungsprozess, so NLP-Trainer Braun: „Es hat sich gezeigt, dass stationäre Patienten, die in einem Zimmer mit lindgrüner Decke liegen, schneller gesund werden.“ Abgesehen davon haben Farben zudem kulturell bedingte Wirkungen – man denke nur an die Farbe der Trauer, die hierzulande Schwarz, in China hingegen Weiß ist. Und letztlich spielen auch persönliche Erfahrungen eine Rolle, wenn es darum geht, ob man eine bestimmte Farbe bevorzugt, während man eine andere regelrecht verabscheut.

Wandmalereien. Da also Farben in gesundheitlicher Hinsicht tonangebend sein können, sollten wir uns Gedanken darüber machen, mit welchen wir uns umgeben. Den Kleiderschrank farblich auszumisten und neu zu bestücken bietet Frauen wahrscheinlich sogar eine gute Ausrede für die nächste Shoppingtour. Schwieriger wird das schon bei den Wänden. Umso besser, dass sich unter anderem die Arbeitspsychologie damit beschäftigt hat, bei welchen Farben Mitarbeiter wie arbeiten. So fördert ein kräftiges Grün die Ausdauer und das Lösen von Aufgaben, bei blauen Wänden arbeiten wir sehr genau, Gelb und Orange wirken aktivierend, während schwarze bzw. dunkle Wände die Stimmung senken. Ferner gilt: „Starke Farben und Kontraste sind gut für die Kreativität. Ein Kreativteam in einen weißen Raum zu setzen macht also wenig Sinn“, betont Braun, auf dessen Expertise unter anderem Weltcupsieger und Spitzenpolitiker vertrauen. Dass die Wahl der Wandfarbe direkten Einfluss auf unsere Gemütslage hat, weiß auch DI Agathe Irene Chajdas von IONIT healthcare: „Zum Beispiels sind sanfte Grün- oder Blautöne gut für Räume geeignet, die der Ruhe und Regeneration dienen, da sie Sicherheit und Gelassenheit vermitteln und helfen, Alltagsstress und Hektik hinter sich zu lassen. Helle Gelb- oder Rottöne eignen sich für Räume, in denen kreative Tätigkeiten stattfinden sollen. Sie wirken aktivierend, motivierend und beflügeln die Fantasie.“ Wählen Sie, wenn möglich, Wandfarben nach Ihrem Charakter aus: Wer zu Stimmungstiefs tendiert, sollte auf Blautöne verzichten, da die Ruhe und Stille dieser Farbe die melancholische Stimmung verstärken kann. Für temperamentvolle Menschen gilt indes, in Räumen, in denen sie sich oft aufhalten, kräftige Rottöne zu vermeiden.

Gesunde Farbe. Als Farbe der Natur habe Grün eine heilsame Wirkung und passe daher für Menschen, die Regeneration suchen, so Chajdas, die überdies darauf hinweist, „dass es sogar mineralische Wandfarben gibt, die neben der Farbwirkung auch einen physischen Effekt auf unser Wohlbefinden haben, indem sie das Raumklima aktiv verbessern und einen positiven Effekt auf das Nerven- und Herz-Kreislauf-System haben“. Es nimmt somit nicht wunder, dass Farben in medizinischen bzw. therapeutischen Bereichen eingesetzt werden. Beispielsweise aktivieren Rotlichtlaser die Produktion von Interleukinen (körpereigene Botenstoffe der Zellen des Immunsystems), was dazu führt, dass sich an den Körperstellen, die mit diesem intensiven, roten Licht bestrahlt werden, Immunkraft sammelt. Und während der Ruhepuls bei Rot steigt, beruhigt sich etwa der Blutdruck durch die entspannende Wirkung von Blau. Und freilich wird insbesondere im mentalen Bereich immer wieder auf die Kraft der Farben gesetzt, weiß der psychologische Berater Roman Braun: „Wenn man etwa in einer meditativen Sitzhaltung an Farben denkt, hat das nachweisbar dieselbe Wirkung, wie wenn man die Farbe tatsächlich sieht. Übrigens: Auch wenn wir es gut meinen, wenn wir einem anderen Menschen raten, nicht alles so schwarz zu sehen, führt das leider genau dazu, dass derjenige genau das tut. Und nachdem Studien ergeben haben, dass die Menschen, die sich gerade in einer depressiven Stimmung befinden, diese Stimmung mit grau oder schwarz assoziieren, bewirkt der gut gemeinte Rat wohl das genaue Gegenteil.“

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