Sonntag, 15. September 2019

Die magischen 42,195 km

31. August 2011
Einen Marathon laufen – das ist der Wunsch von immer mehr Läufern. Doch nicht jeder ist geeignet: Gewicht, Gelenkszustand und Laufkoordination müssen stimmen, sonst drohen Schäden.


Dass die Geschichte des Marathonlaufs mit einem Toten beginnt, verleiht der Sache schon einen gewissen Kick. „Marathon“ – der Begriff für „Grenzerfahrung“, „ans Äußerste gehen“, „Selbstüberwindung“, „höchste Leistung“. „ Marathon“ heißt auch: wer fähig ist, die magischen 42,195 Kilometer laufend zurückzulegen und lebend wiederzukommen, ist ganz einfach was besonderes, ist Elite.

Und massenhaft wollen die Läufer zu dieser Elite gehören. Marathonveranstaltungen auf der ganzen Welt verzeichnen Teilnehmerrekorde. Nicht nur die Städte-Marathons boomen, auch in der Provinz glühen die Sohlen. An die Grenzen der Leistungsfähigkeit vordringen und dafür mit dem „Runner´s High“ belohnt werden, lautet die Verheißung. Marathonlaufen ist Abenteuer. Anziehend gleichermaßen für Manager, Politiker, für ehemalige Raucher, Trinker und Übergewichtige. Wenn man den Marathon durchsteht, schafft man auch alles andere, was man sich vornimmt.

So mancher aber bezahlt mit ruinierten Kniegelenken dafür. 42 km am Stück zu laufen ist an sich nicht gesund, sondern ein enormer Stress für den Körper. Zwar lassen sich das Herz-Kreislaufsystem und der aktive Bewegungsapparat relativ gut relativ und relativ schnell darauf vorbereiten, der passive Bewegungsapparat ist aber weit weniger formbar.

„Sehnen, Bänder und Gelenke benötigen sieben mal so lange um sich auf hohe Belastungen einzustellen wie die Muskulatur und das Herz-Kreislaufsystem“, sagt der Salzburger Sportwissenschafter und Lauftrainer Michael Mayrhofer. „Das darf auf keinen Fall übersehen werden. Der Kardinalfehler des Ulrich Strunz war, dass er das orthopädische Risiko einfach unter den Tisch fallen ließ.“

42 Kilometer zu laufen ist für 95 Prozent der Zeitgenossen nicht unter drei Stunden zu schaffen. Bei einem Stadtmarathon heißt das: drei Stunden und länger lang harten Asphalt zu treten. Da mögen die Schuhe noch so gut gepolstert sein, die Belastung für die Gelenke sei enorm, warnt Mayrhofer. „Für so manchen gibt es nach ein oder zwei Marathons die rote Karte, weil die Gelenke einfach nicht mitmachen.“

Wer ist nun gefährdet, sich einen schmerzhaften Gelenksverschleiss einzuhandeln?

Antwort: Personen, die ganz einfach zu schwer und zu ungeübt sind. Als Orientierung mag dienen, dass die Weltklasse-Marathonläufer drahtige Gesellen mit einem Gewicht von unter 60 Kilogramm sind. Ein 50jähriger 90-kg-Mann, der seit seiner Schulzeit kaum mehr Sport betrieben hat, und jetzt nach ein wenig Joggingpraxis unbedingt am nächsten Marathon teilnehmen will, ist wahrscheinlich gut beraten, diesem Vorhaben abzuschwören.

Zweiter wichtiger Punkt: die Laufökonomie, also jene körperliche Koordination, die es erlaubt, mit relativ wenig Kraftaufwand einen optimalen Vortrieb zu erzielen, muss stimmen. Ist die Technik zu unökonomisch, dauert die Belastung einfach zu lang.

Eine Methode, die potentielle Marathon-Zielzeit einzuschätzen, sind Lauftests über fünf und zehn Kilometer. Den 10-km-Test sollte man mindestens unter 58 Minuten bewältigen (bzw. den 5-km-Test unter 32 Minuten). Das bedeutet hochgerechnet eine Marathon-Zeit von 4 Stunden 44 Minuten – das Maximum dessen, was man dem passiven Bewegungsapparat zumuten sollte.



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