Die Heimat neu erwandern

Ausgabe 2020.05

Auch wenn es momentan wegen des Coronavirus nicht oder kaum möglich ist, sich auf Wanderung zu begeben: Umso schöner ist die (Vor-)Freude, sich eines Tages wieder mit festem Schuhwerk, Rucksack und Proviant auf den Weg machen zu können.


Foto: iStock-Geber86

GESÜNDER LEBEN hat in jedem Bundesland eine familientaugliche Wanderung ausgewählt – viel Spaß beim Gustieren! Und freuen wir uns auf die wunderschönen Landschaften, die Österreich zu bieten hat!

Vorarlberg: Musikwanderweg Brüggelekopf in Alberschwende
Allein der Name „Brüggelekopf“ macht schon Lust auf einen Besuch. Der ist mit 1.182 Metern ein mittelgroßer Berg im Bregenzer Wald, sanft und herzig kugelrund. Es gibt zahl reiche Möglichkeiten, ihn zu umrunden oder zu besteigen; eine davon ist der Musikwanderweg, auf dem, verteilt auf zehn Stationen, traditionelles Liedgut von Chören und Musikvereinen aus dem vorderen Bregenzer Wald zu hören ist. Vom Dorfplatz in Alberschwende wandert man bergauf los und schon bald hat man sie erreicht – die erste Station des 4,4 Kilometer langen Musikwanderwegs. Die Stationen sind alle nach demselben Prinzip gestaltet: Einer der zwei Steine dient als Sitzplatz, der andere ist für die Informationstafel. Um das jeweilige Lied an zu hören, betätigt man ganz einfach den Knopf unter der Tafel. Weil das Singen, ebenso wie die Jause, zum Wandern dazugehört, sind für die sangesfreudigsten Wanderer die Liedtexte auf den Tafeln abgebildet.

 

Tirol: 10-Kapellen-Wanderweg in Schwaz
Das hübsche Bezirksstädtchen Schwaz in Tirol (zwischen Innsbruck und Kufstein gelegen) ist ob seiner Vergangenheit ein ganz besonderer Ort: Im 15. und 16. Jahrhundert wurden aus den hiesigen Stollen 85 Prozent des weltweit gehandelten Silbers geschlagen, was Schwaz zur Bergbaumetropole und nach Wien zum zweitgrößten Ort im Habsburgerreich machte. Vom einstigen Reichtum zeugen noch die prachtvollen Häuser; vom Bergbau geblieben sind auch Teile der insgesamt 500 Kilometer langen Stollen, sowie zehn Kapellen, die dazumal aus Dankbarkeit errichtet wurden. Bevor man sich auf Wanderung begibt, kann man mit einem der historischen Züge ins Innere der inzwischen komplett stillgelegten Stollen fahren und Interessantes über den Bergbau erfahren. Direkt neben dem Silberbergwerk steht die erste der Kapellen, die Bergwerkskapelle, von der aus es über alte Landstraßen, geteerte Wege sowie Waldstraßen mit wenigen Steigungen von einer Kapelle zur nächsten geht.

 

Salzburg: Imbachhorn-Runde Kaprun
Mit dem Auto oder einem Bus fährt man zum obersten GletscherbahnParkplatz des Kitzsteinhorns und steigt direkt von dort bergauf durch Hoch- und Mischwaldbestände und wandert relativ gemütlich weiter über große Almwiesen bis zum 2.470 m hohen Imbachhorn. Ein großer Teil der 14, 5 Kilometer führt relativ gemütlich geradeaus und leicht bergauf. Die Aussicht auf das Hochgebirge und runter ins Tal – man sieht so gut wie immer den Zeller See – ist atemberaubend. Gut, dass die Wanderung zwar kein Spaziergang, aber kein so anstrengender Marsch ist, dass man komplett außer Atem kommt. Wie bei jeder Wanderung ist festes Schuhwerk und Regenschutz unbedingt notwendig, bei einer Tour; im Hochgebirge, die über 2.000 Meter geht, sollte man (auch im Hochsommer) wegen plötzlicher Wetterumschwünge auch einen Pullover, eine Haube sowie Handschuhe einpacken.

 

Oberösterreich: Geführte Schluchtenwanderung zu den Gimbach-Kaskaden am Attersee
Die beeindruckenden Wasserfälle in der Nähe von Weißenbach am Attersee sowie die Wanderung dorthin bieten ein Naturschauspiel der besonderen Art. Über fünf Kilometer führt der Weg durch die wildromantische Klamm des Gimbachs, der im südlichen Höllengebirge entspringt und in den Äußeren Weißenbach mündet, der dann in den Attersee fließt. Der oft recht schmale, dennoch gut gesicherte Weg kann etwas rutschig sein, darum ist festes Schuhwerk vonnöten. Spätestens beim Erreichen des Wasserfalls wird klar, warum die Wanderer für die Tour mit Maske, Flossen, Schnorchel, wasserfestem Rucksack und Neoprenanzügen versorgt werden. Denn nach der Jause (die bei jeder Wanderung das Highlight ist) geht es ab ins kühle Nass! Durch das glasklare Wasser des zwei bis sieben Meter tiefen Bachbetts schnorchelt der Wanderer mit den zahlreichen Fischen flußabwärts zum Ausgangspunkt zurück.

 

Steiermark: Wanderung durch die Bärenschützklamm in Mixnitz
Der spektakuläre Wanderweg mit etwa zehn Kilometern Länge führt über 164 Brücken und 2.500 Holzsprossen durch die Kalksteinschlucht auf 1.211 Meter. Vom Parkplatz Bärenschützklamm am Talschluss geht man etwa 1 Stunden taleinwärts entlang des Mixnitzbaches zum Einstieg in die Klamm, die man nach Bezahlung einer geringen Gebühr für die Instandhaltung (5,– Euro für Erwachsene, 3,50 Euro für Kinder) betritt. Wer flott hochsteigt, um über Stege, Treppen, Brücken und Leitern zwischen steilen Felsen und über Wasserfälle das Ziel zu erreichen, benötigt dafür etwa eine Stunde. Wobei auch hier, wie so oft im Leben, der Weg das Ziel ist. Darum empfiehlt es sich, nicht zu hasten, sondern die beeindruckenden Ausblicke zu genießen. Nach dem Ausstieg aus der Klamm führt ein schöner Weg durch den Wald zu einem Gasthaus „Guter Hirte“. Der Weg zurück ist beschaulich und gemütlich.

 


 

Kärnten: Warmbader Natur- und Kulturlehrpfad im Naturpark Dobratsch
Eine Fülle von interessanten Informationen über Natur und Kultur erwartet den interessierten Wanderer auf dem drei Kilometer langen Weg, der in Warmbad-Villach beginnt und endet. Auf den 45 Pflanzen- und 22 Tiertafeln, die von Jugendlichen mit Aquarellen versehen wurden, sowie auf Pulttafeln erfährt man Wissenswertes über Natur und Kultur. Erklärt werden überdies regionale Besonderheiten sowie die geschichtliche Bedeutung der Gegend. So etwa führt die älteste Straße des Landes, der Römerweg, der das antike Italien mit dem germanischen Norden verband, durch das Gebiet von Warmbad-Villach. Mit all dem Wissen, das man sich angeeignet hat, wird es einen reizen, etwa den Dobratsch-Rund wanderweg, der in vier Etappen ausgelegt ist, aber mit einem Radius von weniger als zehn Kilometern auch für ungeübte Wanderer zu bewältigen ist, in Angriff zu nehmen.

 

Niederösterreich: Ludwig-van-BeethovenSpazierweg von Mödling nach Baden
Beethoven war – und das ist im Gegensatz zu vielem anderen, was man so über ihn hört und liest, auch belegbar – in den Jahren 1804 bis 1825 knapp ein Dutzend Mal in Baden auf Sommerfrische. Anlässlich seines 250. Geburtstages empfiehlt es sich, auf seinen Pfaden durch den südlichen Wienerwald zu wandeln. Ausgehend von seiner Unterkunft in den Jahren 1818, 1819 und 1820 im Beethoven-Haus in der oberen Hauptstraße in Mödling, führt der Weg durch die Fußgängerzone zur Goldenen Stiege bis hinauf zum BeethovenTempel (der zu seinem 100. Geburtstag errichtet wurde) und von dort durch den Kurpark Baden in die Stadt. In der Rathausgasse 10, im Haus der Neunten, wo der Komponist während des Sommers in den Jahren 1821 bis 1823 Quartier bezog, kann man noch eine Besichtigung anschließen. Die Wanderung ist gut beschildert und gleicht eher einem – mit 15 Kilometern Länge – recht ausgiebigen Spaziergang.

 

Burgenland: Archäologie-Wander-Weg Schattendorf im Naturpark Rosalia-Kogelberg
Die archäologische Spurensuche führt die Wanderer zurück in 8.000 Jahre Zeitgeschichte. Der sieben Kilometer lange Weg, auf dem man von einer Archäologin begleitet wird, beginnt vor der Schuh-Mühle im Ort Schattendorf, führt über die Hauptstraße zum Hadspitzwald, über den Krippelberg und wieder retour. Tafeln vor den einzelnen Stationen geben Einblicke in die lange Geschichte des Ortes und deren Bewohner. Vieles jedoch erfährt man zusätzlich oder überhaupt erst im Gespräch mit der Expertin. Zahlreiche Fundstücke aus den Jahrtausenden werden in der Ausstellung „8.000 Jahre Schattendorf“ in der Schuh-Mühle gezeigt, die im Anschluss an die Wanderung besucht wird.

 

Wien: Naturlehrpfad durch die Wiener Lobau
Nicht jede Millionenstadt hat einen Dschungel, die Wiener haben freilich einen. Ein Teil des Nationalparks DonauAuen im Osten Wiens, die Lobau, der sogenannte Wasserwald, ist eine der letzten großen Au-Landschaften Mitteleuropas, umfasst 2.300 Hektar und macht fast ein Viertel der Gesamtfläche des Nationalparks aus. Durch die gesamte Lobau gibt es zahlreiche Wanderwege und Gewässer, die zum Baden freigegeben sind. Ganz besonders beeindruckend und informativ ist der Naturlehrpfad Obere Lobau. Gestartet wird die Wanderung durch urige Waldstücke, Wiesen und beeindruckende Moore bei der Haltestelle Raffineriestraße/Biberhaufenweg der Buslinie 92B. Über den Josefsteg wandert man quer durch ein geschütztes Moorgebiet. Auf dem Rückweg führt der gut beschilderte Weg an der Dechantlacke vorbei, die als FKK-Badeplatz freigegeben ist.

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