Samstag, 25. Mai 2019

Die Geh-Initiative

Ausgabe 05/2011
Die Internet-Plattform WildUrb animiert Stadtmenschen, mehr zu gehen, aber auch mehr zu sehen. Denn wer zu Fuß geht, entdeckt immer neue Perspektiven und die Qualität der Ge(h)mächlichkeit.

Foto: Manfred Klimek WildUrb, wilde Stadt – und die Freiheit der Fußgänger. Eine neue Community schart immer mehr Anhänger um sich und das nicht nur im virtuellen Raum, auf Facebook, Twitter etc. Auf Anregung der beiden Gründerinnen der Geh-Initiative – Doris Rittberger und Christine Knapp –machen sich immer mehr „Urbs“, wie sie sich nennen, aktiv auf den Weg. Sie lassen das Auto und die „Bim“ links liegen und erkunden per pedes die sogenannten „Tracks“ – die zahlreichen, spannenden WildUrb-Themenwege durch den dichten Großstadt­dschungel der Wiener Stadt oder ihren Grüngürtel – allein oder in gleichgesinnter Gesellschaft. Dabei ist der Fitnessgedanke eher zweitrangig, im Vordergrund stehen vielmehr die allgemeine Verbesserung der Lebensqualität sowie emotionale, philosophische Motive.

Umwelt, Gesundheit & Freiheit
Durch die schnelllebigen Zeiten, den latenten Leistungsdruck, die Entfremdung von der Natur, aber auch durch die wirtschaftlichen Krisenzustände sei vielen Menschen der Blick fürs Wesentliche abhanden gekommen. Aber man beginne umzudenken und sich wieder auf seine Grundbedürfnisse zurückzubesinnen, heißt es auf der Website. „Wir bauen auf die drei Säulen Umwelt, Gesundheit, Freiheit. Mithilfe unserer Öko-Projekte, Social-Events und Outdoor-Spiele soll der Urb – der Stadtmensch – ein Gefühl für die notwendige Entschleunigung bekommen“, so Doris Rittberger. „Man kann sich, so man das will, auf den Tracks mit Gleichgesinnten verabreden und sich begegnen. Was wir aber nicht machen, ist klassische Wandertage organisieren“.

Die typischen Urbs sind laut Rittberger sehr wohl mit den Medien unserer Informationsgesellschaft vertraut, schätzen den spielerischen Umgang mit Technologie und bewegen sich in Foren und Communitys. Dabei sind jedoch für sie oft unmerklich das reale Gemeinschaftserleben, das Abenteuer, die Romantik, der Spaß und die Freude an der Bewegung im freien Raum und an der frischen Luft ins Hintertreffen gerückt. Und genau hier bringt sich WildUrb ins Spiel. „Wir versprechen und halten nicht mehr und nicht weniger als eine nachhaltige Verbesserung der Lebensqualität, ganz unabhängig vom Einkommen“, so die beiden Initiatorinnen.

Gehen, um zu bewegen
Auf der Homepage www.wildurb.at finden sich aktuell etwa 20 Tracks – Fußwege zum „Nach­urben“. Manche von ihnen sind als Stöckelschuh-tauglich ausgewiesen und für andere wiederum braucht es bequemeres Schuhwerk – gekennzeichnet mit einer oder zwei Sandalen, je nach sportlicher Herausforderung. So kann man auf den verschiedenen Tracks die Hoch-, Alltags- und Naturgeschichte der Stadt, aber auch gänzlich Unbekanntes, so manche urbane Abgründe entdecken und dabei innehalten, um neue Lieblings- und Wohlfühlplätze zu finden.

So lässt der Track „Oide G’schichten“ etwa mitten ins alte Wiener Herz eindringen, der Weg „Stille Stimmen“ führt zu pittoresken Gräbern auf dem Zentralfriedhof und dem alten Jüdischen Friedhof, andere Tracks wecken „Grüne Gelüste“, bieten „Tiefe Gründe“ oder verführen zum „Konsumrausch“. Die Bewegung soll sich längerfristig nicht nur auf Wien und Umgebung beschränken, sondern auch andere urbane Lebensräume Mittel­europas erobern.

Zukünftig soll es für User auch möglich sein, eigene „urbige“ Tracks ins Netz zu stellen. Gemeinsam mit der Technischen Uni Wien soll gar ein Navigationssystem für Fußgänger erarbeitet werden. „Wir sind der Überzeugung, dass zu Fuß gehen besser ist als zu laufen, weil Joggen den Körper eher belastet. Beim Gehen dagegen tankt man auf und hat viele frische Ideen“, meinen Rittberger und Knapp. Für alle bekennenden Urbs, unter ihnen etwa Kabarettist Roland Düringer ist es nicht das Ziel, von A nach B zu gelangen, das Ziel ist der Weg. Das ist Freiheit und Individualität auf zwei Füßen ...


Das Projekt WildUrb – Wilde Stadt
Die Gründerinnen der Community, Doris Rittberger und Christine Knapp, haben im Zuge ihres Projekt und für die Homepage www.wildurb.at bis dato etwa 20 Routen zusammengestellt – die meisten in Wien, eine in Mödling. Mitte Mai erscheint das Buch zur neuen Wander-Bewegung. Es heißt „Wien geht“ und beinhaltet alles für Urbs und solche, die es noch werden wollen, plus Erlebnisberichte von prominenten WildUrbs. Mitgeliefert werden viele Fotos, Infos über den Streckenverlauf, die Länge, den Schwierigkeitsgrad sowie die besten Points, sprich Sehenswürdigkeiten, plus detaillierte Landkarten (Maps).  „Wien geht“, Verlagsvertretung Wolfgang Edelmann, um € 14,80. Das Buch kann auf der Homepage (vor)geordert werden.

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