Freitag, 22. Februar 2019

Bye-bye, Schweinehund!

Ausgabe 2016.09

Der innere Schweinehund – das wohl unbeliebteste Haustier aller Zeiten. Mit diesen sieben Tricks wird der er jedoch zum braven Schoßhündchen. Und Sie können sportlich durchstarten!


Foto: © Can Stock Photo - halfpoint

Wer kennt ihn nicht? Faul liegt er in der Ecke oder lethargisch auf der Couch. Der innere Schweinehund liebt die gewohnte Umgebung. Solange man ihm dabei Gesellschaft leistet, bleibt das Tierchen zahm. Wenn es aber darum geht, uns von etwas abzuhalten, wird er aktiv. Und immer dann ist er zur Stelle, wenn wir uns endlich dazu aufraffen wollen, mit Sport zu beginnen. „Du musst ja nicht heute damit starten“, bellt der Schweinehund dann los. „Jetzt noch laufen? Es regnet doch gleich!“, jault er uns warnend ins Ohr. Oder kläfft noch schlimmer: „Was, du und surfen? Das schaffst du höchstens im Internet!“ Doch wie nun die Kreatur, halb Schwein, halb Hund, loswerden, um endlich Langgehegtes, Neues, ja manchmal auch Unangenehmes, aber Notwendiges in die Tat umzusetzen? Zunächst hilft es vielleicht schon, zu wissen, dass unser Schweinehund nicht nur Schlechtes im Sinn hat. Im Gegenteil: Von klein auf achtet er darauf, uns zu beschützen, indem er uns vor ungewohnten und zu gefährlichen Situationen warnt. Und auch im Erwachsenenalter erfüllt das Vieh seine Funktion: Es meldet sich regelmäßig, wenn wir ausgepowert sind oder Stress haben, und mahnt uns, einfach mal zur Ruhe zu kommen. Zum Problem wird diese mahnende Stimme erst, wenn man bewusst etwas Neues erlernen, langfristig Sport machen, etwas Notwendiges erledigen möchte. Thomas Drucker kennt das Thema nur allzu gut. Als Sporttrainer und -berater trifft er oft auf Menschen, denen es ähnlich geht. „Mit etwas Neuem zu starten, fällt vielen schwer. Die wichtigste Regel ist, immer mit Babyschritten zu beginnen“, empfiehlt der ehemalige Leistungssportler. Und verrät uns sieben weitere Tipps …

In 7 Schritten den Schweinehund besiegen

1 Realistische Ziele setzen!
Der Schweinehund ist im Grunde nur ein Angsthase. Veränderungen mag er nicht, zu große schon gar nicht. Darum füttern Sie ihn mit kleinen Happen. „Der Schweinehund ist dann am größten, wenn ich selbst das Gefühl habe, von einem neuen Reiz überfordert zu sein“, erklärt Thomas Drucker. „Diese Überforderung stellt sich ein, wenn ich mir zu große Ziele setze. Wer gleich einen Marathon plant, beginnt niemals zu joggen.“

2 Starthilfe holen!
Viele Menschen, die erstmals in ihrem Leben ernsthaft mit einer sportlichen Betätigung zu tun haben, kämpfen mit ihrem Selbstvertrauen. „Hier eignen sich spezielle Einsteiger- und Schnupperkurse, die Sportvereine oder Fitnessstudios anbieten“, so Drucker. „Sie werden schnell feststellen, welche Trainingsart Ihnen am meisten Spaß macht.“

3 Aus Sport wird Spaß!
Wenn Ihr neuer Zeitvertreib plötzlich von etwas Notwendigem zu etwas Lustigem wird, wird Ihr Schweinehund schnell verstummen. „Auch Menschen, die Sport gar nicht mögen, können eine körperliche Ertüchtigung finden, die sie gerne machen: Buchen Sie einen Tanzkurs, starten Sie die Gartensaison mit Ihrem eigenen Beet, erkunden Sie Ihre Umgebung spazierend!“

4 Gewohnheiten schaffen!
Machen Sie Sport einfach zu Ihrer neuen Gewohnheit und schon muckt Ihr Köter nicht mehr auf. „Planen Sie die neue sportliche Betätigung in Ihrem Terminkalender ein“, so Drucker. „Wer Schwimmen zum wöchentlichen Highlight am Mittwoch macht, schafft einen konkreten Plan und hat deutlich mehr Aussichten auf erfolgreiche Umsetzung.“

5 Suchen Sie Partner!
Der innere Schweinehund kennt Sie schon sehr lange und weiß, wie er Sie um den Finger wickeln kann. Schwerer wird es für ihn, wenn Sie in geballter Ladung Widerstand leisten. „Suchen Sie sich Gleichgesinnte und verabreden Sie sich zu festen Terminen. In der Gruppe steigt der Spaßfaktor und es wird außerdem schwerer, Ihr Vorhaben mit lapidaren Ausreden aufzugeben“, rät Drucker.

6 Leckerlis bereithalten
Wie jeder Hund will auch der Schweinehund belohnt werden. Tun Sie sich nach jeder Sporteinheit etwas Gutes: Nehmen Sie ein wohliges Bad oder gönnen Sie sich ein gutes Stück Schokolade.

7 Zwischentiefs akzeptieren
Das Hündchen will an einem Abend so gar nicht aufhören, Sie zum Nichtstun zu überreden? Dann hat es vielleicht auch recht! Nach einem besonders stressigen und auslaugenden Tag müssen Sie sich nicht über die geplante Laufstrecke quälen, wenn Ihr Körper Ihnen mit lauter Stimme entgegenbrüllt: „Ruhe bitte!“ In diesem Fall lohnt sich ein Kompromiss: Steigen Sie eine Station früher aus und laufen Sie das letzte Stück oder nehmen Sie die Treppe statt des Lifts. Auch das ist schon Bewegung!

Interview

„Immer in Bewegung bleiben!“

Thomas Drucker steht gemeinsam mit Partner Stephen Biwald unter dem Label „Sport nach Maß“ Lernwilligen als Sportberater und -trainer unterstützend zur Seite.

Herr Drucker, kann man eigentlich jeden dazu motivieren, sich zu bewegen?
Ja! Jeder hat zumindest einen Funken Motivation. Wenn man diesen in die richtige Richtung bringt, sind große Erfolge möglich.

Was funktioniert bei Kindern und Jugendlichen am besten?
Kinder lieben Bewegung mit Wettkampfcharakter kombiniert mit Geschicklichkeitsübungen – und das alles in der Gruppe. Auch bei Jugendlichen spielt die Gruppenerfahrung eine wichtige Rolle. In diesem Alter steht Sport in großer Konkurrenz zu elektronischen Medien. Teenies dürfen daher nie den Eindruck haben, dass Sport die Beschäftigung mit Handys und Computern verhindert. Wichtig ist daher, Sport als Ausgleich anzubieten.

Und wie motiviert man bewegungsunwillige Erwachsene?
Da kann schon die Frage „Wie siehst du dich in zehn Jahren?“ den Anstoß geben. Wer seine Pension fit genießen möchte, muss früher anfangen, etwas für seinen Körper zu tun. Schon mit Mitte 30 beginnt unser Körper damit, Muskeln abzubauen. Wir empfehlen Sportarten wie Langlaufen, Rudern und Schwimmen, sogenannte Low-Impact-Sportarten ohne abruptes Aufprallen.

Bei vielen jault der innere Schweinehund schon beim Wort Sport auf …
Das stimmt. Ich spreche daher lieber von „Körperpflege-Terminen“. Damit meine ich nicht die körperliche Hygiene, sondern eine Zeit, in der ich meinem Körper mit Bewegung etwas Gutes tue. Das muss kein klassischer Sport sein. Denken Sie an Dinge wie tanzen, Gartenarbeit, mit den Enkeln toben. Im Endeffekt ist nur wichtig, dass wir uns bewegen, um beweglich zu bleiben.

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