Freitag, 20. September 2019

Besser wohnen im Alter

Ausgabe 2015.11
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Das passende Wohnmodell fürs Alter zu finden, ist nicht einfach. Die Fragen, die es zu beantworten gilt: Was brauche ich? Was kann ich mir leisten? Wie möchte ich leben? GESÜNDER LEBEN stellt Alternativen vor.


Foto: Can Stock Photo Inc. - logoboom

Nicht einen Tag jünger möchte ich sein – und das sage ich nun schon seit mehr als dreißig Jahren. Und jetzt, mit fünfzig plus, bin ich mir da nicht mehr ganz so sicher. Jünger möchte ich zwar nach wie vor nicht sein. Aber da die Jahre anders als früher im Sauseschritt an mir vorbeiziehen, würde ich dann doch ganz gerne den Status quo erhalten. Dennoch: Altern ist wie Weihnachten, man kommt nicht daran vorbei. Im Freundes- und Bekanntenkreis wird zunehmend von Altersteilzeit, Pensionsantritt und Altenwohngemeinschaft gesprochen. Auch mein Mann und ich hatten schon die eine oder andere Anfrage, ob wir denn bei diesem oder jenem Projekt mitmachen würden. Also, welche Möglichkeiten des Wohnens im Alter gibt es denn?

Wie komme ich zu Pflegegeld?

Holen Sie sich staatliche Unterstützung für Hilfe und Betreuung

Der Antrag auf Pflegegeld wird beim zuständigen Versicherungsträger – das ist jener, der auch die Pension auszahlt – gestellt.
Die monatliche Höhe der Zuwendung richtet sich nach dem Pflegebedarf, ist in sieben Stufen eingeteilt und wird je nach Zeitausmaß der erforderlichen Hilfe berechnet. Bei einem durchschnittlichen Bedarf von mehr als 65 Stunden im Monat beträgt das Pflegegeld 154,20 Euro, bei mehr als 95 Stunden sind es 284,30 Euro, bei mehr als 120 Stunden 442,90 Euro.
Die Pflegestufe 4 mit mehr als 160 Stunden Bedarf wird mit 664,30 Euro abgegolten. Bei Pflegestufe 5 (902,30 Euro), 6 (1.260,00 Euro) und 7 (1.655,80) ist ein Pflegebedarf von mehr als 180 Stunden monatlich erforderlich. Die Einstufung erfolgt nach dem geistigen und körperlichen Zustand und der Schwere des Pflegeaufwandes.

Die Gründung einer
Altenwohngemeinschaft.
Da liegen wir im Trend! Denn: Laut einer deutschen Studie sind die größten Wünsche der befragten 65- bis 85-Jährigen Gesundheit und Erhalt der eigenen Autonomie, was für 76 Prozent der Studienteilnehmer bedeutet: „Ich möchte möglichst lange in meinem Haus, meiner Wohnung bleiben.“ Für 83 Prozent der Befragten beeinhaltet das auch Unabhängigkeit. „Ich war in meiner Jugend aktiv in der 68er-Bewegung und habe mir mein Leben lang nichts vorschreiben lassen.“, sagt meine Freundin Eliza, 73 Jahre und kein bisschen leise, die mit einem Ehepaar gleichen Alters und einer 90-jährigen Cousine in einer Wohngemeinschaft lebt. Das agile Quartett teilt sich Hausarbeit und Kosten gerecht auf – „haben wir damals als Studenten in der WG auch gemacht“ –, und wenn einer mal Pflege braucht oder ein Umbau der Wohnung nötig sein sollte, wird auf das eigens dafür gemeinsam ersparte Geld zurückgegriffen.

So lange wie möglich in der eigenen Wohnung bleiben.
Betagte Menschen fühlen sich laut der eingangs erwähnten Altersstudie im Schnitt zehn Jahre jünger, als sie sind, haben eine hohe Lebenszufriedenheit und sind sowohl gesundheitlich als auch psychisch in einem deutlich besseren Zustand als die Generation vor ihnen. Und wenn Hilfe benötigt wird, bieten zahlreiche mobile Dienste ihr Service an, und so kann, wer möchte, auch im Alter in der vertrauten Umgebung bleiben. Zwei von drei Hilfe- und Pflegebdürftigen werden jedoch auch heute noch daheim von ihren Familienangehörigen versorgt, allen voran von den Frauen. Mit der demografischen Entwicklung wird sich die Pflege immer mehr in den professionellen Bereich verschieben.

Den Lebensabend im Seniorenheim oder in einer privaten Seniorenresidenz verbringen.
Früher war es, so man nicht im Großfamilienverband lebte, üblich, seinen Lebensabend in einem „normalen“ Altersheim zu verbringen. Die heutigen Seniorenheime haben nichts mehr mit den oft trostlosen Gebäuden und der dazumal doch recht minderen Wohn- und Betreuungsqualität zu tun. Die durchwegs neu errichteten, aber auch die adaptierten alten Gebäude sind zumeist perfekt auf die Bedürfnisse der Bewohner zugeschnitten. Personal ist rund um die Uhr erreichbar und sehr oft sind auch Tagespflegezentren wie auch Pflegestationen angeschlossen. Nicht nur in Großstädten, sondern auch in Dörfern und kleineren Städten liegen Seniorenheime sehr zentral und werden – vor allem am Land – häufig auch mehrzwecklich genutzt. Eingemietet sein können etwa Ärzte, Fußpfleger, kleine Geschäfte, Vereine, Bibliotheken, Kaffeehäuser, aber auch Kinder- und Hortgruppen. Sofern das mit der gegenseitigen Rücksichtnahme klappt – Differenzen gibt es häufig aufgrund von Lärm –, ist das eine Bereicherung für Alt und Jung.

Bei einem generationsübergreifenden Wohnprojekt mitmachen.
In den skandinavischen Ländern sind diese Wohnprojekte seit Jahren bestens eingeführt. Bei uns steckt das Ganze noch in den Kinderschuhen. Vereinzelt findet sich eine Gruppe von engagierten Menschen, die solch ein Projekt auf die Beine stellt. Diese Wohnform ist die moderne Variante der Großfamilie, nur dass die Bewohner nicht unbedingt miteinander verwandt sein müssen. Jeder Beteiligte hat seine Privaträume, die gemeinschaftliche Nutzung des Gebäudes steht jedoch im Vordergrund. Hilfeleistungen und Pflege werden so gut wie möglich unter den Bewohnern geleistet, für intensive Pflege sind Räume vorhanden und die Pflege wird ausgelagert. Geeignet ist diese Form des Wohnens für Menschen aller Altersgruppen, die bereit sind, ein hohes Maß an Verantwortung, Hilfestellung und Rücksichtnahme aufzubringen, sowie über soziale Kompetenz und Diskussionsbereitschaft verfügen. Es zeigt sich, dass vor allem die unterschiedlichen Interessen von jungen Familien und älteren Bewohnern eine große Herausforderung sind.

Mit Studenten in einer Wohngemeinschaft leben.
Was als ultimative Neuheit angepriesen wird, das gab es immer schon. Damals hat man halt ein möbliertes Zimmer gemietet, Bad und Küche geteilt und ab und zu haben sich Vermieter und Untermieter auf einen Tratsch am Küchentisch getroffen. Die Ansprüche indes sind gestiegen: War es früher so, dass die Hausfrau eindeutig bestimmt hat, wo es lang- geht – Damenbesuch verboten!! –, wird heute Wert auf etwas mehr Gleichberechtigung gelegt. Man ist mehr oder weniger freundschaftlich verbunden und verbringt dementsprechend Zeit miteinander. Meist leben ältere Menschen, die gerne Gesellschaft haben, und Studenten, die eine günstige Wohngelegenheit suchen und als Ausgleich dafür bereit sind, den Betagten bei der Reinigung, den Einkäufen und den kleineren Reparaturen zu helfen, ganz gut miteinander. Wie bei jedwedem Zusammenleben ist Höflichkeit, Rücksichtnahme, Toleranz und Interesse am anderen unabdingbar.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Besser wohnen im Alter
Seite 2 Interview

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