Sonntag, 27. Mai 2018

Aktiv trotz Rheuma

Ausgabe 2018.02
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Gerade für Rheumatiker gilt: Regelmäßige Bewegung lindert Schmerzen und steigert die Lebensqualität. Aber welche Sportart ist die richtige? Darf ich auch bei Schmerzen sporteln? Und wie überwinde ich den inneren Schweinehund? GESÜNDER LEBEN hat die Antworten.


Foto: iStock-171106754

 

Eine ausreichende und vor allem regelmäßige Bewegung ist ausschlaggebend für unsere Gesundheit und für ein vitales Leben. Stillstand bedeutet, dass wir unserem Körper die Möglichkeit nehmen, sein volles Potenzial auszuschöpfen. Wirklich gefährlich wird Untätigkeit und das Meiden von Bewegung allerdings bei Rheumatikern – denn hier geht es nicht selten darum, die eigene, ohnehin bereits eingeschränkte Beweglichkeit zu erhalten und somit noch möglichst lange aktiv am Leben teilhaben zu können. „Natürlich: Wenn der gesamte Bewegungs- und Stützapparat schmerzt, fällt einem das Bewegen nicht nur schwer, sondern man hat auch häufig schlicht keine Lust darauf“, gibt Prim. Dr. Gabriele Eberl, ärztliche Direktorin des Klinikums Malcherhof in Baden, zu. „Doch Schmerzen können bei Inaktivität sogar zunehmen. Eine Bewegungstherapie ist als zusätzliches Medikament in der Rheumatherapie anzusehen und somit ein wichtiger Stützpfeiler für eine hohe Lebensqualität.“

Tricksen Sie Ihren inneren Schweinehund aus!

Mehr Beweglichkeit und weniger Schmerzen bei Rheuma

• Wählen Sie einen Sport aus, der Ihnen wirklich Spaß macht.
• Setzen Sie sich realistische Ziele.
• Protokollieren und überprüfen Sie Ihre ausgeführten Trainingseinheiten.
• Gönnen Sie sich bei Erfolg eine kleine Belohnung.
• Positionieren Sie Ergometer oder Crosstrainer vor dem Fernseher.
• Gutes Schuhwerk und passende Kleidung erleichtern den Sport.
• In der Natur zu sporteln, ist am angenehmsten. Für Städter sind Parks empfehlenswert.
• Zusammen trainiert es sich leichter, zum Beispiel im Rahmen einer Selbsthilfegruppe.
• Bei kontinuierlichem Training setzt der sicht- und spürbare Erfolg schneller ein – das motiviert zusätzlich.

Bewegung hilft. Rheumatiker profitieren auf vielfältige Weise von gut dosiertem dynamischem Kraft- und Ausdauertraining: „Die Muskelmasse nimmt zu, die Struktur und Funktion der Gelenke wird verbessert, Fehlstellungen werden reduziert, Schmerzen gelindert, und auch die Morgensteifigkeit nimmt mit der Zeit ab“, fasst Eberl zusammen. Zwar könne Sport keine Art von rheumatischer Erkrankung heilen, betont die Expertin, „jedoch haben Untersuchungen gezeigt, dass auf diese Weise die Krankheitsaktivität verringert werden kann.“ Zudem wirkt Sport Übergewicht entgegen und miniminiert erheblich das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung – eine häufige Begleiterscheinung bei Rheuma. „Nicht zu vergessen: Sport hat einen wesentlichen Einfluss auf unsere Psyche und sorgt für einen ausgeglichenen Seelenhaushalt!“, weiß Eberl. Bewegung hebt die Laune und wirkt Erschöpfungszuständen entgegen; auch Depressionen und Ängste, die bei Rheumatikern häufig auftreten, können dadurch gelindert werden. „Je besser die Beweglichkeit, desto höher auch das Selbstwertgefühl!“

Welcher Sport? Die Rheumatologin weiter: „Grundsätzlich sind Sportarten empfehlenswert, die gelenksschonend sind, die Muskeln stärken und ohne große Stoß- und Druckbelastung einhergehen.“ Die Palette ist groß und reicht von schnellem Gehen, Wandern, Radfahren, Gymnastik, Nordic Walking, Schwimmen beziehungsweise Wassergymnastik bis hin zu Tanzen oder Tai-Chi. Kontraproduktiv sind aufgrund der hohen Verletzungsgefahr zum Beispiel Fußball, Handball, Basketball, Squash, Kampfsport oder Leistungssport im Allgemeinen. Eberl plädiert für eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining: „Kraftsport fördert nicht nur den Muskelaufbau, sondern auch die Durchblutung der Muskulatur!“ Ausschlaggebend ist, dass die Übungen exakt ausgeführt werden, um den bestmöglichen Effekt zu erzielen und Verletzungen zu vermeiden. Aus diesem Grund sollte das Krafttraining zumindest zu Beginn ausschließlich unter therapeutischer Aufsicht durchgeführt werden (beispielsweise im Rahmen einer Physiotherapie). „Achten Sie darauf, dass der Widerstand nicht zu groß ist, und steigern Sie sich langsam“, so Eberl. Die Expertin rät zu einem zweimal wöchentlichen Krafttraining sowie zu einem dreimal wöchentlichen Herz-Kreislauf-Training für circa 30 Minuten. „Vergessen Sie nicht auf regelmäßige Dehnungsübungen!“, betont Eberl.

Bewegender Alltag. Rheumatikern wird vorgeschlagen, im gleichen Ausmaß wie Gesunde Sport zu betreiben, nämlich mindestens 150 Minuten pro Woche. „Hand aufs Herz: Das ist leider häufig unrealistisch“, findet Eberl klare Worte. „70 Prozent der rheumatoiden Arthritispatienten beitreiben weniger als einmal wöchentlich Sport.“ Da wir den Großteil unseres Alltags sitzend verbringen, ist es umso wichtiger, Bewegung in eben diesen zu integrieren. Nehmen Sie die Treppen anstelle des Lifts, – Eberl: „Bei schwerer Arthrose beispielsweise ist das schonendere Hinaufsteigen empfehlenswerter als das Hinabsteigen!“ –, legen Sie weniger Wege mit dem Auto und mehr zu Fuß zurück. „Es sind oft die banalen Dinge im Alltag, die jedoch eine große Wirkung haben!“, betont die Expertin und meint damit zum Beispiel das einhändige Füllen eines Glases mit einer Zwei-Liter-Flasche oder auch das Anziehen eines Strumpfes. Steht man beim Zähneputzen nur auf einem Bein, trainiert man ganz nebenbei seine Balance. Mit Hanteln oder kleinen Gewichten, die man an den Waden oder Unterarmen befestigen kann, wird Krafttraining auch in den eigenen vier Wänden möglich. Ergometer- oder Crosstrainer sind besonders zur Förderung der Ausdauer sinnvoll.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Aktiv trotz Rheuma
Seite 2 Physiotherapie gegen Unsicherheit

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