Montag, 16. September 2019

Zwischen Morgentermin und Elternabend

25. Januar 2012
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Seien Sie mit gutem Gefühl berufstätig! Nehmen Sie nicht Familien als Maßstab, wo nur ein Elternteil erwerbstätig ist. Entwickeln Sie Ihren eigenen Zeitplan, um die unterschiedlichen Anforderungen unter einen Hut zu bringen.

Illustration: Carola Holland
Emma schnipselt eifrig am Buntpapier herum. Die Bastelstunde im Kindergarten mag sie besonders gern. Konzentriert arbeitet sie an ihrem neuen Kunstwerk. Plötzlich steckt ihre Mutter den Kopf bei der Tür herein: „Emma, heute bin ich früher vom Büro weggegangen, damit wir noch in den Zoo können! Komm, verabschiede dich von Andrea.“ Emma legt ihre Schere weg und schleicht zur Garderobe. „Ich mag aber nicht in den Zoo“, raunzt sie. Ihre Mutter ist verärgert. Sie hat sich doch extra beeilt, um Emma eine Freude zu machen.

Nach der Eingewöhnungszeit fühlen sich Kinder bei ihrer gewohnten und altersgemäßen Betreuung sehr wohl. Sie kennen den Tagesablauf, haben Freunde, Freundinnen und Lieblingsbeschäftigungen. Was Erwachsene aber leicht übersehen: Die Stunden im Kindergarten sind ebenso anstrengend wie ein Tag im Großraumbüro. Zeigen Sie daher Verständnis und ermöglichen Sie Ihrem Kind einen sanften Übergang. Nehmen Sie sich bewusst eine Stunde Zeit, die Sie gemeinsam eher ruhig verbringen und in der Ihr Kind einfach regenerieren kann.

Lukas ist 14 und besucht die Hauptschule. Er lebt bei seinem berufstätigen Vater. Dass er jeden Nachmittag zwei Stunden allein daheim ist, stört ihn nicht. Wenn er erzählt, dass er ein paar einfache Gerichte allein kochen kann, sind viele überrascht. Dabei wurde ihm nur irgendwann die Käsesemmel aus dem Supermarkt zu langweilig. Und so hat er seinem Vater abends beim Kochen genauer über die Schulter geschaut.

Lukas zählt die Vorteile auf, die es hat, dass sein Vater berufstätig ist: „Wenn ich von der Schule komme, bin ich oft sowieso genervt und will Ruhe haben. Da ist es mir ganz recht, dass niemand fragt, wie mein Tag war. Wir haben ausgemacht, dass ich an den Computer darf, wenn ich mit der Hausübung fertig bin. Da treffe ich Freunde im Chat oder ich spiele ein bisschen. An zwei Tagen habe ich sowieso Sport am Nachmittag und bin nur kurz daheim. Ich bin eigentlich froh, dass Papa Geld verdient. So bekomme ich ebenso viel Taschengeld wie die anderen. Und im Sommer haben wir immer Männerurlaub, da fahren wir jedes Jahr woanders hin.“

Kinder von Alleinerziehenden müssen manchmal auf etwas verzichten. Das unterscheidet sie aber nicht von anderen Kindern! Ihr Sohn, Ihre Tochter beobachtet, dass es Mitschüler- (innen) gibt, deren Mütter bei Ausflügen mitgehen, bei Bastelstunden aushelfen und zur gesunden Jause Selbstgebackenes beisteuern. Natürlich wird ein solches Engagement bewundert. Sie haben dafür keine Zeit. Aber Sie sorgen auf andere Weise dafür, dass es Ihrem Kind gut geht! Stellen Sie Ihr Licht nicht unter den Scheffel.

Tipps
  • Legen Sie einen Terminplaner an, in dem sowohl berufliche als auch schulische und familiäre Termine eingetragen werden. Das hilft, den Überblick zu behalten.
  • Erzählen Sie Ihrem Kind von den Vorteilen und den schönen Seiten Ihrer Berufstätigkeit.
  • Denken Sie daran, dass Ihr Kind in einer guten Betreuungseinrichtung und/oder Schule viel Positives erlebt.
  • Wenn Sie sich bei Schulveranstaltungen weniger engagieren können als andere, ist das kein Grund für schlechtes Gewissen. Rechtfertigungen oder lange Erklärungen helfen Ihrem Kind nicht.
  • Ein origineller Gruß (z.B. auf die Verpackung der Jause geschrieben) zeigt Ihrem Kind, dass Sie in Gedanken bei ihm sind, auch wenn Sie zum Ausflug nicht mitgehen.
  • Gestalten Sie die berufsfreie Zeit so, dass Sie selbst und Ihr Kind Ausgleich finden können.
  • Nehmen Sie Überforderungszeichen ernst und sorgen Sie für Entlastung.
  • Seien Sie mit gutem Gefühl berufstätig und lassen Sie sich deshalb (auch von Familienmitgliedern) kein schlechtes Gewissen machen.
  • Notwendige familiäre Termine (etwa Arztbesuche mit dem Kind) können nicht immer in die Freizeit verlegt werden. Teilen Sie diese am Arbeitsplatz höflich, aber selbstbewusst mit.

Wussten Sie, dass ...
Elternteilzeit
Anspruch auf Elternteilzeit haben Mütter oder Väter, die seit drei Jahren im selben Betrieb mit mindestens 20 Beschäftigten arbeiten. Die Elternteilzeit muss schriftlich vereinbart werden und die Interessen beider Seiten berücksichtigen. Kommt es zu keiner Einigung, kann ein Vertreter der Arbeiterkammer beigezogen werden. Die Elternteilzeit kann bis zum 7. Geburtstag des Kindes dauern. In kleineren Betrieben oder bei kürzerer Beschäftigung kann eine „Freiwillige Vereinbarung über Elternteilzeit“ abgeschlossen werden. Während der Elternteilzeit gilt Kündigungsschutz.

Um Beruf und Familie leichter vereinbaren zu können, genügt manchmal die Änderung der Arbeitszeit. Darauf haben Sie bis zum 7. Geburtstag des Kindes genauso ein Recht wie auf Elternteilzeit (bei gleichen Voraussetzungen). Der Kündigungsschutz besteht bis 4 Wochen nach dem 4. Geburtstag des Kindes. Auch wenn die Voraussetzungen nicht gegeben sind, können Sie mit der Firma eine Veränderung Ihrer Arbeitszeit vereinbaren, bei Ablehnung kann Ihr Wunsch aber nur vor Gericht durchgesetzt werden.

Achtung bei geringfügiger Beschäftigung: Es gelten zwar dieselben Regeln wie bei Teilzeitbeschäftigung, Sie sind aber nur unfall-, nicht kranken- und pensionsversichert.

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