Dienstag, 21. Mai 2019

Zeit für Plan B

25. Januar 2012
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Singles mit Kind haben nicht mehr Krisen als andere Familien. Ein Notfallplan ist aber doppelt wichtig.

Illustration: Carola Holland Die normale Lebensbewältigung ist für Alleinerziehende bereits ein tägliches Kunststück. Bei zusätzlichen Belastungen kann es rasch sehr eng werden. Wenn etwa, wie bei Hannah, das Kind über Nacht krank wird. Hannah ist in einer Zwickmühle: Zwei unvereinbare Dinge sind zu tun – die Kleine pflegen und zur Arbeit gehen.

Jetzt sind Improvisationstalent und ein kühler Kopf gefragt. Hannah hat sich (nach Scharlach im letzten Jahr) einen Krisenplan zurechtgelegt. Den braucht sie nur Punkt für Punkt durchzugehen: 1. Arbeitgeber anrufen und Verspätung ankündigen, 2. Betreuung für die Tochter organisieren, 3. zum Arzt und dann zur Oma fahren, 4. bei der Arbeit das Nötigste erledigen und für den nächsten Tag Pflegeurlaub nehmen.

Da jede Krise anders aussieht, kann man sich nie hundertprozentig darauf vorbereiten. Ein Krisenplan mit wichtigen Telefonnummern sowie hilfreiche Mitmenschen, die im Notfall kurzfristig einspringen, sind für Alleinerziehende äußerst wertvoll.

Krisen haben immer auch etwas Schicksalhaftes. Es sind Aufgaben von unterschiedlichem Ausmaß, die das Leben einfach so stellt. Die wenigsten Krisen haben etwas mit der Familienform  zu tun, oder werden gar von ihr verursacht!

Als Krise möchte Helmut es nicht bezeichnen, was vergangenen Freitag passiert ist, aber ein kleiner Notfall war es doch: Begonnen hat es mit der Eintragung im Mitteilungsheft von Helmuts sechsjährigem Sohn: „Wegen Erkrankung der Klassenlehrerin entfallen morgen die letzten zwei Stunden.“

Montag bis Mittwoch besucht Helmuts Sohn die Nachmittagsbetreuung, Donnerstag und Freitag wird er von seiner „Leihoma“ abgeholt. Glücklicherweise hatte diese kurzfristig zwei Stunden früher Zeit. Aber: „… dann hat sie mich fünf Minuten vor Schulschluss am Handy angerufen, weil es eine Störung bei den öffentlichen Verkehrsmitteln gab“, erzählt Helmut. „Da habe ich nur gedacht, hoffentlich erinnert sich mein Sohn daran, was wir so oft besprochen haben.“

Weil immer etwas Unvorhergesehenes passieren kann, hat Helmut seinem Sohn vom ersten Schultag an erklärt: „Wenn niemand da ist, um dich abzuholen, warte im Eingangsbereich der Schule. Leihoma Heidi oder ich kommen ganz bestimmt.“

Manchmal ist Improvisieren angesagt, aber auf vieles kann man sich rechtzeitig vorbereiten. Dass Schulstunden entfallen, Verkehrsmittel streiken, Termine länger dauern oder Babysitter krank werden passiert jeder Familie irgendwann. Einen „Plan B“ können Sie schon im Vorhinein mit allen Beteiligten besprechen und immer wieder in Erinnerung rufen. Dann klappt es so gut wie bei Helmuts Sohn, der auf einer Bank vor dem Lehrerzimmer friedlich den Rest seiner Schuljause verzehrt, als seine Leihoma gelaufen kommt.“

Tipps
  • Machen Sie sich Notfallpläne für die verschiedenen Situationen, die plötzlich eintreten können und in denen Sie Unterstützung brauchen.
  • Probleme und Schwierigkeiten gehören zum Leben. Sehen Sie nicht Ihre Familienform als Ursache dafür.
  • Da Krisensituationen viel Energie benötigen, nehmen Sie Gesprächs- und Entlastungsangebote an.
  • Achten Sie auch in Problemsituationen auf Pausen. Im Stress kann man schwer Entscheidungen treffen oder gezielt handeln.
  • Melden Sie sich bei Arbeitslosigkeit rasch beim AMS und begeben Sie sich aktiv auf Jobsuche.
  • Wenn Schwierigkeiten bewältigt werden müssen, geraten auch Kinder leicht in einen negativen Stresszustand. Achten Sie auf Überforderungszeichen Ihrer Kinder, und bemühen Sie sich um Unterstützung.
  • Wenn die Lösung von Schwierigkeiten längere Zeit in Anspruch nimmt, kann es zusätzlich zu seelischer Belastung kommen. Nützen Sie Beratungs- bzw. Begleitungsangebote.

Jobverlust – was nun?
Ein unfreiwilliger Jobverlust wird oft als Scheitern erlebt und ist eine psychische Belastung. In Gesprächen mit guten Freunden und Freundinnen werden Sie bald die Chance auf Neuorientierung erkennen. Ein Leben lang denselben Job zu haben ist heute nicht mehr üblich. Eine Jobsuche oder eine neue Ausbildung ist heute nichts Ungewöhnliches.

Melden Sie sich so bald wie möglich bei Ihrer regionalen Geschäftsstelle des AMS. Sagen Sie Freunden, Bekannten, ehemaligen Kollegen und Kolleginnen, dass Sie auf Jobsuche sind. Bewerben Sie sich nicht nur für offene Stellen, sondern bei verschiedenen Unternehmen in der Branche, die Sie interessiert und für die Sie qualifiziert sind.


Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Zeit für Plan B
Seite 2 Jobverlust – was nun?


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