Freitag, 22. Februar 2019

Wir lassen uns helfen und Ich schau auf mich

20. Oktober 2011
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Es gibt viele Möglichkeiten, sich gelegentlich Abstand vom Alltag zu verschaffen. Sie alle sind kostbar und fördern Gesundheit und Wohlbefinden.

Illustration: Carola Holland
„Einmal pro Woche, meistens am Freitag, darf ich bei meiner Oma schlafen. Oma kocht mir dann mein Lieblingsessen, nämlich Grießnockerlsuppe und Apfelstrudel. Abends kuscheln wir lange im Bett und Oma erzählt mir Geschichten aus ihrer Kindheit. Oma war ein richtiges Lausmädl als Kind,“ erzählt Michael freudestrahlend. Michael hat eine cerebrale Bewegungsstörung. Er benützt einen Rollstuhl. Für seine Großmutter ist das kein Problem: „Michael ist schon recht selbständig, ich freu mich immer schon auf den Freitag. Er ist so ein feiner Zuhörer, wenn ich meine alten Geschichten zum Besten gebe. Die Geschichten, die schenk ich ihm für sein Leben.“

Es ist wichtig für Kinder, auch außerhalb der Kleinfamilie Bezugspersonen zu haben. Es ist für alle entlastend, wenn es da noch jemanden zum Reden gibt, wenn man mit Mama und Papa Krach hatte oder einfach einmal Auszeit von der Familie braucht. Für Eltern ist es im Gegenzug sehr beruhigend zu wissen, dass es auch andere wichtige Menschen im Leben ihrer Kinder gibt.

Manche Eltern haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie sich Auszeiten nehmen. Dem ist entgegen zu halten, dass es in ihrer Verantwortung liegt, langfristig auf ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu achten. Ist es nicht eine Lebensaufgabe des Menschen, ein gesundes Gleichgewicht an Geben und Nehmen, an Energieverbrauch einerseits und Auftanken andererseits zu entwickeln? In welcher Form das geschieht, ist sehr individuell. Ein erster Schritt ist oft die bewusste Auseinandersetzung mit dem Thema.

Hilfreiche Gedanken
  • Wer fällt Ihnen als Betreuungsperson für Ihr Kind ein? Großeltern,
  • Tanten, Onkel, ein/e Freund/in, jemand aus der Nachbarschaft oder von der Selbsthilfegruppe?
  • Was brauchen Sie im Besonderen, um Ihr Kind mit Behinderung für eine gewisse Zeit jemandem anvertrauen zu können?
  • Stellen Sie sich vor, wie wichtig es für Ihr/e Kind/er ist, auch einmal etwas ohne Eltern zu unternehmen.
  • Beginnen Sie mit kurzen Phasen, vielleicht möchten Sie anfangs in der Nähe bleiben.
  • Sprechen Sie über Ihre Bedenken, aber behalten Sie das Ziel vor
  • Augen, nämlich Ihrem Kind diese Erfahrungen von Selbständigkeit zu ermöglichen.
  • Versuchen Sie, sich in die Position Ihres Kindes zu versetzen.
  • Stellen Sie sich vor, wie viel größer die Welt Ihres Kindes wird, wenn es ohne Eltern etwas unternimmt und welche neuen Erfahrungen es dabei sammeln kann.
  • Vielleicht fällt es Ihrem Kind schwer, sich von Ihnen zu trennen. Überprüfen Sie Ihre eigene Einstellung dazu. Kinder haben ganz feine Fühler dafür, wenn Mama oder Papa Zweifel oder Ängste haben. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber: „Dass du heute alleine bei … bleibst, ist ganz neu für uns alle. Fühlt sich komisch an im Bauch, auch in meinem. Aber es ist gut für uns …“
  • Wenn das Loslassen nicht gleich problemlos gelingt, üben Sie die Situation. Bleiben Sie dran, es lohnt sich!


Auszeiten braucht jeder Mensch. Aus dem Alltagstrott aussteigen und etwas für sich tun bereichert jedes Zusammenleben. Sich mit Freundinnen/Freunden treffen, ein Kino- oder Theaterbesuch, ein Spaziergang, ein Auszeitwochenende für die Eltern, aber auch einmal eine Nacht bei Oma und Opa für die Kinder. Auszeit alleine zu verbringen, oder als Familie, als Elternpaar, ein Elternteil einmal alleine mit einem Kind, es gibt viele Möglichkeiten der Gestaltung. Alle helfen sie, das Leben wieder aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.

„Wegfahren kann ich mir nicht leisten. Aber ich habe mir eine Schülerin aus der Nachbarschaft gesucht, die ein Mal pro Woche einen Abend auf meine Kinder aufpasst. In dieser Zeit kann ich etwas ganz für mich unternehmen. Diese freien Stunden tun mir unglaublich gut,“ schwärmt Edith, eine alleinerziehende Mutter. „Ich muss mich nur rechtzeitig ums Planen kümmern. Wenn ich schon sehr ausgelaugt bin, fehlt mir oft die Kraft, mir eine Auszeit zu organisieren.“

Eine Familie erfolgreich zu managen, erfordert eine gute Zeiteinteilung. Da Sie Ihre Arbeit selbständig einteilen und planen, ist es umso wichtiger, auf Auszeiten zu achten. Es gibt Ihnen ja niemand frei und lobt Sie für Ihren Fleiß, wenn Sie fertig sind. Sie sind Ihr/e eigene/r Chef/in!


ANLEITUNG FÜR EINEN AUSZEITKALENDER
  • Erwerben Sie im Papierfachhandel einen Jahresplaner.
  • Gestalten Sie ihn gemeinsam mit Ihrer Familie ganz persönlich. Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf.
  • Besondere Symbole für verschiedene Termine helfen Ihrem Kind und Ihnen, sich zu orientieren, schaffen Struktur und verhelfen dem Thema Auszeiten zu einem gebührenden Platz.
  • Beispiele für Symbole: Notenschlüssel für Tanzabend, Blume für Familienrat, Wellen für gemeinsamen Familienurlaub, Lagerfeuer für Ferienaufenthalt des Kindes, Fußball für Sport, Hängematte für Auszeit alleine, …
  • Platzieren Sie den Kalender an einem zentralen Platz in Ihrer Wohnung, z.B. an der Küchentür.


Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Wir lassen uns helfen und Ich schau auf mich
Seite 2 Tipps Auszeit für Eltern


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