Donnerstag, 21. Februar 2019

Wegweiser zum Glück

23. Januar 2012
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Alte Verletzungen und hohe Erwartungen – das bringen Sie mit, wenn Sie sich nach einer gescheiterten Beziehung wieder binden. Deshalb braucht Ihre neue Partnerschaft besonders viel Sorgfalt und bewusste Pflege.

Illustration: Carola Holland
Sonntags um halb acht Uhr in der Früh: Monika kuschelt sich an ihren Freund und freut sich auf eine weitere Runde verdienten Schlaf. Plötzlich sind Eindringlinge unter der Bettdecke! Annika (3) und Ferdi (5) haben beschlossen, dass es Zeit zum Aufstehen ist. Monika reagiert genervt. Sie hat sich ja damit abgefunden, dass sie jedes zweite Wochenende Stiefmutter ist. Aber dieser Sonntag war eigentlich „kinderfrei“ geplant, bis seine Exfrau wieder einmal kurzfristig tauschte. „Du tanzt immer noch nach ihrer Pfeife“, wirft Monika ihrem Freund an den Kopf und zieht sich wütend in die Küche zurück. Vor dem ganztägigen Kinderprogramm braucht sie erst einmal einen Kaffee.

Während die Kinder mit den Bettdecken Höhlen bauen, folgt Monikas Freund ihr in die Küche. „Du hast recht, das war zu kurzfristig. Ich freue mich halt immer, wenn die Kinder kommen. Und wir beide hatten diesmal keine Pläne. Ich werde ab sofort jede Änderung vorher mit dir absprechen, ok?“

Mit dieser Regelung ist Monika einverstanden. „Und wie gestalten wir den heutigen Tag? Ich bin nicht in Stimmung für Kinderprogramm.“

Im Zusammenleben gibt es Konflikte, die sich nicht lösen lassen, sondern nur regeln. Monika und ihr Freund stehen an diesem Sonntagmorgen vor Dingen, die sie nicht auf einen Nenner bringen können. Sinnvoll ist hier eine Vorrangregelung wie an einer Straßenkreuzung: Beide benennen ihre Standpunkte und vereinbaren, wer wann grünes Licht bekommt.

„Was hältst du davon, wenn ich heute mit den Kleinen in den Zoo gehe, und du Zeit für dich hast?“, schlägt Monikas Freund vor. Sie antwortet: „In Ordnung. Ich bringe abends Pizza für alle und eine DVD für uns beide.“

Häufige Gespräche zu zweit sind für Patchwork-Paare doppelt wichtig. Der Austausch über Lebens- und Zukunftspläne stärkt die Beziehung und gibt jedem die Sicherheit, für den anderen an erster Stelle zu stehen. So muss keiner mit den Kindern um die Aufmerksamkeit des anderen wetteifern.

Manchmal ist es hilfreich, sich die neue Beziehung wie ein weiteres Kind vorzustellen: Sie braucht ebenso Zeit und kann nicht nebenher laufen. Sie muss zu bestimmten Terminen Vorrang vor allem anderen haben. Sie hat Verlässlichkeit und Klarheit verdient .Je stabiler die Partnerschaft der Erwachsenen ist, desto sicherer ist das Fundament der ganzen Patchworkfamilie. Wie aber lassen sich alte Falltüren und Sackgassen vermeiden?

Dorothea und Carl wurden in ihren späten Vierzigern ein Paar. Beide hatten vorher zwei weitere langjährige Beziehungen. Jetzt leben sie mit Dorotheas fast erwachsenen Töchtern in einem Häuschen am Land. Ihre Beziehung beschreiben sie mit „dem Gefühl, angekommen zu sein“. Am wichtigsten ist ihnen, frühere Fehler nicht zu wiederholen und keine Kränkungen mehr zu erleben. Dorothea räumt ein: „Missverständnisse kommen vor. Meist haben sie mit alten Mustern zu tun, die einer von uns im Kopf hat. Zum Beispiel habe ich gestern im Scherz zu Carl gesagt, dass seine Jeans schon bessere Zeiten gesehen haben. Er war sofort sauer. Etwas später hat er erzählt, dass seine Exfrau ständig etwas an seinem Aussehen zu bekritteln hatte. Das konnte ich ja nicht wissen.“

Carl ergänzt: „Viele Muster haben wir durch Reden schon beseitigt. Dann und wann taucht noch eines auf. Inzwischen wissen wir, wie wir damit umgehen: offen und ehrlich.“

Das Paar konzentriert sich nicht darauf, Fehler zu vermeiden, sondern darauf, was gut tut. „Wir sprechen aus, was wir an unserer Beziehung schätzen.“

Diese so genannten positiv beschreibenden Rückmeldungen sind nichts anderes als Wegweiser zum Glück.

Tipps
  • Nehmen Sie sich immer wieder Zeit, um als Paar ohne Kinder gemeinsam Zeit zu verbringen.
  • Tauschen Sie sich über Ihre Erwartungen bezüglich Partnerschaft aus, und machen Sie gemeinsam Zukunftspläne.
  • Machen Sie sich Ihre Beziehungsfähigkeiten bewusst und bringen Sie diese in die Partnerschaft ein.
  • Sagen Sie Ihrem Partner/Ihrer Partnerin, was Sie verletzt und wo Sie empfindlich sind.
  • Nehmen Sie Rücksicht auf „wunde Punkte“ Ihres Gegenübers.
  • Lassen Sie sich beraten, wenn Sie sich mit dem Abschließen der früheren Beziehung schwer tun oder immer wieder mit Problemen durch den Expartner/die Expartnerin konfrontiert werden.
  • Besuchen Sie gemeinsam ein Partnerschafts- oder Kommunikationsseminar. Erkundigen Sie sich über die Angebote in Ihrer Nähe.
  • Stellen Sie sich ab und zu vor, wie Sie gemeinsam alt werden können.
Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Wegweiser zum Glück
Seite 2 Wussten Sie, dass ...


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