Montag, 16. September 2019

Urlaub der Nächstenliebe

Ausgabe 2013/10
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„Global Family“ ermöglicht vom Schicksal gebeutelten Familien einen Urlaub im Luxushotel. Besonders für Kinder ist dieser Urlaub eine Erinnerung an das Paradies.


Foto: Manuel Simbürger

Darf ich Sie bitte mit nach Hause mitnehmen?“, fragt Loretta (42, Altenpflegerin aus Oberösterreich) die Kellnerin, die gerade das abendliche Dessert (Powidl-Briochepofesen mit gelbem Pflaumen-Tonkabohneneis) serviert. Ein Scherz natürlich, aber doch mit einem Fünkchen Wahrheit: Loretta ist es gewohnt, zu arbeiten, rund um die Uhr, für andere da zu sein, zu helfen, zu kämpfen. Ihr Leben sind ihre beiden Söhne Michael (12) und Daniel (9). Sie ist Alleinerzieherin – das ist schon schwierig genug. Daniel aber ist ein schwerbehinderter (und sehr liebenswürdiger) Junge, der an einem äußerst seltenen Chromosomendefekt leidet: Daniel kann nicht gehen, wiegt nur 13 Kilogramm, leidet an einer stark ausgeprägten Gewebsschwäche. „Mama“ kann er sagen, ansonsten artikuliert er sich in babyähnlichen Lauten. Auch kauen ist für den Buben nicht möglich, er ernährt sich von flüssigen und pürierten Speisen (das aber mit Appetit und genussvoll!) und muss gefüttert werden. Zusätzlich plagen ihn schwerste Verdauungsstörungen, er leidet an Neurodermitis. Die Ärzte bezeichnen Daniels Krankheit als „Schicksal des Himmels“. Für Loretta heißt das: Aufopferung ohne Hinterfragen. Natürlich, sie tut es gerne: „Meine Söhne sollen sehen, dass das Leben auch seine schöne Seiten hat.“ Trotzdem, es zehrt an den eigenen Kräften – insbesondere, wenn das Kind seinen eigenen Schlafrhythmus hat und Loretta seit 9 Jahren keine Nacht mehr durchgeschlafen hat. Sie scheint fast vergessen zu haben, dass auch sie es ist, die Erholung braucht. Nein: der Erholung zusteht.

Global Family. Wir befinden uns im 4-Sterne-Wellness- und Sporthotel Alpina in St. Johann im Pongau. Loretta und ihre Söhne residieren hier sechs Tage lang, genießen das köstliche Essen, die letzten sommerlichen Sonnenstrahlen und das herrliche Bergpanorama. Und natürlich die Salzburger Gastfreundlichkeit, denn die Familie wurde von den Hotelbesitzern Erwin und Sabine Schwarz eingeladen. Organisiert hat diesen Urlaub die touristische Menschenrechts- und Hilfsorganisation „Global Family Charity Resort e.V.“. Die Non-Profit-Institution, die von Prominenten wie Cathy Zimmermann, Reinhard Nowak oder Otto Waalkes unterstützt wird, nimmt sich Familien an, denen das Leben nicht nur Steine, sondern Felsen in den Weg gelegt hat. Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt wurden, zum Beispiel, oder Familien im Zeugenschutzprogramm. Auch Flüchtlings- und Katastrophenopfer, Kinder, die missbraucht wurden, Elternteile, die an Krebs erkrankt sind, und vor allem Familien mit schwer behinderten Kindern werden von „Global Family“ unterstützt. Indem die Organisation diesen Menschen eine Woche Urlaub in den schönsten und luxuriösesten Hotels Österreichs ermöglicht. Einziges Kriterium: Die betroffenen Personen können sich einen eigenen Urlaub aufgrund ihrer Situation finanziell nicht leisten. Oft leben die Familien, die an „Global Family“ vermittelt werden, von der Mindestsicherung.

Sport- und Wellnesshotel Alpina in St. Johann/Pongau
  • Das Hotel. Im Landhaus-Stil eingerichtet und umgeben von einem herrlichen Bergpanorama, inkl. Leseecke, Sonnenterrasse, Jagdecke und Garde- und Zirbenstube. Für die Kleinen gibt es einen bunten Freizeitraum und einen Mini-Club unter der Aufsicht von ausgebildeten Kinderbetreuerinnen.
  • Fitness. U. a. Lagunenhallenbad, Fitnessstudio (mit Personal Trainer), Basketballplatz, Minigolfbahnen und Tennisplatz. Im Winter hervorragend zum Skifahren, da sich der Skilift direkt vor der Haustür befindet und das Hotel einen eigenen Skiservice sowie eine Skischule anbietet.
  • Wellness. Spa mit Asia-Schwerpunkt: asiatische Bäder, Massagen, Kosmetik-Behandlungen etc. Die Saunalandschaft beinhaltet ein Familiendampfbad, eine f innische Sauna, Kräutersauna, Dampfbad, Infrarotkabine, Soledampfbad und einen Ruheraum.
  • Kulinarik. Köstliche regionale und saisonale Produkte. Im Hotel befindet sich auch ein Bistro. Einmal in der Woche führt Hotelbesitzer Erwin Schwarz interessierte Gäste durch seinen reich ausgestatteten Weinkeller.

Kinder werden zu Kämpfern. Ein luxuriöser Urlaub – ist es das, was diese von Schicksalsschlägen gebeutelten Menschen brauchen? Ja, ist „Global Family“-Gründer Karl G. Auer überzeugt. „Urlaub ist Menschenrecht!“, betont er. „Und dieses Recht wollen wir auch für Unterprivilegierte durchsetzen.“ Der Ex-Journalist und PR-Profi hatte selbst eine sehr schwere Kindheit und weiß, was es heißt, wenigstens für einen kurzen Zeitraum dem Alltag entfliehen zu können. „Leute, denen es schlecht geht, müssen aus ihrer Misere rausgerissen werden. Man muss ihnen etwas Positives zeigen. Das erzeugt Mut und Hoffnung.“ Besonders für Kinder ist dies von größter Bedeutung. „Durch unseren Urlaub werden Kinder zu Kämpfern“, berichtet Auer aus Erfahrung. Medizinisch weiß man: Erleben Schwerkranke etwas Positives, verbessern sich deren Werte.  Auer: „Urlaub bedeutet für viele Kinder, Erinnerung an das Paradies zu haben. Sie bekommen wieder Vertrauen in das Leben zurück. Auch wenn sie arm bleiben, bleibt diese wertvolle Erinnerung.“ Aber nicht nur das: Oft reicht die Betreuung durch „Global Family“ über den einwöchigen Urlaub hinaus; sie hilft z. B. bei der Jobsuche.

Daniel blüht auf. Loretta kam durch den Verein „Inn-Kids“ und den ortsansässigen Motorradclub an „Global Family“ – und ist sehr dankbar für diese Chance. „Bereits am zweiten Tag merkte ich, wie Daniel hier aufblüht“, erzählt sie uns nicht ohne Erleichterung. „Er lacht sehr viel – und auch, wenn er es nicht aussprechen kann, merkt man, dass er sich hier wohlfühlt.“ Auch Daniels Bruder Michael ist vom Hotel Alpina und den vielen Sportmöglichkeiten begeistert. Mit seiner Mama und seinem Bruder genießt er das Lagunenhallenbad. „Ich kann es kaum erwarten, meinen Freunden zu erzählen, dass ich in einem 4-Sterne-Hotel war!“, lacht er. Und Loretta selbst? „Ich merke, wie ich wieder Energie tanke und den Kopf frei bekomme.“ Dem „Global Family“-Konzept stimmt sie vollends zu: „Auch wenn es ein einmaliger Urlaub ist: Man hat es einmal im Leben genießen dürfen. Das ist ein Geschenk.“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Urlaub der Nächstenliebe
Seite 2 Tapferer Schmetterling

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