Donnerstag, 29. Oktober 2020

...und welche Unterstützung Sie beantragen können

25. Oktober 2011
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Alle Menschen sind gleich an Rechten und Würde geboren. Artikel 1, Menschenrechtserklärung

Illustration: Carola Holland
Ist ein Mensch behindert oder wird er behindert? Die UN-Konvention bezieht dazu eindeutig Stellung. „Behinderung entsteht, wenn Menschen mit Beeinträchtigungen auf einstellungs- und umweltbedingte Barrieren stoßen, die sie an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilnahme am gesellschaftlichen Leben hindern.“ Um diese Barrieren – auch in den Köpfen der Menschen – zu beseitigen, braucht es noch viel Arbeit, Information und Bewusstseinsbildung.

UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen

2006 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) die Konvention zum Schutz und zur Förderung der Rechte von Menschen mit Behinderungen verabschiedet. Damit liegt erstmals ein internationales Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen vor, das den Schutz der in zahlreichen UN-Konventionen und Deklarationen geregelten Menschenrechte aus dem spezifischen Blickwinkel behinderter Menschen regelt. 2008 hat Österreich als einer der ersten Staaten diese UN-Konvention ratifiziert und sich damit verpflichtet, die Gesetzgebung für behinderte Menschen so auszurichten, dass die in der Konvention geregelten Rechte verwirklicht werden und eine gesellschaftliche Entwicklung in Gang gesetzt wird, die Menschen unabhängig von der Art und vom Schweregrad ihrer Behinderung als vollwertige und gleichberechtigte Bürger/innen ihres Landes anerkennt.

Die Grundprinzipien der UN-Konvention sind
  • Inklusion,
  • Barrierefreiheit,
  • Partizipation und
  • Selbstbestimmung

Auch heute noch müssen Menschen mit Behinderungen und deren Familien um ihre Rechte kämpfen. Die praktische Umsetzung der Konvention – egal ob in der inklusiven Bildung vom Kindergarten über die gesamte schulische Laufbahn bis zur Universität, beim Wohnen oder bei der persönlichen Mobilität, bei Arbeit und Beschäftigung – ist noch ein weiter Weg.

Die UN-Konvention ist deshalb so wichtig, weil sich Österreich mit der Unterzeichnung zu einer vollständigen Umsetzung der Konvention verpflichtet hat. Um diese Verpflichtung zu überwachen, wurde ein unabhängiger Monitoringausschuss eingerichtet, der Stellungnahmen verfasst und öffentliche Sitzungen abhält. Nähere Informationen finden Sie unter www.monitoringausschuss.at.

Sozialrechtliche Informationen
Therapien, Fördermaterial, ein spezielles Familienauto, Hilfsmittel und vieles mehr kosten Geld bzw. sind Selbstbehalte von Ihnen zu finanzieren. Dafür hat der Staat auch rechtliche Rahmenbedingungen und finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten geschaffen.

Erhöhte Familienbeihilfe
können Sie ab der Geburt beim Finanzamt beantragen. Die dafür erforderliche ärztliche Bescheinigung über den Grad der Beeinträchtigung stellt das Bundessozialamt aus. Erhöhte Familienbeihilfe wird bis zu 5 Jahren rückwirkend ausbezahlt. Bei kleinen Kindern werden die Voraussetzungen regelmäßig überprüft. Der Bezug ermöglicht einen monatlichen Steuerfreibetrag. Weitere Vorteile, die mit dem Bezug der erhöhten Familienbeihilfe zusammenhängen, erfahren sie beim Bundessozialamt. Falls Sie Pflegegeld beziehen, vermindert die erhöhte Familienbeihilfe die Höhe des Pflegegeldeanspruchs.

Pflegegeld

Wenn ein zusätzlicher Pflegeaufwand von monatlich durchschnittlich mehr als 50 Stunden besteht, haben Sie ab der Geburt Ihres Kindes einen Rechtsanspruch auf Pflegegeld. Der Antrag auf Pflegegeld kann formlos bei einer Behörde (Gemeinde, Magistrat) eingebracht werden. Bei Kindern mit einer Beeinträchtigung ist der erhöhte Pflegeaufwand im Vergleich zu nicht beeinträchtigten Kindern nur schwer feststellbar. Das Führen eines „Pflegetagebuchs“ kann Ihnen helfen, sich bewusst zu machen, wann, wo und wieviel Unterstützung und Hilfe Ihr Kind im Alltag benötigt. Diese schriftliche Dokumentation kann im Gespräch mit dem Arzt/der Ärztin, der/die den Pflegeaufwand einschätzen muss, sehr hilfreich sein. Bei manchen Sozialberatungsstellen können Sie vorgedruckte Pflegetagebücher zum Ausfüllen erhalten. Ein Pflegetagebuch speziell für Kinder können Sie bei der Lebenshilfe Oberösterreich kostenlos bestellen: www.ooe.lebenshilfe.org. Ab dem 15. Lebensjahr gelten für die Einstufung von Kindern dieselben Kriterien wie bei Erwachsenen.

Gratiswindeln

können ab dem vollendeten dritten Lebensjahr des Kindes bei manchen Krankenkassen beantragt werden. Fragen Sie bei Ihrer zuständigen Krankenkasse konkret nach dieser Möglichkeit. Sie brauchen dazu einen Verordnungsschein von Ihrer/ Ihrem Ärztin/Arzt, auf dem der Bedarf und die Behinderung bestätigt sind.


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