Dienstag, 19. Februar 2019

Späte Mutter oder junge Oma?

24. Januar 2012
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Seit Sie im Alter Ihres Kindes waren, hat sich vieles verändert. Lassen Sie sich mitreißen, und betrachten Sie die Welt noch einmal mit Kinderaugen.

Illustration: Carola Holland
„Meine Güte, was für ein süßer Bub!“ Die Kellnerin beugt sich über den Buggy. „Na, Kleiner, bist du heute mit Oma und Opa unterwegs?“

Wenn Konstantin schon besser reden könnte, würde er antworten: „Nein, das sind Mama und Papa!“ So klären diese selbst die freundliche Kellnerin auf: „Wir sind die Eltern, und sehr stolz darauf.“

Eine solche Situation kann verletzend sein. Scham oder Verteidigung sind aber nicht angebracht. Sagen Sie selbstbewusst die Wahrheit. Ihrem Gegenüber ist die Situation vermutlich peinlicher als Ihnen. Lächeln Sie, und gehen Sie darüber hinweg.

Auch vor Ihrem Kind müssen Sie sich nicht dafür genieren, dass Sie älter sind als die Eltern seiner Freunde und Freundinnen. Patrizia ist 49 und holt ihren Sohn regelmäßig von der Schule ab. Eines Tages hört sie ein Gespräch seiner Mitschüler mit: „Das ist sicher die Oma vom Michael! Die hat schon so viele Falten.“

Einen Moment lang ist es ihr unangenehm, aber dann denkt Patrizia: „Sie haben ja recht, vom Alter her könnte ich die Oma sein. Ich bin stolz auf mein Leben, also muss ich die Spuren nicht verstecken, die es hinterlassen hat.“ Sie lächelt den Schülern zu, mischt sich aber nicht in ihr Gespräch ein. Daheim versucht sie, aus den Erzählungen von Michael herauszuhören, ob er manchmal ausgefragt oder gehänselt wird. Doch das passiert zum Glück nicht.

Mit der steigenden Anzahl später Eltern wandelt sich ihr Bild in der Öffentlichkeit. Es wird immer normaler, dass sich auf dem Spielplatz und vor der Schule Eltern jeden Alters über ihre Kinder unterhalten.

Im Fußballverein hat Michael einen älteren Freund, Jakob, dessen Mutter schon fast 60 ist. Jakob erzählt: „Dass sie älter ist als andere Mütter, habe ich lange gar nicht so wahrgenommen. Sie ist halt meine Mama.“ Der Teenager ist aber auch kritisch: „Mich nervt, wenn sie sagt, zu ihrer Zeit war das ganz anders. Sie tut so, als wären wir hundert Jahre auseinander.“ Grundsätzlich ist Jakob stolz auf seine Eltern: „Sie ziehen sich gut an und unternehmen viel zusammen. Das finde ich toll. Freunde von mir haben Eltern, die ihre CDs ausborgen und Kleidung tauschen wollen. Das ist echt uncool!“

Versuchen Sie nicht, jugendlicher zu sein als die Jugendlichen. Sie bekommen mehr Achtung und Respekt von der nächsten Generation, wenn Sie sich Ihrem Alter entsprechend kleiden und benehmen. Kindern ist ein Elternteil, der sich absichtlich jugendlich gibt, meist peinlicher als einer, der mit beiden Beinen im Leben und zu seinem Alter steht.

Tipps
  • Bauen Sie sich ein gutes Netzwerk auf. Pflegen Sie regelmäßige Kontakte zu Leuten, in deren Gesellschaft Sie sich wohl fühlen.
  • Knüpfen Sie neue Kontakte und wagen Sie auch selbst einmal den ersten Schritt. Es wird sich auszahlen!
  • Bleiben Sie offen für Neues (z.B. Internet …) und lassen Sie sich auch einmal etwas von Ihrem Kind beibringen.
  • Erziehung früher und Erziehung heute – da gibt es Unterschiede. Wichtig ist: Verlassen Sie sich in Erziehungsfragen auf Ihr Herz und Ihre Intuition!
  • Sie müssen nicht alle Aktivitäten mit Ihrem Sprössling selbst ausüben. Einige Aktivitäten können Sie, je nach Vorlieben, ruhig auch an Verwandte, Freunde, … delegieren.
  • Ermöglichen Sie Ihrem Kind den Kontakt mit anderen Kindern. Es lernt dabei, Sozialkontakte mit Gleichaltrigen zu knüpfen, macht seine eigenen Erfahrungen in der Gruppe, taucht in neue Lebenswelten ein und lernt, darin Gestaltungsmöglichkeiten zu entdecken.
  • Gehen Sie als späte Eltern davon aus, dass Sie genauso viel Lebenszeit mit Ihrem Kind teilen werden wie jüngere Eltern! Dann laufen Sie nicht Gefahr, Ihr Kind „zum Ausgleich“ besonders stark an sich zu binden oder es umgekehrt zu früh in die Selbstständigkeit zu drängen.

Übersicht zu diesem Artikel:
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