Sommer ohne Sorgen

Ausgabe 2019.06

Wenn die Sonne scheint, will keiner das Bett hüten. Aber leider bleiben vielen von uns auch im Sommer gesundheitliche Beschwerden nicht erspart. GESÜNDER LEBEN stellt die häufigsten neun Erkrankungen vor und zeigt, wie man sich vor ihnen schützt. 


Foto: © iStock_ skynesher

Schwimmen im Freibad, der Eiscafé auf der Terrasse und laue Grillabende mit Freunden – sommerliche Temperaturen sorgen für mehr Lebenslust und gute Laune. Am Strand oder auf der Gartenliege schweifen die Gedanken oft auch einmal in die Ferne, aber ans Krankwerden denkt man vermutlich als Letztes. Doch: Auch im Sommer lauern einige gesundheitliche Gefahren. Zu viel Hitze, zu wenig Flüssigkeit, trockene Luft sowie Viren und Bakterien belasten den Körper und führen nicht selten zu unerwünschten Beschwerden. Wir zeigen, wie Sie gesund durch die warme Jahreszeit kommen!


SOMMERGRIPPE
Erkältungen suchen einen nur im Winter heim? Fehlanzeige! Gerade im Sommer fühlen sich Krankheitserreger wohl und vermehren sich schnell. Verbringt man obendrein noch schwitzend viel Zeit in Klimaanlagen-gekühlten Räumen, bedeutet das Strapazen für unser Immunsystem, die für eine höhere Infektanfälligkeit sorgen. Die Folge: Atemwegserkrankungen, Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit, zuweilen Fieber, Bauchschmerzen und Durchfall.

Was hilft?
Die gute Nachricht: Sommergrippale Symptome sind meist milder und klingen schneller ab – und das meist von ganz allein. Betroffene sollten sich schonen, viel trinken, vitaminreich essen und gegebenenfalls entzündungshemmende Arzneimittel zu sich nehmen. Tritt innerhalb von drei bis vier Tagen keine Besserung ein, empfiehlt es sich, einen Arzt aufzusuchen. Vorsichtiger sollten hingegen Menschen mit einem ohnehin schon geschwächten Immunsystem (z. B. nach einer Krebstherapie etc.) bzw. Eltern von erkrankten Neugeborenen sein. Sie sollten unmittelbar einen Mediziner kontaktieren und Rat einholen.

So beugen Sie vor
Waschen Sie sich mehrmals täglich die Hände mit Seife und meiden Sie Klimaanlagen, um sich vor einer Virenübertragung durch Tröpfchen zu schützen. Bewegung an der frischen Luft und ausgewogene Ernährung wappnen einen zusätzlich vor unerwünschten Eindringlingen.


VERDAUUNGSPROBLEME
Darmprobleme im Sommer können unterschiedliche Ursachen haben: Sowohl zu kalte als auch zu schwere und fette Speisen können einem auf den Magen schlagen und zu Blähungen, Verstopfung oder Durchfall führen. Zudem besteht gerade im Sommer die Gefahr, dass die Kühlkette von konsumierten Lebensmitteln unterbrochen wird, sie schneller verderben und Keime in den Körper gelangen.

Was hilft?
Trinken Sie bei Durchfall am besten ungesüßten Tee und laues Wasser. Eine Wärmeflasche trägt ein weiteres Scherflein zur Genesung bei. Achten Sie auf leichte Kost wie fettfreie Gemüsebouillon oder Haferschleim; hungern Sie aber nicht. Arzneimittel, welche die Darmflora regulieren, können ebenfalls helfen.

So beugen Sie vor
Achten Sie, so möglich, auf hygienisch zubereitete und auch aufbewahrte Speisen. Verzichten Sie auf schlecht gekühlte Milchprodukte und nehmen Sie sich – gerade im Urlaub – die altbekannte Formel „peel it, boil it, cook it – or leave it“ (schälen, kochen, braten oder verzichten) zu Herzen.


SCHEIDENINFEKTION
Hitze, Schweiß, nasse Badebekleidung und Chlorwasser bringen die Balance der Scheidenflora ins Wanken und begünstigen dadurch die Entstehung von Vaginalinfektionen. Zu den häufigsten Auslösern gehört der Hefepilz Candida albicans, der zu Ausfluss und unangenehmem Juckreiz führt. Im schlimmsten Fall kann eine unbehandelte (und evtl. asymptomatische) Scheideninfektion zu Unterleibsentzündungen (Gebärmutter, Eileiter, Eierstöcke, Blase) führen.

Was hilft?
Von Selbstmedikation ist abzuraten, da die Ursachen der Symptome unterschiedlich sein können. Handelt es sich um eine Pilzinfektion, werden Antimykotika (meist in Form von Salben und Zäpfchen) verschrieben. Sind hingegen auch Bakterien im Spiel, ist die Einnahme von Antibiotika ratsam. Sie sollten gemeinsam mit Scheidenkapseln, die Milchsäurebakterien enthalten, eingenommen werden, um keinen Nährboden für erneute Infektionen entstehen zu lassen.

So beugen Sie vor
Wechseln Sie rasch nasse Badebekleidung und bevorzugen Sie den Sprung in frische Seen und ins Meer. Chlor hingegen greift die Scheidenflora an und schwächt die Abwehr. Übertreiben Sie auch nicht bei der Intimpflege: Normales Wasser und ph-neutrale Seife sind völlig ausreichend. Die Anwendung von Vaginalkapseln mit Milchsäurebakterien und/oder adäquate Schwimmtampons sind vor dem Badbesuch ebenfalls sinnvolle Präventivmaßnahmen.



HARNWEGSINFEKTION
Häufiger Harndrang, Unterleibskrämpfe und brennende Schmerzen beim (tröpfchenweisen) Urinieren deuten auf einen Harnwegsinfekt hin. Vor allem Frauen sind aufgrund ihrer kürzeren Harnröhre öfter betroffen, da Bakterien leichter aufsteigen können – nicht zuletzt im Sommer: Schließlich kann der Unterleib sowohl beim Sitzen auf nassen Handtüchern und kaltem Untergrund auskühlen, wodurch das Immunsystem geschwächt und die Infektionsgefahr erhöht wird.

Was hilft?
Harnwegsinfekte werden in der Regel antibiotisch behandelt. Nach der Einnahme von Antibiotika klingen die Beschwerden meistens rasch ab. Bei leichteren Formen können mitunter auch pflanzliche Präparate – z. B. Tee aus Birken- und Brennnesselblättern oder Goldrutenkraut – für eine Linderung der Symptome sorgen.

So beugen Sie vor
Trinken Sie ausreichend, um die Blase „durchzuspülen“ und halten Sie Ihren Intimbereich warm – selbst bei sommerlichen Temperaturen. Wechseln Sie rasch nasse Badebekleidung und suchen Sie öfter die Toilette auf. Unterdrücken Sie nicht den Harndrang und achten Sie auf richtiges hygienisches Verhalten (abwischen immer von vorne nach hinten). Nach dem Geschlechtsverkehr ist unmittelbares Harnlassen empfehlenswert. Kondome verhindern, dass Bakterien in die Blase gelangen.


KREISLAUFBESCHWERDEN
Zu hohe Temperaturen können auch unserem Kreislauf zu schaffen machen. Steigt die Körperkerntemperatur auf über 37°C, drohen Regulationsstörungen und ein Abfall des Blutdrucks. Die Konsequenz: Schwindel, Schwäche und Übelkeit. Mitunter kommt es auch zu Bewusstseinsstörungen und Ohnmachtsanfällen.

Was hilft?
Sorgen Sie für rasche Abkühlung, indem Sie Gesicht und Nacken mit kaltem Wasser besprühen und sich in den Schatten begeben. Lagern Sie die Beine hoch, trinken Sie Wasser und ruhen Sie sich aus! Tritt keine Besserung ein, suchen Sie einen Arzt auf.

So beugen Sie vor
Halten Sie sich nicht zu lange in der prallen Sonne auf, trinken Sie den ganzen Tag über ausreichend Wasser, greifen Sie zu leichter Kost und meiden Sie alkoholische Getränke. Bewegung in den frühen Morgenstunden und Wechselduschen stärken das Immunsystem und halten den Kreislauf auf Trab.

TROCKENE AUGEN
Sonne, Chlorwasser und Zugluft durch Klimaanlagen setzen empfindlichen Augen im Sommer stark zu. Sie brennen, tränen und sind lichtempfindlich. Zuweilen drohen „durch“ UV-Strahlung oder Keime im Badewasser schmerzhafte Horn- und Bindehautschäden. Manche Keime im Badewasser können auch zu Bindehautentzündungen führen.

Was hilft?
Meiden Sie die Mittagshitze und verzichten Sie auf Kontaktlinsen, bis sich die Augen wieder erholt haben. Gegen Schmerzen helfen oft Augentropfen, die Ihnen Ihr Arzt empfohlen hat.

So beugen Sie vor
Tragen Sie eine qualitativ hochwertige Sonnenbrille vom Optiker und schützen Sie Ihre Augen auch im Wasser mit einer gut sitzenden Schwimmbrille. Meiden Sie Zugluft und langes Verweilen in Räumen mit Klimaanlage. Sollten Sie auf Urlaub fahren, empfiehlt es sich, abschwellende Augentropfen und Tränenersatzmittel in den Koffer zu packen. Das kann auch im Büro empfehlenswert sein.

OHRENENTZÜNDUNG
Ohrenschmerzen, Druckgefühl, Juckreiz und verminderte Gehörleistung können ein Indiz für eine sogenannte Bade-Otitis, also eine Gehörgangsentzündung, sein, die empfindliche Menschen oft im Sommer heimsucht. Die Ursache: Keime im (chlorhältigen) Badewasser.

Was hilft?
Suchen Sie einen HNO-Arzt auf, der die Gehörgänge reinigt und antibiotisch behandelt, um die Schwellung zu reduzieren. Unter Umständen ist danach auch die Gabe von Ohrentropfen – für einige Tage – notwendig. In der Regel heilt eine behandelte Bade-Otitis innerhalb von wenigen Tagen aus; unbehandelt droht schlimmstenfalls eine Mittelohrentzündung.

So beugen Sie vor
Empfindliche Menschen lassen sich vor dem Startschuss der Badesaison das Ohrschmalz von einem HNO-Arzt entfernen, um keinen Nährboden für Bakterien zu fördern. Meiden Sie zudem schmutziges Wasser und lassen Sie sich gegebenenfalls maßgeschneiderte Passstücke für die Ohren bei Hörgeräteakustikern anfertigen, um sich beim Tauch- oder Schnorchelgang zu schützen. Wichtig: Trocknen Sie nach jedem Badegang Ihre Ohren, indem Sie den Kopf schütteln oder diese mit einem Fön trocknen.


INSEKTENSTICHE
Insektenstiche sind im Sommer nicht ungewöhnlich und dann behandlungsbedürftig, wenn es zu schmerzhaften Rötungen oder allergischen Reaktionen kommt.

Was hilft?
Ganz wichtig ist, die Stichstelle umgehend mit kreisenden Bewegungen zu kühlen, um die Blutgefäße zu verengen und die Entzündung zu reduzieren. Essigwasser, aufgeschnittene Zwiebeln oder Gurkenscheiben bzw. Teebaum- und Lavendelöl bzw. Salben aus der Apotheke lindern den Juckreiz. Schwillt die betroffene Gliedmaße weiterhin an und kommen gar Atemnot, Schwindel oder Herzklopfen hinzu, handelt es sich um eine allergische Reaktion. Es ist umgehend ein Arzt aufzusuchen.

So beugen Sie vor
Schützen Sie sich sich mit – gerade in den lauen Abendstunden – mit langer, leichter Kleidung und verwenden Sie Insektenspray. Decken Sie Fleischgerichte oder Süßspeisen und Getränkedosen ab, um Bienen oder Wespen nicht unnötig anzulocken; vermeiden Sie hektische Bewegungen. Gelsen können begrenzt mit speziellen Duftkerzen ferngehalten werden. Idealerweise schützt ein Fliegengitter des Nächtens vor unliebsamen Stichen.



WUNDEN
Wer im Sommer sportlich unterwegs ist, muss mitunter mit der einen oder anderen Verletzung rechnen. Sie können entweder von oberflächlicher Natur sein (Schürfwunden, Kratz- und Platzwunden) oder tiefer gelegene Sehnen und Nerven betreffen (Schnitt- und Stichwunden).

Was hilft?
Sorgen Sie möglichst rasch mithilfe eines leichten Druckverbandes für eine etwaig notwendige Blutstillung und reinigen Sie die Wunde vorsichtig mit fließendem Leitungswasser. Desinfizieren Sie diese anschließend mit einem Wundspray, um vor Infektionen zu schützen und das Gewebe zu schonen. Entscheiden Sie sich anschließend für sterile Pflaster oder Kompressen, die mit selbsthaftenden Bandagen fixiert werden und nicht mit der Wunde verkleben. Wichtig: Bei übermäßigen bzw. nicht stillbaren Blutungen und einer stark verunreinigten Wunde sollte aufgrund der erhöhten Infektionsgefahr ein Arzt aufgesucht werden. Das Gleiche gilt für Schnittwunden, die länger als 2 cm und tiefer als ein halber Zentimeter sind, da das sensible Netzwerk aus Nerven, Sehnen und Muskeln beschädigt sein könnte.

So beugen Sie vor
Achten Sie auf die richtige Ausrüstung beim Sport, wärmen Sie sich vor sportlicher Betätigung auf und dehnen Sie vorab wichtige Muskelpartien. Plus: Überschätzen Sie sich selbst nicht und achten Sie sensibel auf Signale Ihres Körpers. 

Experten Interview

Allgemeinmediziner Dr. Yörük Emre Uyar aus Wien zum Thema Sommerkrankheiten.

Was macht der Gesundheit im Sommer besonders zu schaffen?
Zweifelsohne die Hitze. Vor allem ältere Menschen und Kinder, die oft einmal zu wenig trinken, haben mit ihren Folgen zu kämpfen. Dehydrierung führt zu einem gestörten Elektrolythaushalt und dieser wiederum zu massiven Kreislaufproblemen. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr – etwa zwei bis drei Liter Wasser – lautet daher das oberste Gebot bei sommerlichen Temperaturen. Wer sich ohne Kopfbedeckung und ohne geeignete Sonnencreme lange Zeit der Sonne aussetzt, riskiert zudem Sonnenstich und Sonnenbrand.

Welche weiteren Beschwerden können im Sommer auftreten?
Sommerzeit ist Urlaubszeit. Daher lauern auch einige Reisekrankheiten wie Übelkeit, Verdauungsprobleme oder Infektionen. Bei Fernreisen drohen im schlimmsten Fall Malaria oder Cholera. Vor Reiseantritt – vor allem in exotische Länder – empfiehlt es sich daher, sich reisemedizinisch beraten zu lassen und eine adäquate Reiseapotheke im Gepäck zu haben.

Was enthält eine gute Reiseapotheke?
Medikamente, die Sie regelmäßig einnehmen, entzündungshemmende Präparate bei grippalen Infekten, Kohletabletten bei Durchfall, Fieberthermometer, ein Erste-Hilfe-Set mit Wunddesinfektion, Mullbinden, Wundkompressen, Heftpflaster, Pinzette und Schere, Insektenschutz- und Sonnenschutzmittel. Auch pflanzliche Arzneimittel können bei Beschwerden helfen.

Welche wären das beispielsweise?
Es gibt Wund- und Brandgele auf Basis von Arnica montana, Ringelblume oder Brennnessel. Außerdem können Enzianwurz-Präparate bei Blähungen, Magendruck, Völlegefühl und Übelkeit helfen. Bei Reiseübelkeit ist wiederum Echter Baldrian empfehlenswert. Augentrost-Augentropfen sind bei geröteten, gereizten und tränenden Augen ratsam.

Welche vorbeugenden Maßnahmen kann man treffen?
Leitungswasser sollte man in vielen Ländern meiden und lieber zu abgepacktem Mineralwasser greifen. Warme Getränke, vorzugsweise Tee, sind zudem darmfreundlicher und kühlen den Körper. Vitaminreiche, leichte Kost trägt ebenfalls zu mehr Wohlbefinden bei. Obst sollte man in fernen Ländern schälen und lieber gekochtes Gemüse anstatt rohen Salat essen. Wer zu Harnwegsinfekten neigt, ist zudem gut beraten, nasse Badebekleidung rasch zu wechseln und Vaginalkapseln mit Milchsäurebakterien – als Präventivmaßnahme – zu verwenden. Auch lange Aufenthalte in klimatisierten Räumen sind zu meiden, da sie Infektionen unterschiedlicher Art auslösen können.

Wie sieht es mit sportlicher Betätigung im Sommer aus?
Grundsätzlich kann und sollte auch im Sommer Sport betrieben werden. Bewegung an der frischen Luft tut besonders gut; in der heißen Jahreszeit sollte man aber vor allem die Mittagssonne zwischen 12 und 15 Uhr meiden und seine Joggingrunde besser gleich in der Früh oder erst am Abend “ absolvieren.

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