Sonntag, 22. September 2019

Sicherer Haushalt, gesunde Familie

Ausgabe 2016.10

Die häufigsten Unfälle passieren nach wie vor im Haushalt und in der Freizeit. GESÜNDER LEBEN zeigt, wie Sie und Ihre Familie gesund und sicher leben können.


Foto: © Can Stock Photo - zurijeta

Im Jahr 2015 haben sich österreichweit mehr als 442.000 Unfälle im Heim- und Freizeitbereich ereignet; im Sportbereich waren es rund 196.500. „Das sind etwa drei Viertel aller Unfälle“, gibt DI Klaus Robatsch, Leiter des Bereiches Forschung und Wissenschaftsmanagement im Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV), zu bedenken und betont: „Die wenigsten Menschen wissen, dass die Unfallgefahr daheim und in der näheren Wohnumgebung am höchsten ist.“ Warum, liegt auf der Hand: Zu Hause fühlen wir uns am sichersten und passen daher oft weniger gut auf uns auf. Wenn sich dann noch Alltagshektik, Unachtsamkeit, Unkenntnis oder gar Übermut dazugesellen, steigt das Gefahrenpotenzial für Unfälle. Mit zunehmendem Alter erhöht sich das Risiko, im Heim- und Freizeitbereich zu verunfallen, zusätzlich. „Frauen ab 60 Jahren und Männer ab 70 Jahren haben in diesem Bereich ein besonders hohes Unfallrisiko“, so Robatsch. „Die zweitgrößte Risikogruppe sind Kleinkinder bis 4 Jahre.“ Zu den häufigsten Unfällen zählen Stürze – vor allem in Innenräumen oder auf Treppen, von denen besonders Senioren, aber auch Kinder betroffen sind. Weiters bergen Routinetätigkeiten wie Kochen, Putzen oder Bügeln ein hohes Unfallrisiko. Was also tun? Am besten Heim- und Freizeitunfälle durch gezielte Präventionsmaßnahmen verhindern. So geht’s!

Beugen Sie zu Hause Kinderunfällen vor!

Unfälle gehören zu den größten Gesundheitsrisiken für Kinder. „Sie sind neben Krebserkrankungen Todesursache Nummer 1 im Alter zwischen 1 und 14 Jahren“, so DI Klaus Robatsch (KfV). „Die häufigsten Unfallursachen sind Stürze, Ertrinken und Vergiftungen.“ Einige Gefahrenquellen können durch einfache Sicherheitsmaßnahmen vermieden werden:

  • Sichern Sie Möbelkanten mit einem Kantenschutz
  • Montieren Sie Regale mit Kippschutz
  • Entfernen Sie Aufstiegsmöglichkeiten im Bereich von Balkonen und Fenstern
  • Versehen Sie Laden, Kästen, Fenster oder Balkontüren mit Sperren
  • Verteilen Sie Türstopper
  • Markieren Sie Glasflächen (Türen etc.)
  • Verzichten Sie auf Tischtücher oder verwenden Sie Tischtuchhalter
  • Vorsicht bei offenem Feuer (Kerzen) und elektrischen Geräten (Wasserkocher, Bügeleisen etc.)
  • Achten Sie auf eine stabile Badewanne mit rutschsicherer Einlage
  • Prüfen Sie das Badewasser mit Thermometer und Unterarm
  • Entfernen Sie frei bewegliche Dinge wie Messer, Föhn oder Rasierer
  • Lassen Sie Ihr Kind nie unbeaufsichtigt in der Nähe von offenem Wasser (z. B. Badewanne, Pool oder Biotop)

    Mehr unter www.kfv.at oder unter www.visionzero.at

Gefahrenquelle 1: Fensterputzen
Auch wenn es noch so schnell gehen muss: Um das Gleichgewicht nicht zu verlieren, sollte man sich beim Fensterputzen nicht auf das Fensterbrett stellen. Zwecks Balanceakt ist es ratsamer, auf eine stabil stehende und Halt spendende Leiter zu steigen – und das am besten mit festen Hausschuhen.

Gefahrenquelle 2: Treppen
Treppenstürze sind keine Seltenheit und können neben Prellungen oder Knochenbrüchen sogar tödliche Folgen haben. Besonders gefährdet sind ältere Menschen. Treppen sollten daher mit einem durchgehenden Handlauf ausgestattet sein. Darüber hinaus spielen eine gute Beleuchtung, rutschfeste Trittplatten sowie Markierungen auf Stufenkanten eine wichtige Rolle, um nicht auszurutschen. Kinder bewahrt man mit einem Treppenschutzgitter, das sowohl oben als auch unten an der Treppe befestigt wird, vor Verletzungen. Aber Achtung! Kinder spielen gerne auf der Treppe und stecken manchmal auch den Kopf zwischen die Geländerstreben. Die Abstände zwischen Streben und Treppen sollten daher möglichst klein sein.

Gefahrenquelle 3: Herd und Backofen
Das Essen ist fertig gekocht, auf den Tellern angerichtet und wird genossen – nur die Herdplatte köchelt immer noch vor sich hin. Um Verbrennungen vorzubeugen, sollten Sie daher immer kontrollieren, ob nach der Herdbenützung alles abgeschaltet ist. Aus Unachtsamkeit kann schließlich leicht ein Finger oder gar die ganze Hand auf der noch heißen Platte landen. Gerade Kinder gehören hier zur Risikogruppe Nummer 1: Rund 62 Prozent aller Verbrennungs- und Verbrühungsunfälle passieren laut KFV in der Küche. Es ist daher empfehlenswert, nur auf den rückwärtigen Herdplatten zu kochen und Pfannen- sowie Topfstiele nach hinten zur Wand zu drehen. Herdschutzgitter und Schalterabdeckungen für Drehknöpfe des Herdes sind ebenfalls ratsam. Backöfen sichert man idealerweise mit einer Backrohrsicherung ab.

Gefahrenquelle 4: scharfe Gegenstände
Etwa 30 Prozent aller Unfälle in der Küche sind Schnittverletzungen. Messer und Scheren sollten daher nicht griffbereit am Küchentisch liegen, sondern besser in der Lade oder in einem Messerblock aufbewahrt werden. Achten Sie auch beim Geschirrwaschen in der Seifenlauge auf Ihre Hände und verwenden Sie Gummihandschuhe. Beim Eintauchen können scharfe Messer leicht übersehen werden.

Gefahrenquelle 5: rutschige Böden
Auf der Seife zu stehen, ist nie besonders lustig! Bei der Nassreinigung von Böden sollte daher auf griffige Schuhe geachtet werden. Übrigens: Auch aufgerollte oder lose Teppiche können zu Stürzen führen. Befestigen Sie daher diese Hindernisse mit Anti-rutsch-Streifen. Rutschige Böden können darüber hinaus auch im Badezimmer – etwa in der Badewanne oder in der Dusche – gefährlich werden. Vorsorgen kann man mit Gummimatten, die dank Saugnäpfen Halt geben, mit Duschhockern oder montierten Haltegriffen.

Gefahrenquelle 6: Türen
Oft genügt ein Windzug, um eine offene Tür schnell zufallen zu lassen. Gerät ein Finger dazwischen, kann es zu unangenehmen Quetschungen kommen. Tipp: Sichern Sie Türen am besten mit einem Klemmschutz, der auf dem Türrahmen oder -blatt montiert ist, ab. Bei Glastüren bieten spezielles Sicherheitsglas oder eine Sicherheitsfolie Schutz vor Schnittwunden.

Gefahrenquelle 7: Unordnung
„Was hat das hier denn bitte verloren?“ ist eine oft gestellte Frage nach einem Sturz oder „Stolperer“ daheim. Und tatsächlich: Der Legostein da oder das lose Kabel dort können für Tränen sorgen – bei Groß und bei Klein.  Zwar ist es nie ganz vermeidbar, dass etwas herumliegt, aber: Es sollte so gut wie möglich darauf geachtet werden, Spielzeug in Kisten aufzubewahren, Kabel an die Wand zu verlegen und schwere Gegenstände vor dem Umkippen zu schützen.

Gefahrenquelle 8: Vergiftungen
Rund 900 Kinder unter 15 Jahren müssen jährlich in Österreich nach einem (vermuteten) Vergiftungsunfall stationär behandelt werden. Giftstoff-Fallen lauern in Medikamenten, Haushaltschemikalien und Pflanzen. Bewahren Sie daher Arzneimittel gut versperrt und für die Sprösslinge unerreichbar in einem Medikamentenkasten auf. Auch Reinigungsmittel sollten nur für Erwachsene zugänglich sein. Informieren Sie sich auch über Pflanzen, die Ihre vier Wände zieren oder die Sie kaufen möchten. Um Pflanzen, wie Dieffenbachie, Engelstrompete, Eisenhut oder Herbstzeitlose, sollten Sie einen großen Bogen machen – sie sind zwar schön, aber leider auch giftig und daher gefährlich.

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