Mittwoch, 18. September 2019

Plötzlich Hausfrau

24. Januar 2012
Seite 1 von 2
Als Paar stehen Sie vor der Aufgabe, die Grundlagen Ihres Familienlebens neu auszuhandeln. Orientieren Sie sich vor allem an den Bedürfnissen Ihres Kindes. Aber lassen Sie daneben Ihre eigenen Ziele nicht aus den Augen.

Illustration: Carola Holland
Das Vereinbaren von Beruf und Familie ist – immer noch – in erster Linie eine Aufgabe der Mütter. Und je später das Kind kommt, desto schwieriger wird es, dort wieder einzusteigen, wo man vor der Karenz aufgehört hat. Der Rückschritt, den man in Kauf nehmen muss, ist oft größer als bei jüngeren Müttern.

Die 43-jährige Linda musste das erfahren, als sie nach der Babypause wieder in ihren alten Job einsteigen wollte. „Der Abteilungsleiter war neu – jünger als ich und kinderlos. Er gab mir zu verstehen, dass ich froh sein sollte, überhaupt einen Halbtagsjob zu bekommen, denn das sei in der Firma eigentlich nicht üblich.“ Linda hat zurückgesteckt, weil „der Beruf Spaß macht“. „Aber Aufstiegsmöglichkeiten habe ich vorläufig keine.“

Am besten funktioniert der Wiedereinstieg, wenn er gut vorbereitet und geplant ist. Stellen Sie sich darauf ein, dass Vorgesetzte und Kollegen selbstverständlich denselben Einsatz wie vor der Geburt Ihres Babys erwarten. Kinderbetreuung und Haushalt fordern aber mehr Energie als früher. Stecken Sie Ihre Grenzen ab und überfordern Sie sich in keinem der Lebensbereiche.

Natürlich hat die Entscheidung, ob und wann die Partnerin wieder in den Beruf einsteigt, auch für den Vater Auswirkungen. Als Alleinverdiener steht er unter höherem Druck, finanziell für seine Familie zu sorgen. Teilt er sich die finanzielle Verantwortung mit seiner Frau, muss auch die Kinderbetreuung gerecht geregelt werden. Und wenn er selbst in Karenz geht, betreffen ihn auch alle Fragen rund um den Wiedereinstieg.

„Ich bin sehr froh, dass mein Lebensgefährte für drei Monate in Väterkarenz geht“, erzählt Klaras Mutter Margret, 40. „Erstens, weil das die Bindung zwischen ihm und Klara stärkt. Zweitens, weil er dann weiß, was ich daheim geleistet habe. Und drittens, weil ich meine Arbeit liebe. Ich glaube, ich bin umgänglicher, wenn ich berufstätig bin.“

Ganz anders sieht das Gloria. Sie hat nach einer erfolgreichen Karriere mit 39 und 41 Jahren ihre Kinder bekommen. „Wir haben uns für die klassische Variante entschieden. Mit den Kindern hat für mich ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Ich bin gern bei ihnen zuhause und könnte mir nichts anderes mehr vorstellen.“

Es gibt viele Gründe, zuhause zu bleiben. Sei es, dass es in der Umgebung keine geeignete Arbeit gibt, sei es, dass Ihr Baby ein willkommener Grund ist, aus einem ungeliebten Job auszusteigen (und vielleicht später einen Neustart zu wagen). Sei es, dass Sie sich bewusst auf die klassische Arbeitsteilung geeinigt haben. Vielleicht spüren Sie auch einfach, dass Ihr Kind Sie braucht.

Leider finden Hausfrauen in der Gesellschaft selten die angemessene Wertschätzung. „Mir macht das geringe Ansehen meines neuen Berufs zu schaffen“, klagt die 37-jährige Simone. „Ich bin Nur-Mutter – das sagt ja schon alles!“ Dazu kommt, dass es nicht einfach ist, von der selbstständigen Geldverdienerin plötzlich zur hauptverantwortlichen Kinderbetreuerin zu werden. So ein Rollenwechsel funktioniert kaum ohne offene Gespräche mit dem Partner. „Ich habe meinen Job gerne aufgegeben. Aber es ist hart für mich, erstmals Geld auszugeben, das ich nicht selbst verdient habe. Ich muss mir immer wieder sagen, dass mein Beitrag zu unserer Familie genauso groß ist, auch wenn er nicht auf dem Konto landet.“

Tipps
  • Finden Sie die in Ihrem einzigartigen Fall beste Aufteilung von Berufsarbeit, Kinderbetreuung und Haushalt: das ist jene, die langfristig die Bedürfnisse von Kind und Eltern ernst nimmt und die Belastungen gerecht verteilt.
  • Auch für Männer hat es unschätzbaren Wert, sich längere Zeit ausschließlich auf ihr Kind konzentrieren zu können. Schließen Sie daher eine Teilung der Karenz nicht von vornherein aus.
  • Halten Sie während der Babypause so viel Kontakt wie möglich mit Ihrem Arbeitgeber und bekräftigen Sie Ihre Pläne für den Wiedereinstieg. Versuchen Sie am Laufenden zu bleiben, auch was Neuerungen in Ihrer Branche oder allgemeine Veränderungen in der Arbeitswelt betrifft.
  • Besinnen Sie sich darauf, was Sie als Mutter tagaus, tagein bewerkstelligen und "hinter den Kulissen" leisten. Ob Organisationstalent und Belastbarkeit, ob Verhandlungsgeschick und Verantwortungsbereitschaft: Die Babypause ist auch aus beruflicher Sicht keine ungenutzte Zeit.
  • Finden Sie heraus, was Sie aus eigenen Kräften schaffen können. Dann kümmern Sie sich frühzeitig um Babysitter oder eine Tagesmutter. Fragen Sie Ihren Arbeitgeber nach der Möglichkeit von flexiblen Arbeitszeiten.
  • Wählen Sie die Betreuung für Ihr Kind sorgfältig aus, sodass Sie ein gutes Gefühl haben.
  • Wenn Sie die Möglichkeit haben, aus mehreren Betreuungseinrichtungen zu wählen, achten Sie auf: helle, einladende Räume, von Kindern erzeugte Dekoration, den Umgang der Kinder untereinander, gutes Spielmaterial, Rückzugsmöglichkeiten und kompetente Pädagogen und Pädagoginnen.
  • Haben Sie kein schlechtes Gewissen: weder wenn Sie sich morgens von Ihrem Kind verabschieden noch wenn Sie Ihren Arbeitsplatz pünktlich verlassen, obwohl kinderlose Kollegen noch bleiben.
  • Rechnen Sie nicht zu fix mit netten Babysitter-Angeboten aus dem Freundeskreis. Diese werden oft leichtfertiger ausgesprochen als eingehalten.
  • Ein bis zwei Stunden täglich sollten Sie mit Ihrem Kind verbringen können, ohne durch Hausarbeit oder Berufliches belastet und abgelenkt zu sein.
  • Lassen Sie sich bei Ihrer Lösung für die Arbeitsteilung nicht aus dem Konzept bringen: Irgendjemand weiß immer alles besser.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Plötzlich Hausfrau
Seite 2 Kinderbetreuungsgeld


logo

Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend
www.eltern-bildung.at
Bestellen Sie weitere Elternbriefe und Tipps für Eltern kostenlos hier

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-09 130x173

Aktuelles Heft 09/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 4. Oktober

 

Unsere Ausgabe 07-08/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Hand aufs Herz – wie nutzen Sie Ihr Handy?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information