Sonntag, 16. Juni 2019

„Ohne Ende kein Anfang“

16. Januar 2012
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Trennung und Scheidung sind eine Belastung für Sie und Ihr Kind. Diese Krise gut zu bewältigen, macht jedoch auch stärker. Alles, was Sie tun, um wieder Sicherheit zu gewinnen, hilft auch Ihrem Kind.

Illustration: Carola Holland
„Bei der Hochzeit dachte ich noch: Alles wird gut , bis an mein Lebensende werde ich mit diesem Mann zusammen bleiben, Kinder kriegen, sie aufziehen, dann gemeinsam alt werden – und was ist jetzt?“
Emine versuchte viele Jahre lang, mit ihrem Mann Yusuf ein harmonisches Familienleben zu gestalten, doch irgendwie gelang es beiden nicht, ihre Streitereien friedlich und ohne gegenseitige Verletzungen zu lösen. In den letzten Monaten war das Zusammenleben schon so schwierig, dass ihre drei Kinder sichtbar darunter litten. Die angespannte Situation zu Hause belastete zunehmend die ganze Familie.

„Ich wollte mich wegen der Kinder nicht trennen. Damit sie nicht ohne ihren Vater aufwachsen. Ich hatte Angst davor, dass meine Eltern mich nicht unterstützen würden und überhaupt – ich hatte einfach Angst vor dieser großen Entscheidung. Außerdem hatte ich keine Ahnung, wie eine Scheidung funktioniert. Eine Freundin hat mir empfohlen, zu einer Beratungsstelle zu gehen. Dort habe ich Informationen über den Ablauf bei Gericht bekommen, ich konnte aber auch über meine verwirrenden Gefühle, Ängste und Sorgen sprechen. Das hat mir gut getan. Ich fühlte mich nicht mehr so unsicher und auch nicht mehr so einsam. Danach bin ich nach Hause gegangen und habe endlich mit meinem Mann geredet. Nach vielen Gesprächen, die nicht immer friedlich verlaufen sind, und Schlichtungs- und Versöhnungsversuchen seitens unserer Familien, haben wir uns durchgerungen, eine so genannte einvernehmliche Scheidung bei Gericht zu beantragen. Wir wollten unsere Trennung und die familiären und finanziellen Veränderungen unter uns klären.“

Wenn Eltern sich trennen, bedeutet das immer eine große Veränderung für das Leben aller Familienmitglieder. Viele Dinge des Familienalltags müssen neu organisiert werden. Wer bringt das Kind in den Kindergarten? Wer holt das Kind ab? Wann sind die Kinder beim Vater, wann bei der Mutter? Wer behält das Auto? Wer geht zum Elternabend? Wer holt den Sohn vom Fußballtraining ab? Wer bleibt in der Wohnung? Wer zieht aus? Wie werden die Möbel aufgeteilt? Wer bezahlt  wie viel Unterhalt? Wer zahlt den Kredit zurück? Können die Kinder weiterhin dieselbe Schule besuchen oder müssen sie die Schule wechseln? Wer kann dabei helfen? Wer fährt wann mit den Kindern auf Urlaub?

Kinder brauchen in dieser Phase viel Aufmerksamkeit und Liebe. Sie glauben oft, an der Trennung der Familie schuld zu sein und entwickeln Ängste. Sie möchten die Eltern gerne wieder versöhnen. Dabei können sie recht einfallsreich sein und die Eltern unter enormen Druck setzen: Das eine Kind kann plötzlich nicht mehr allein in die Schule gehen, das andere wird öfter krank, weint oft, sucht mehr als sonst die Nähe zu den Eltern, hört auf zu reden, schläft schlecht, will die Mama oder den Papa nicht alleine lassen, nässt wieder ein, regt sich über jede Kleinigkeit auf oder streitet viel mit den Geschwistern.

Die Entscheidung zur Trennung treffen jedoch immer die Erwachsenen!

Ihr Kind braucht Zeit, um mit der neuen Situation zurecht zu kommen. Es braucht die Sicherheit, dass wichtige Dinge gleich bleiben: seine Versorgung, sein Kontakt zu beiden Eltern. Es braucht liebevolle Gesprächspartner, die seine Anliegen und verschlüsselten Hilferufe verstehen. Zeigen Sie Ihrem Kind oft, dass Sie es lieben und dass sich daran nichts ändern wird, auch wenn Sie getrennt vom anderen Elternteil leben.

Vermeiden Sie unbedingt, über den anderen Elternteil schlecht zu reden oder Ihr Kind in den Paarkonflikt hineinzuziehen. Auch Verwandte müssen sich an diese Regeln halten. Meistens bleiben jüngere Kinder bei der Mutter. Ältere Kinder können mitreden, wo sie künftig leben möchten. Nehmen Sie die Gefühle und Meinungen Ihrer Kinder ernst und überlegen Sie, was den Kindern zumutbar ist und was nicht (z.B. Schulwechsel, vorübergehende Unterbringung bei den Großeltern in der alten Heimat, Übersiedlung, …).

Kinder brauchen bei der Bewältigung dieses einschneidenden Lebensereignisses Unterstützung durch Erwachsene. Wenn Sie selbst gerade nicht die Kraft haben, diese Aufgabe alleine zu erfüllen, können Sie durchaus etwa eine Tante, einen Onkel oder einen anderen vom Kind geschätzten Erwachsenen um Hilfe bitten.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 „Ohne Ende kein Anfang“
Seite 2 Tipps für Eltern die sich trennen


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