Montag, 18. Dezember 2017

Neues Jahr, neue Chancen!

Ausgabe 2017.12/2018.01
Seite 1 von 2

Jedes (neue) Jahr dasselbe Problem: Wir starten voll motiviert und mit guten Vorsätzen – und wenige Tage später ist alles wie zuvor: derselbe Trott, dieselben Laster. GESÜNDER LEBEN zeigt, wie Sie es diesmal wirklich schaffen, Ihre Vorsätze nachhaltig umzusetzen.


Foto: iStock-PeopleImages 13.09.40

Endlich abnehmen – oder einfach nur weniger essen und weniger Alkohol trinken, mehr Sport, mit dem Rauchen aufhören, weniger Geld ausgeben beim Shopping, weniger Streit mit dem Partner, mehr Geduld mit den Kindern. Viele von uns starten voll guter Vorsätze in ein neues Jahr. Der Jahreswechsel ist so etwas wie ein „Bilanzstichtag“. Aber fast immer fassen wir unsere guten Vorsätze schon Monate vor diesem magischen Moment der Mitternacht vom 31. Dezember zum 1. Jänner, und meistens lösen sie sich schon wieder auf, wenn das neue Jahr erst wenige Tage alt ist. Warum ist das so? Und vor allem: Muss es so sein?

„Verhaltensänderung geht Hand in Hand mit der inneren Dringlichkeit und die kann man nicht ‚machen’“, erklärt die Kinesiologin sowie Mal- und Gestaltungstherapeutin Beatrix Stana. „Viele Dinge tut man aus Gewohnheit. Aber wir sollten achtsamer mit uns selber umgehen. Für eine nachhaltige Verhaltensänderung braucht man einen klaren Plan und einen überschaubaren Zeitraum. In der chinesischen Medizin sagen wir 3 – 6 – 9 Tage, zuerst probiert man das geänderte Verhalten drei Tage, wenn das klappt, sechs Tage usw.“ Setzen Sie also kleine Schritte, beobachten Sie sich selbst, ob Ihnen die Änderungen auch tatsächlich so guttun wie angenommen.

Überzeuge dich selbst, aber überfordere dich nicht! Johann ist einer, dem es schon vor Jahren gelungen ist, seinen Neujahrsvorsatz umzusetzen. Er hat mit dem Rauchen aufgehört und hält das seit 15 Jahren durch. Allerdings war seine Dringlichkeit überlebenswichtig: Ein Aortenaneurisma wurde festgestellt und es war klar, dass Rauchen es weiter verschlimmern würde. „Rauchen ist ja ein Ritual, man glaubt, ohne das geht es nicht. Ich habe ein Gegenritual erfunden, eine Art Selbsthypnose. Immer wenn ich zu einer Zigarette greifen wollte, habe ich den Satz ‚I don’t need it’ gesagt, in allen Tonlagen, ich hab´ ihn sogar gesungen. Nach zwei Wochen war mein Gehirn davon überzeugt.“ Renate schleppt hingegen ihren Vorsatz jedes Jahr wieder mit ins neue Jahr: Sie möchte zehn Kilo abnehmen. Heute weiß sie: „Ich habe mir mit zehn Kilo immer ein zu großes Ziel gesetzt. Heuer werde ich es anders machen und mir vornehmen, ein bis zwei Kilo im Monat abzunehmen, das geht sicher leichter.“ Kurz: Setzen Sie sich realistische Ziele, die auch erreichbar sind.

Veränderung ist immer möglich. „Was man wirklich möchte, beginnt man gleich umzusetzen und wartet nicht auf den Jahreswechsel“, ist die Verhaltenstherapeutin Dr. Marcella Zauner-Grois überzeugt. „Wenn die Motivation da ist, zögert man nicht. Will ich zum Beispiel meine Wohnung renovieren, dann mach ich es gleich. Alles, was mühsam ist, was ich ‚hätte sollen’, bleibt liegen bis zum Jahresende.“ Das neue Jahr hat als Neuanfang einen besonderen Charme. Was man dabei übersieht, sind die inneren Hindernisse, die heimlichen Widerstände, warum man verschiedene Vorsätze nicht umgesetzt hat, und die bleiben trotz Jahreswechsel bestehen. Die Frage ist, ob man wirklich das Bedürfnis hat, seinen Vorsatz umzusetzen, oder ob es ein stärkeres Bedürfnis gibt, das bisherige Verhalten beizubehalten. „Es liegt ein klassischer Zielkonflikt vor, denn wenn ich das eine verwirkliche, muss ich auf etwas anderes verzichten“, erklärt Dr. Zauner-Grois und bringt ein uns allen bekanntes Beispiel: „Wenn ich im Sommerurlaub eine Bikinifigur haben will, muss ich jetzt damit aufhören, Schokolade und Süßigkeiten zu essen, obwohl der Sommer erst in sechs Monaten ist. Ich muss mich also laufend selbst überwinden, obwohl das Ziel in weiter Ferne liegt! Oder ich muss jetzt zu joggen beginnen, um viel später fit und schlank zu sein. Und da siegt dann zumeist das, was jetzt angenehm ist.“ Wir bewerten also unsere Erfahrungen nach ihrer Qualität in gut und schlecht. „Gut“ löst Annäherungstendenzen aus und „schlecht“ Vermeidungstendenzen. Wie wir diese Bewertung vornehmen, hängt von unserem Temperament, unseren bisherigen Erfahrungen, unserem momentanen Zustand und unseren Bedürfnissen ab. Das, was kurzfristig angenehm ist, liegt näher als die Belohnung in weiter Ferne. Ich muss jetzt auf das angenehme kuschelig vor dem Fernseher Sitzen verzichten und raus in die Kälte zum Joggen, aber die purzelnden Kilos sehe ich erst in mehreren Wochen. Nötig ist also das „heldenhafte Ertragen“ im Jetzt für ein späteres Ergebnis.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Neues Jahr, neue Chancen!
Seite 2 Geduld und Konsequenz

Aktuelle Ausgabe & E-Paper

cover 2017-12 110x147

Aktuelles Heft 12/2017

Die nächste Ausgabe erscheint am 1. Februar

 

Unsere Ausgabe 11/2017 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Wie wirkt sich Stress auf Ihr Essverhalten aus?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information

SERVICE