Samstag, 23. Februar 2019

„Meine Kultur, deine Kultur, gemeinsame Kultur …“

13. Januar 2012
In Österreich gibt es mehrere Ämter und Einrichtungen,die Sie bei der Erziehung und Betreuung Ihrer Kinder unterstützen. Lesen Sie hier, wofür zum Beispiel Jugendamt oder Familienberatungsstellen zuständig sind.

Illustration: Carola Holland
„Ich habe Angst, dass meine Kinder unsere Kultur vergessen werden!“ Fatih vertraut sich seinem Cousin an. „Die Kultur meiner Heimat ist mir doch so wichtig.“

Was meint Fatih mit Kultur? Die Traditionen seines Herkunftslandes? Die alltäglichen Rituale seiner Familie? Oder Literatur, Musik und andere Werke von türkischen Künstlern?

Die UNESCO bietet eine Definition an: „Die Kultur kann (…) als die Gesamtheit der einzigartigen geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Aspekte angesehen werden, die eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnen. Dies schließt nicht nur Kunst und Literatur ein, sondern auch Lebensformen, die Grundrechte des Menschen, Wertesysteme, Traditionen und Glaubensrichtungen.“

Fatih ist seit einem Jahr in Österreich. Jetzt, wo Arbeit, Wohnung und Schule gefunden und die Anfangsschwierigkeiten überwunden sind , beschäftigt er sich stark mit den kulturellen Unterschieden zwischen „Eigenem“ und „Anderem“. Auf Schritt und Tritt begegnen ihm Abweichungen. Manches gefällt ihm, manches nicht. Auch über das Wort „Integration“ diskutiert Fatih häufig mit seiner Frau: „Müssen wir alle unsere Werte über Bord werfen, damit wir hier anerkannt werden?“, hat er kürzlich gefragt .

Nein – und doch ist es eine tägliche Übung, das „gute Alte“ zu bewahren und mit dem guten Neuen zu ergänzen. Dazu brauchen Sie Neugier, Offenheit und Toleranz. (Die Sie dann auch von anderen erwarten dürfen.)

Übersehen Sie nicht: Auch in Ihrer alten Heimat bleibt nicht alles für immer so, wie es war. Mit Veränderungen müssten Sie dort auch umgehen!

Wenn Sie also die kulturellen Eigenheiten Ihrer neuen Heimat entdecken und annehmen, verlieren Sie nichts, sondern gewinnen etwas dazu.

Kulturelle Identität
Jeder Mensch entwickelt ein kulturelles Zugehörigkeitsgefühl zu einer (Teil-)Gesellschaft und passt es immer wieder seinen aktuellen Lebensund Umweltbedingungen an. Das bedeutet, er fühlt sich immer einer bestimmten Gruppe oder Gesellschaft am nächsten. Und unterscheidet sich dabei bewusst von anderen Gruppen – etwa durch Sprache, Religion, Werte oder Sitten. Dabei bietet das „Eigene“ Sicherheit, Stärke und Geborgenheit, während das „Andere“ Verunsicherung und Angst auslösen kann.

Menschen mit Migrationshintergrund beschäftigt die Frage der Kulturzugehörigkeit besonders stark. Häufig sehen sie dabei eher den Verlust als den Gewinn. Dabei geht es auch um die Frage der Integration: Wie weit kann die Familie die mitgebrachten kulturellen Normen und Werte in Österreich leben? Welche Vorstellungen entwickeln Kinder, die hier geboren werden und aufwachsen? Von welchen Traditionen muss sich die Familie verabschieden? Welche Werte und Normen der neuen Heimat gefallen ihr so gut, dass sie sie annehmen möchte?

Die Antworten auf diese Fragen bestimmen die kulturelle Identität und entscheiden darüber, ob man sich in der aktuellen Lebensumgebung mit seinen Einstellungen respektiert fühlt.

Kulturelle Identität verändert sich ein Leben lang. Das gute Alte bewahren und mit dem guten Neuen ergänzen: das ist tägliche Übung in einer vernetzten, globalisierten Welt.

Tipps für Eltern
  • Kinder sind von Natur aus neugierig. Geben Sie ihnen die Informationen, die sie brauchen, um eine bestimmte Tradition verstehen und nachvollziehen zu können.
  • Erklären Sie, warum die Einhaltung einer bestimmten kulturellen Regel Ihnen wichtig ist.
  • Es ist ein Zeichen gesunder Entwicklung, wenn Kinder mit Ideen experimentieren und manchmal auch falsche Entscheidungen treffen. Wichtig ist, dass Sie Ihre Kinder ermutigen, darüber zu sprechen und sich mit Ihnen auszutauschen.
  • Erzählen Sie von Ihren eigenen kulturellen Wurzeln und hören Sie Ihren Kindern zu, wenn sie von neuen Eindrücken und Erfahrungen aus dem Kreis der Gleichaltrigen erzählen.
  • Traditionen und Rituale, deren Bedeutung nicht gekannt und weiter gegeben wird, verlieren mit der Zeit ihre Kraft. Geben Sie Ihr Wissen deshalb an Ihre Kinder weiter.
  • Es macht Spaß, ein eigenes Familienritual zu entwickeln – z.B. jeden Sonntag ein großes Familienfrühstück zu organisieren oder einmal im Monat mit den Kindern einen Ausflug zu unternehmen, um die weitere Wohnumgebung zu erkunden.

Werte
Werte sind Vorstellungen, die uns Orientierung im Leben geben. Sie helfen uns, uns zu entscheiden – im Kleinen wie im Großen. Um mit Ihren Kindern über Werte zu diskutieren, sollten Sie Klarheit haben, was Ihnen persönlich wichtig ist. Denken Sie wieder einmal über Ihre Werte nach, bieten Sie diese im Gespräch an und seien Sie zur Auseinandersetzung bereit. Stehen Sie zu Ihrer Überzeugung, genau das braucht Ihr Kind, es sucht Ihre Standfestigkeit. Sagen Sie aber auch, andere Menschen denken anders.

Was wollen Sie Ihrem Kind mitgeben – und woran kann es das erkennen? Ein Beispiel: Sie wünschen sich, dass Ihr Sohn, Ihre Tochter einen Beruf lernt und ausübt, der ihm/ihr Freude macht. Sie selbst jammern jedoch über Ihren Job (ohne sich um eine Verbesserung zu bemühen) und sehnen am Montag schon lautstark den Freitag herbei.

Autor: Mag.a Katharina Ratheiser



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