Montag, 18. Februar 2019

Meine Familie mein Kraftspender

Ausgabe 09/2012
Seite 1 von 3
Die Familie hat nach wie vor einen hohen Stellenwert für die meisten Menschen, da sie Geborgenheit, Vertrautheit sowie Unterstützung bietet – und dadurch jede Menge Energie schenkt.


Familie. Was ist das heutzutage eigentlich? Gemeinsame Vorfahren, Heirat und Partnerschaften sowie Kinder sind wohl ein verlässliches „Indiz“ dafür. Die häufigste Familienform stellen zwar nach wie vor Ehepaare mit Kindern dar, „neuere“ Modelle gewinnen jedoch zunehmend an Bedeutung. Man braucht sich nur in seinem eigenen Umfeld ein bisschen umzusehen: Da stößt man auf Klein-, Groß-, Mehrgenerationen-, Patchwork-, Regenbogen- oder sogar Wahlfamilien. Laut Statistik Austria lebten in Österreich im Jahr 2011 2.342.300 Familien, in 60 Prozent davon wuchsen Kinder auf. Nur mehr in 41,5 Prozent der Familien lebten auch verheiratete Paare. Es gibt also nur noch wenige Paare, die erst dann einen gemeinsamen Haushalt gründen, wenn sie heiraten. Die Ehe ist nicht mehr soziale, wirtschaftliche oder moralische Notwendigkeit, sondern eine persönliche Wahl, und meistens wird eine Phase des nicht ehelichen Zusammenlebens durchlaufen. So lebten 2011 338.000 Paare unverheiratet im gemeinsamen Haushalt, davon 43,2 Prozent mit Kindern. 1985 waren es – nur zum Vergleich – erst 73.000.

Familie ist bunt. „Familie ist heute vielfältiger, die Modelle sind bunter geworden. Es gibt nicht mehr den einen, einzig richtigen Entwurf. Jeder lebt quasi seine eigene Vorstellung von Familie, und niemand muss sich mehr gezwungen fühlen, mit jemandem zusammenzuleben“, ist Ass.-Prof. Dr. Brigitte Hackenberg, Ärztliche Leiterin des Klinischen Kompetenzzentrums Psychosomatik in Wien, überzeugt. Das, was man unter Familie heute versteht, ist eben viel aufgelockerter und flexibler geworden. Denken wir nur an die Patchworkfamilien, die in wechselnder Zusammensetzung und an unterschiedlichen Orten in einem Familiengefüge leben. „Oder an homosexuelle Paare, die mit einem adoptierten Kind oder Pflegekind füreinander da sind. Auch Familien mit zwei Vätern, einer Mutter und deren Kindern sind denkbar und existent“, ergänzt Diplom-Psychologin Doritt Geitmann aus Kremmen im deutschen Brandenburg. Trotzdem: Es gibt noch einen gemeinsamen Nenner dieser unterschiedlichen Lebensentwürfe: Er ist in ihrer gemeinsamen „Seele“ und ihrer ganz speziellen, intensiven Verbundenheit unter ihren Mitgliedern zu suchen.

Ein Wandel der Werte. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts verstand man unter Familie eine Form des Zusammenlebens, die mehr von wirtschaftlichen als von sozialen Verbindungen geprägt war. Gemäß dem lateinischen „famulus“ (der „Haussklave“), dem Ursprung des Begriffs „Familie“, wurde unter diesem „Gebilde“ der Besitzstand des Mannes bezeichnet. Erst im Rahmen der fortschreitenden Industrialisierung entstand das Bild der bürgerlichen Kleinfamilie, so wie sie uns vertraut ist. „In weiterer Folge wurde aufgrund des sich vollziehenden Wertewandels, und nicht aufgrund eines Werteverlusts, eine Pluralisierung der Lebensformen ermöglicht“, erläutert Hackenberg. Ursachen für diese Entwicklung liegen vor allem in den zunehmenden Selbstentfaltungstendenzen und dem Streben nach Freiheit und individuellem Glück seit den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts. Bessere Verhütungsmethoden (1961 wurde die Antibabypille eingeführt), die Stärkung der Frauenrechte samt steigender Erwerbsarbeit des weiblichen Geschlechts und eine mehr und mehr auf Familie zugeschnittene Politik, die u. a. 1983 das Bundesministerium für Familie, Jugend und Konsumentenschutz in Österreich entstehen ließ, Scheidungen vereinfachte und den gesetzlichen Anspruch auf Kinderbetreuungsplätze ermöglichte, verstärkten diesen Trend. „Frauen sind dadurch selbstständiger, selbstbewusster und unabhängiger von einem Mann als noch vor einigen Jahren“, so Liebes- und Lebensberaterin Susan Heat aus Düsseldorf.

Gut aufgehoben fühlen. Egal, in welcher Familienform man lebt, ob mit oder ohne Kinder, geschieden oder (wieder) verheiratet, als Single mit seiner Ursprungsfamilie oder auch in einer Wohngemeinschaft: Keine Familie gleicht der anderen. Wie jedes Unternehmen oder jede Organisation hat auch jeder familiäre Zusammenschluss seine eigenen Eigenschaften. Es werden Regeln aufgestellt und auf ein gemeinsames Wertefundament zurückgegriffen, wodurch das sensible zwischenmenschliche Gleichgewicht gehalten, Entscheidungen besser getroffen und ein gemeinsamer Weg geebnet werden sollen. „Familie bietet eine Primärbindung und stellt einen Ort dar, an dem man zu Hause ist. Das Gefühl der Zugehörigkeit, das der Mikrokosmos Familie vermittelt, ist ein wertvolles Sozialkapital, dessen man sich bewusst sein sollte. Unabhängig von zusätzlichen Belastungsfaktoren spendet diese Emotion enorm viel Kraft“, so Hackenberg. Ein sehr großer Teil des gemeinsamen Familienlebens besteht aus gepflegten Ritualen. Bei vielen Menschen stehen Treffen anlässlich von Geburtstagen oder (religiösen) Festtagen auf der Tagesordnung, für andere sind der Sonntagausflug, die monatliche Grillerei im Sommer bei den (Groß)-eltern oder das wöchentliche Kaffeekränzchen mit dem Bruderherz Usus geworden.


Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Meine Familie mein Kraftspender
Seite 2 Gemeinsame Rituale geben Geborgenheit
Seite 3 Großeltern als Kraftspender

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-02 130x173

Aktuelles Heft 02/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 8. März

 

Unsere Ausgabe 12/2018-01/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Sind Sie zu Ihrem Arzt immer ehrlich?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information